Gemeinsam gegen das Vergessen: Anlässlich der Novemberpogrome finden zahlreiche Veranstaltungen statt.Stadt Nienburg

Gemeinsam gegen das Vergessen: Anlässlich der Novemberpogrome finden zahlreiche Veranstaltungen statt.Stadt Nienburg

Nienburg 02.11.2019 Von Die Harke

„Die Menschheit hat den Verstand verloren“

Arbeitskreis Gedenken und Nienburger Kulturwerk verstärken ihre Anstrengungen zum 9. November

Die Bluttaten von Halle und das Erstarken der AfD bei den Thüringer Landtagswahlen werfen ihre Schatten auch auf die Gedenkarbeit der Stadt Nienburg. Der Arbeitskreis Gedenken und das Nienburger Kulturwerk verstärken zum 9. November ihre Anstrengungen, mit starken Stimmen gegen das Vergessen anzugehen und für ein friedliches Miteinander und die demokratischen Werte zu werben.

Die für nächste Woche in Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 und den Beginn des Zweiten Weltkrieges im Herbst 1939 – also vor 80 Jahren – geplanten Veranstaltungen stehen ganz im Zeichen des Kampfes gegen Nationalismus und Rechtsradikalismus.

Die Veranstaltungsreihe beginnt am kommenden Freitag, 8. November, um 15 Uhr mit der traditionellen interreligiösen Andacht auf dem Jüdischen Friedhof. Gestaltet wird sie von Pfarrer Thomas Jung von der katholischen Gemeinde Sankt Bernward. Mit der Abendveranstaltung am gleichen Tag im Kulturwerk wollen die beiden Einrichtungen Menschen aller Altersgruppen ansprechen.

Die aus Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin Eva Mattes liest aus Schriften von Astrid Lindgren. Die später mit Kinderbüchern („Pippi Langstrumpf“) berühmt gewordene schwedische Autorin setzte sich in ihren Tagebüchern von 1939 bis 1945 mit Rassismus, Nazi-Ideologie und vor allem dem Zweiten Weltkrieg auseinander, in dem Schweden trotz offizieller Neutralität Hitler und die Wehrmacht unterstützte.„Die Menschheit hat den Verstand verloren!“ urteilte Lindgren damals entsetzt.

Am Samstag, 9. November, setzen sich die Gedenkveranstaltungen mit einer Zusammenkunft an der Erinnerungstafel für die jüdische Gemeinde Nienburgs am Rathaus fort. Um 17 Uhr ruft dort der Arbeitskreis Gedenken alle Nienburgerinnen und Nienburger auf, mit dem Niederlegen von Blumen für eine Gesellschaft ohne Antisemitismus, Antiziganismus und fremdenfeindlichen Rassismus zu demonstrieren. Dass es für eine solche friedliche und tolerante Gesellschaft der Zivilcourage bedarf, dokumentiert im Anschluss die Verleihung des Elisabeth-Weinberg-Preises im Vestibül des Rathauses.

Auch in diesem Jahr werden Jugendliche ausgezeichnet, die sich mit Mut und Kreativität dem drohenden Rechtsruck im Land entgegenstellen.

Die Preisverleihung bietet gleichzeitig den Anlass, eine Ausstellung der Friedensbibliothek Berlin über den Beginn des Zweiten Weltkrieges zu eröffnen. Unter dem Titel „Der Überfall auf Polen“ zeigt sie, dass der völkerrechtswidrige Einmarsch der Wehrmacht in das östliche Nachbarland Deutschlands in Wahrheit der Auftakt zu Hitlers Vernichtungskrieg und zum Holocaust war. Die Ausstellung wird bis Ende November zu sehen sein.

Den Abschluss der Gedenkreihe bildet wieder eine „starke Stimme gegen das Vergessen“ im Kulturwerk. Dort tritt um 20 Uhr Willy Schwarz auf.

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Erstellt:
2. November 2019, 20:12 Uhr
Lesedauer:
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