Wer suchet, der findet – und misst ein: Sondengänger wurden in Dedendorf geschult. Schaumburger Landschaft

Wer suchet, der findet – und misst ein: Sondengänger wurden in Dedendorf geschult. Schaumburger Landschaft

Dedendorf 07.11.2017 Von Die Harke

Die Lizenz zum Suchen

Kursus für Sondengänger: Für Metalldetektor ist eine Genehmnigung notwendig

Wer am vergangenen Samstag die Landstraße zwischen Bücken und Hoya entlanggefahren ist, könnte sich über einen ungewöhnlichen Anblick gewundert haben: An die 20 Personen schritten mit gesenktem Blick über die Ackeroberfläche. Kartoffeln waren auf der Fläche nicht aufzulesen – dafür aber archäologische Funde. Die Umgebung war schon vor der Gründung des [DATENBANK=6020]Stiftes Bücken[/DATENBANK] und lange bevor von den Grafen von Hoya überhaupt die Rede war, besiedelt. In der Steinzeit geschlagene Feuersteine und nur schwach gebrannte Keramik zeigen hier alte Siedlungen an. Familie Thiermann, der die Parzelle gehört und das Gelände zur Verfügung stellte, kennt sich da seit Jahrzehnten aus.

Die aktuelle Suche war jedoch auf Metallobjekte ausgerichtet. Interessenten, die eine Genehmigung für den Einsatz von Metalldetektoren erhalten wollen, wurden hier geschult, teilt die Schaumburger Landschaft mit.

Das Landesdenkmalamt und die Kommunalarchäologie hatten Teilnehmer aus halb Niedersachsen eingeladen, um zu unterweisen, was alles ein archäologischer Fund ist und wie man ihn einmisst und dokumentiert. Darunter waren auch mehrere Teilnehmer aus dem Landkreis.

Wer einen Metalldetektor einsetzen will, braucht neben der Einwilligung des Grundbesitzers auch eine Genehmigung des Denkmalschutzes. Die Furcht um Fundstellen, die andernorts geplündert werden, macht dies nötig. Eine alte Münze, die im Internet angeboten wird, ist sowohl für die Heimatgeschichte als auch die Forschung verloren, ganz abgesehen davon, dass der Fundplatz irgendwann fundleer ist.

Um Interessenten zu sensibilisieren, dass das „Sondeln“ nicht nur ein Hobby ist, sondern dabei wie beim Angeln, Jagen oder dem Einsatz von Drohnen Regeln zu befolgen sind, werden jedes Jahr mehrere Kurse in Theorie und Praxis angeboten. Neben Hinweisen auf Gefahren, die von Munition ausgehen können, und ersten Bestimmungshilfen ist es wichtig, dass 2000 Jahre alte Gewandspangen mit einer exakten Ortsangabe beim zuständigen Archäologen gemeldet werden. Für Nienburg ist dies Dr. Jens Berthold von der Schaumburger Landschaft.

Allen, die legal ihrem Hobby nachgehen möchten, wird damit die Gelegenheit geboten. Gleichzeitig können sie damit einen Beitrag zur lokalen Geschichte leisten. Dieses Mal fanden sich zwar keine römischen Münzen, aber einige jüngere des 18. bis zum 20. Jahrhundert, neuzeitliche Uniformknöpfe und stark verrostete Eisenobjekte. Die waren aber auch gut genug, die Schritte vom Finden bis zum Melden einzuüben. Per GPS wurden Koordinaten ermittelt, Fundzettel ausgefüllt und alles zusammen in einem Fundtütchen verpackt.

Dr. Mario Pahlow vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege war mit dem Kurs zufrieden. Seit zwei Jahren reist er durchs Land, um solche Schulungen anzubieten: „Der Einsatz lohnt sich, wenn hinterher Leute im Gelände unterwegs sind, die wissen, was zu tun ist.“ Auch die Teilnehmer aus dem Raum zwischen Cuxhaven und Schaumburg, Osnabrück und Celle nahmen bei bestem Herbstwetter etwas mit: „Nach all dem Input freu ich mich, mit Genehmigung zu Hause auf den Äckern loslegen zu können“, berichtet Frank Ohlrogge aus Nendorf.

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Erstellt:
7. November 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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