20.04.2014

Die Menschen sterben noch immer

Arbeitskreis Gedenken erinnert an die Opfer von Tschernobyl und Fukushima

Nienburg. Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat eine Explosion, die den gefürchteten GAU, den „Größten Annehmbaren Unfall“ auslöste. Der strahlende Niederschlag breitete sich vor allem über die Gebiete nordöstlich von Tschernobyl aus, nahe Nienburgs belorussischer Partnerstadt Witebsk. Bis auf den heutigen Tag belasten die Folgen die Umwelt in vielen Regionen Europas. Am stärksten leidet noch heute Belarus. 2005 bezifferte die Internationalen Atombehörde die Zahl der unmittelbaren Todesopfer des Tschernobyl-GAU auf 4000. Bis 2065 werden Menschen in den betroffenen Ländern weiter an Folgekrankheiten sterben. Am 11. März 2011 kam es aufgrund eines Erdbebens der Stärke 9,0 und eines Tsunamis zu einer weiteren Atomkatastrophe in Fukushima. Über 15 000 Menschen starben, Hundertausende verloren ihr Zuhause. 315 000 Menschen leben noch heute in provisorischen Notunterkünften – 57 000 Menschen können wegen der Strahlung nicht in ihre Gemeinden zurückkehren. Elf Gebiete sind heute noch besonders von der Katastrophe betroffen. Die Bewohner der Städtchen Okuma, Futaba und Namie werden auch innerhalb der nächsten 20 Jahre nicht in ihre Heimat zurückkehren können.

Im Jahr 2011 erfuhr das Gedenken an den Reaktor-GAU von Tschernobyl durch diese ähnlich schwere Havarie wenige Wochen vor dem Tschernobyl-Tag eine unglückselige Aktualität. „Tschernobyl und Fukushima haben eines gemeinsam: die maßlose Überschätzung der technischen Beherrschbarkeit der Naturkräfte durch den Menschen“, schreibt der Arbeitskreis Gedneken in seiner Einladung zum Tschernobyl-Gedenktag am 26. April in Nienburg.

Die Städtepartnerschaft zwischen Witebsk und Nienburg wurde 1991 besiegelt. Sie hatte ihren Ursprung in der Versöhnungsbereitschaft der Menschen in Belarus, deren Volk und Land unsagbar unter dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besetzung gelitten haben. Sie streckten die Hand aus. „Für uns war und bleibt das eine Verpflichtung zum Gedenken an die Geschehnisse vor 1945, zur Unterstützung für die belorussischen Opfer von Tschernobyl und zur Solidarität beim Aufbau von Zivilgesellschaft und Demokratie in Belarus“, heißt es von Seiten des Arbeitskreises weiter.

Am Arbeitskreis Gedenken sind neben engagierten Bürgerinnen und Bürgern die Stadt Nienburg der evangelische Kirchenkreis, die katholische Sankt-Bernward-Gemeinde, die Heinrich-Albert-Oppermann-Gesellschaft, die Nordertor-Schule, der Runde Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt, die Niedersächsische Ostgesellschaft, der Adolf-Reichwein-Verein und der Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie beteiligt. Aufgrund einer 2011 getroffenen Vereinbarung zwischen der Stadt Nienburg und dem Arbeitskreis Gedenken obliegt diesem die Trägerschaft für die städtische Erinnerungskultur.Die Veranstaltungen im Überblick:

Mittwoch, 23. April, 18 Uhr, Dendermonde-Saal im Nienburger Rathaus: „Die Atommüll-Misere“ – Ursula Schönberger stellt den Deutschland-Sorgenbericht 2013 vor.

Sonnabend, 26. April, 13.15 Uhr: Zusammenkunft an der Madonna von Tschernobyl mit Bürgermeister Henning Onkes und Botschafter Andrei Giro; musikalische Umrahmung: Posaunenchor Sankt Martin

14.15 Uhr: Meerbachufer am Theater auf dem Hornwerk: Andacht mit Pastor Andreas Iber

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Erstellt:
20. April 2014, 00:00 Uhr
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