Die Madonna von Tschernobyl in Nienburgs Wallanlagen.

Die Madonna von Tschernobyl in Nienburgs Wallanlagen.

12.04.2015

Die Menschen sterben noch immer

Nienburg gedenkt der Atomkatastropen von Tschernobyl und Fukushima

Nienburg. Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat eine Explosion, die den gefürchteten GAU, den „Größten Annehmbaren Unfall“ auslöste. Der strahlende Niederschlag breitete sich vor allem über die Gebiete nordöstlich von Tschernobyl aus, nahe unserer belorussischen Partnerstadt Witebsk. Bis auf den heutigen Tag belasten die Folgen die Umwelt in vielen Regionen Europas. Am stärksten leidet noch heute Belarus. 2005 bezifferte die Internationalen Atombehörde IAEA die Zahl der unmittelbaren Todesopfer des Tschernobyl-GAU auf 4000. Bis 2065 werden Menschen in den betroffenen Ländern weiter an Folgekrankheiten sterben.

Am 11. März 2011 kam es aufgrund eines Erdbebens der Stärke 9,0 und eines Tsunamis zu einer weiteren Atomkatastrophe in Fukushima. Über 15 000 Menschen starben, Hundertausende verloren ihr Zuhause. 315 000 Menschen leben noch heute in provisorischen Notunterkünften – 57 000 Menschen können wegen der Strahlung nicht in ihre Gemeinden zurückkehren. Elf Gebiete sind heute noch besonders von der Katastrophe betroffen. Die Bewohner der Städtchen Okuma, Futaba und Namie werden auch innerhalb der nächsten 20 Jahre nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Im Jahr 2011 erfuhr das Gedenken an den Reaktor-GAU von Tschernobyl durch diese ähnlich schwere Havarie wenige Wochen vor dem Tschernobyl-Tag eine unglückselige Aktualität.

„Tschernobyl und Fukushima haben eines gemeinsam: die maßlose Überschätzung der technischen Beherrschbarkeit der Naturkräfte durch den Menschen. Angesichts der Opfer, die Reaktorunfälle wie Tschernobyl und Fukushima fordern, angesichts der unkontrollierbaren Folgen, die sie für Tausende von Jahren und unzählige Generationen verursachen, kann unsere Forderung an die Regierungen nur lauten: Beendet das verantwortungslose Spiel mit der Atomenergie“, so der Arbeitskreis Gedenken in seiner Einladung zu der Gedenkveranstaltung am 26. April, die traditionell unter dem Apfelbaum unweit des Nienburger Theaters und an der Madonna von Tschernobyl in den Wallanlage in der Nähe von ASS und MDG stattfindet.

Weiter schreibt der Arbeitskreis Gedenken: „Die Städtepartnerschaft zwischen Witebsk und Nienburg wurde 1991 besiegelt. Sie hatte ihren Ursprung in der Versöhnungsbereitschaft der Menschen in Belarus, deren Volk und Land unsagbar unter dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besetzung gelitten haben. Sie streckten die Hand aus; für uns war und bleibt das eine Verpflichtung zum Gedenken an die Geschehnisse vor 1945, zur Unterstützung für die belorussischen Opfer von Tschernobyl und zur Solidarität beim Aufbau von Zivilgesellschaft und Demokratie in Belarus.“

Am Arbeitskreis Gedenken sind neben engagierten Bürgerinnen und Bürgern die Stadt Nienburg, der evangelische Kirchenkreis, die katholische Sankt-Bernward-Gemeinde, die Heinrich-Albert-Oppermann-Gesellschaft, die Nordertor-Schule, der Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt, die Niedersächsische Ostgesellschaft, der Adolf-Reichwein-Verein und der Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie beteiligt.

Aufgrund einer 2011 getroffenen Vereinbarung zwischen der Stadt Nienburg und dem Arbeitskreis Gedenken obliegt diesem die Trägerschaft für die städtische Erinnerungskultur.

Zum Artikel

Erstellt:
12. April 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.