Hanna Lotz bei der Arbeit. Ihre Nähmaschine läuft mit neuem Motor wie neu. Foto: Lotz

Hanna Lotz bei der Arbeit. Ihre Nähmaschine läuft mit neuem Motor wie neu. Foto: Lotz

Stöckse 10.04.2020 Von Die Harke

Die Maskennäher

Hanna und Karl Lotz aus Stöckse fertigen in der Krisenzeit Behelfsmasken an

Hanna und Karl Lotz aus Stöckse fertigen in der Krisenzeit Mundschutzmasken an. Beim Ehepaar aus Stöckse geht alles Hand in Hand: Hanna Lotz näht die Masken zusammen, ihr Mann Karl Lotz hilft beim Ausmessen und Schneiden der Gummibänder und zeichnet für die Endkontrolle verantwortlich.

Hanna Lotz ist 80 Jahre alt und gelernte Schneiderin. Bis zum Ausbruch der Corona-Krankheit war sie für Freunde, Bekannte und Nachbarn an der Nähmaschine aktiv, um Kleidungsstücke zu reparieren oder zu verändern. Jetzt wurde sie von den „Landfrauen“ angesprochen, ob sie sich am Nähen von Mundschutz-Behelfsmasken beteiligen möchte.

Karl Lotz bei der Arbeit. Das richtige Maß ist wichtig. Foto: Lotz

Karl Lotz bei der Arbeit. Das richtige Maß ist wichtig. Foto: Lotz

Gesagt, getan: Seit mehr als einer Woche arbeitet sie bis in die Nacht und produziert dabei täglich etwa 30 Mundschutzmasken. Der 86-jährige Karl Lotz hilft ihr beim Zuschneiden, Formen und Einarbeiten der Drähte für den Nasenbügel.

Jüngst ging der Motor von Hanna Lotz‘ Nähmaschine kaputt. „Meine Mutter war sehr traurig, konnte sie sich nun nicht mehr wie bisher an dieser ehrenamtlichen Aktion beteiligen. Sie wollte ihre Maschine auf Pedalbetrieb umstellen, die gleiche Leistung wäre dann aber nicht mehr möglich gewesen“, erzählt ihr Sohn Eckhart Lotz.

Sie recherchierte und fand heraus, dass in Liebenau die Firma „Frerk Elektromotoren“ den Motor reparieren könnte. Weil Hanna Lotz wegen ihres Alters möglichst keine Kontakte zu anderen Personen haben soll, holte ihr Sohn tags darauf den defekten Motor der Maschine ab und brachte ihn nach Liebenau. „Ich habe ein paar genähte Exemplare der Behelfsmasken mitgenommen und darum gebeten, doch möglichst zeitnah den Motor zu reparieren. Eine kurzfristige Reparatur schien aber wegen vorhandener Aufträge nicht wahrscheinlich“, blickt er zurück.

Ich möchte mit meiner kurzen Geschichte zeigen, dass es immer noch viele schöne und glückliche Momente in dieser doch teilweise so traurigen Zeit gibt, auch für und durch ältere Menschen in unserer Gesellschaft. Guter Wille, persönlicher Einsatz und ehrenamtliches Engagement können, wie man sieht, so viel bewirken.

Eckhart Lotz

Seine Mutter hatte sich indes darauf eingestellt, für einige Tage auf die Unterstützung per Motor zu verzichten.

Doch dann gab es keine drei Stunden später einen überraschenden Anruf: „Nach drei Stunden klingelte dann mein Handy: Die Firma Frerk hatte den Motor repariert. Man war begeistert von dem Einsatz für die Allgemeinheit und wollte sich auch hieran durch eigene schnelle Leistung beteiligen. Die Reparatur wurde außerdem unentgeltlich erledigt“, sagt Eckhart Lotz, bevor er den Dank seiner Mutter ausrichtete und wieder Richtung Stöckse fuhr.

Wieder mit ein paar Exemplaren der Behelfsmasken ausgestattet, holte er umgehend den Motor ab - und noch am Nachmittag ging die Mundschutzmaskenproduktion im Hause Lotz weiter. Um 23.43 Uhr erhielt Eckhart Lotz schließlich eine WhatsApp von seiner Mutter: „Für mich war es ein großer Tag, der so ausgegangen ist, jetzt gehe ich ins Bett. Habe noch 35 Masken fertig genäht.“

Am nächsten Tag teilte seine Mutter ihm mit, dass der Motor jetzt besser laufe als zuvor, so dass jetzt noch mehr Masken pro Tag genäht werden können.

„Ich möchte mit meiner kurzen Geschichte zeigen, dass es immer noch viele schöne und glückliche Momente in dieser doch teilweise so traurigen Zeit gibt, auch für und durch ältere Menschen in unserer Gesellschaft. Guter Wille, persönlicher Einsatz und ehrenamtliches Engagement können, wie man sieht, so viel bewirken“, sagt Eckhart Lotz.

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Erstellt:
10. April 2020, 19:35 Uhr
Lesedauer:
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