Der Steinhuder Meerbach in Nienburg beherbergt inzwischen 13 Fischarten. Foto: Kreisverband für Wasserwirtschaft

Der Steinhuder Meerbach in Nienburg beherbergt inzwischen 13 Fischarten. Foto: Kreisverband für Wasserwirtschaft

Nienburg 28.04.2021 Von Die Harke

Steinhuder Meerbach nach Renaturierung nicht wiederzuerkennen

Die Natur hat offenbar nur gewartet

Hermann Morische, Abteilungsleiter Gewässerunterhaltung beim Kreisverband für Wasserwirtschaft, habe einige Renaturierungsmaßnahmen betreut. Hin und wieder aber sei selbst der Fachmann von den Ergebnissen überrascht. Das gelte besonders für den Steinhuder Meerbach in Nienburg, teilt der Kreisverband für Wasserwirtschaft mit.

Vor knapp vier Jahren hatte der Kreisverband für den Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband Meerbach und Führse die Renaturierung eines 330 Meter langen Gewässerabschnitts begleitet. Die Flächen stammten aus der Flurbereinigung im Zuge der Südring-Planung. 90 Prozent der Kosten von rund 100.000 Euro trugen EU und Land; den Rest gab die Stadt Nienburg dazu.

Das Ergebnis: Wo sich der Meerbach noch vor vier Jahren als schnurgerader Kanal mit steilen Böschungen durch die Felder gezogen habe, mäandere er jetzt zwischen Eichen, Binsen, Schilf und Erlen. Die Gestaltung und der neue Verlauf des Meerbachs seien von Fachleuten berechnet und das Gewässer entsprechend angelegt worden. Sandige Ufer wechseln mit Gräsern ab, es gebe Steilkanten und Totholz im Fluss.

Foto: Heckmann

Foto: Heckmann

Auf potenziellen Überschwemmungsgebieten hätten sich komplette Erlenbrüche gebildet – ohne Zutun des Menschen. „Ich bin gespannt, wie sich die Artenvielfalt entwickelt“, sagt Morische. „Ein Monitoring wird da Klarheit bringen.“

Theoretisch könnten beispielsweise 27 verschiedene Fischarten im Meerbach heimisch sein. Nachgewiesen seien bislang 13. Morische sei aber sicher, dass sich Arten und Anzahl von Fischen, Amphibien, Insekten und Vögeln spürbar erhöhen werden. „Im Idealfall würde man ein Gewässer natürlich komplett renaturieren“, sagt er: „Das ist in der Praxis aber kaum möglich. Wichtig sind darum sogenannte Trittsteine, also naturnahe Abschnitte in einem Gewässer, wo sich Pflanzen und Tiere ansiedeln können und über die dann ein Artenaustausch stattfindet.“

Steinhuder Meerbach. Foto: Heckmann

Steinhuder Meerbach. Foto: Heckmann

Bei aller Freude über die Rückkehr der Artenvielfalt – der Hochwasserschutz bleibe eine Hauptaufgabe des „Meerbach und Führse“-Verbandes. Doch der, sagt Verbandsvorsteher Friedrich Könemann, stehe zu einem naturnahen Gewässer nicht unbedingt im Widerspruch: „Bei Hochwasser kann der Meerbach in diesem Bereich jetzt schadlos über die Ufer treten“, sagt er. „Das hat vor allem zwei Effekte: Zum einen senkt das die Hochwassergefahr in besiedelten Gebieten, auch weil sich die Fließgeschwindigkeit verringert und eine Hochwasserwelle nicht, wie in einem Kanal, ungebremst stromabwärts zieht. Und zum zweiten wirkt der Boden im Überschwemmungsbereich wie ein Schwamm, der in trockeneren Phasen wieder Wasser abgibt.“ Angesichts extremerer Trockenperioden könnten die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen davon durchaus profitieren.

Schon jetzt komme der naturnahe Flussabschnitt bei Spaziergängern und Radfahrern gut an. Könemann: „Uns freut besonders, dass es auch viele Leute gibt, denen es hier nicht nur gut gefällt, sondern die sich auch sehr für das Thema an sich und die Entwicklung des Projekts interessieren.“

Steinhuder Meerbach Foto: Heckmann

Steinhuder Meerbach Foto: Heckmann

Während im Bereich Ziegelkampstraße, Planungen für eine Renaturierung unter städtischer Regie laufen, würden mit Mitteln des Landkreises derzeit die nächsten 1400 Meter Meerbach stromaufwärts mit dem Landkreis und der Landesforstverwaltung überplant. Morische hofft, dass die Planungen im Sommer abgeschlossen sind.

Zum Artikel

Erstellt:
28. April 2021, 17:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.