Henry Koch, Vorsitzender des Rates der Samtgemeinde Heemsen.

Henry Koch, Vorsitzender des Rates der Samtgemeinde Heemsen.

04.01.2015

„Die Kinder sind es uns wert“

Warum die Samtgemeinde Heemsen so vehement für den Erhalt der Oberschule eintritt

Von Edda Hagebölling

Nienburg/Heemsen. Hat Heemsens Oberschule noch eine Chance? Die Antwort auf diese Frage hängt maßgeblich davon ab, ob Nienburgs Stadtrat am kommenden Dienstag mehrheitlich für eine Vereinbarung zwischen der Stadt und der Samtgemeinde Heemsen stimmt. Kommt es zu der Vereinbarung, machen sich Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes und Heemsens Samtgemeindebürgermeister Fietze Koop unverzüglich auf den Weg nach Hannover, um bei der Landesschulbehörde offiziell zu beantragen, dass die Oberschule Heemsen künftig in der Trägerschaft der Samtgemeinde fortgeführt wird. Wie mehrfach berichtet, hatte sich der Kreistag im vergangenen Herbst dafür ausgesprochen, die Oberschule in Heemsen ab dem kommenden Schuljahr auslaufen zu lassen. Parallel würde auch die Trägerschaft durch den Landkreis auslaufen. Warum die Samtgemeinde Heemsen alles daransetzt, auch weiterhin Standort einer weiterführenden Schule zu sein, wollte die HamS von Henry Koch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Rates der Samtgemeinde Heemsen wissen.

Der langjährige Kommunalpolitiker ist überzeugt davon, dass eine weiterführende Schule zwingend zu einer vernünftigen Infrastruktur dazu gehört. „Die Schule ist für unsere Region genauso wichtig, wie unsere Geschäfte und Geldinstitute“, so Koch.

„Familien, die sich in der Samtgemeinde niederlassen wollen, gucken nicht nur auf die Bauland- und Mietpreise, sondern auch darauf, wie wir aufgestellt sind“, so der Kommunalpolitiker weiter. „Und wir sind gut aufgestellt“, fährt er fort. „Wir halten Kinderkrippen und Kindergärten vor, verfügen über wohnortnahe Grundschulen und haben in Heemsen ein Schul- und Sportzentrum, das zu den modernsten im gesamten Landkreis gehört“, führt Koch vor Augen. In dieses Zentrum sei in den vergangenen Jahren sehr viel Geld investiert worden.

Der Ratsvorsitzende, zugleich Bürgermeister der Gemeinde Heemsen und Vorsitzender des Schulausschusses des Landkreises Nienburg, überlegt bereits, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt nach Heemsen einzuladen. „Damit sie sieht, was für ein Irrsinn es wäre, eine Schule wie diese zu schließen“, betont der Heemser weiter.

Wichtig sei eine weiterführende Schule aber auch für die Gewerbetreibenden in der Samtgemeinde. „Wer Fachkräfte für sein Unternehmen gewinnen will und möchte, dass sie auch ihren Wohnort in die Nähe des Arbeitgebers verlegen, wird auch gefragt, was die Region zu bieten hat“, weiß das Vorstandsmitglied des Gewerbevereins Heemsen aus eigener Erfahrung.

Koch gibt aber auch zu bedenken, dass vom Erhalt der Oberschule Heemsen auch die Stadt Nienburg, und hier besonders die Ortsteile Erichshagen-Wölpe und Holtorf profitieren würden. „Da gibt es längst gewachsene Strukturen. Besonders Erichshagen-Wölpe und Heemsen sind seit vielen jahren miteinander verbandelt. Kinder aus Erichshagen haben immer schon die Schule in Heemsen besucht. Aktuell sind es rund 80“, so Henry Koch weiter.

Die Nicht-Gymnasialkinder aus den beiden nördlichen Stadtteilen Nienburgs müssten sich, sollte es Heemsen nicht mehr geben, künftig auf den Weg zur Leintorschule machen, wenn sie dem Grundschulalter entwachsen, gibt der Ratsvorsitzende zu bedenken.

Das finanzielle Risiko einer Schulträgerschaft ist nach Auskunft Kochs überschaubar. „Dass zusätzliche Kosten auf uns zukommen werden, ist uns bewusst. Die Kinder sind es uns aber wert“, betont der Politiker unmissverständlich.

Die öffentliche Sitzung des Stadtrates findet am Dienstag um 18 Uhr im Ratssaal statt. Der Schulausschuss der Stadt berät bereits morgen um 16 Uhr, im Anschluss tagt der Verwaltungsausschuss.

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Erstellt:
4. Januar 2015, 00:00 Uhr
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