Mitarbeiter der Stadtwerke retten Rehkitze auf Feldern, bevor diese gemäht werden. Foto: Stadtwerke Nienburg

Mitarbeiter der Stadtwerke retten Rehkitze auf Feldern, bevor diese gemäht werden. Foto: Stadtwerke Nienburg

Nienburg 16.06.2021 Von Die Harke

Die Nienburger Rehkitz-Retter

In aller Frühe sind Mitarbeiter der Stadtwerke auf den Feldern unterwegs und retten Jungtiere

Zu ungewöhnlicher Zeit sind Mitarbeiter der Stadtwerke Nienburg gemeinsam mit Landwirt Henning Daube auf den Wiesen rund um das Nienburger Wasserwerk unterwegs: Sie retten Rehkitze vor dem Tod bei der Grasmahd.

Jahr für Jahr spielen sich auf Grünland kleine Dramen ab: Frisch geborene Rehkitze liegen versteckt im hohen Gras und rühren sich nicht – auch nicht, wenn ein Mensch, Hund oder Fuchs dicht an ihnen vorbei geht. Die Muttertiere halten sich meist in einiger Entfernung auf, um Räuber, die den Kleinen gefährlich werden könnten, abzulenken.

Gegen natürliche Feinde funktioniert der Trick meist gut, doch wenn die Mähmaschine kommt, hat dieser Instinkt tödliche Folgen: Vom Fahrersitz aus ist der Rehnachwuchs kaum auszumachen. Um den Tod im Schneidwerk zu verhindern, sind zwischen April und Juni, wenn die Kitze geboren werden, auf manchen Grünlandflächen Landwirte zu sehen, die die Bereiche ablaufen, die am nächsten Tag gemäht werden sollen. Andere platzieren flatternde Mülltüten an Stangen, in der Hoffnung, dass die Rehe ihren Nachwuchs im Schutze der Nacht an andere Orte lotsen.

Trotzdem werden jedes Jahr viele Kitze von den Mähmessern getötet.
Wassermeister
Jann Boye

„Das ist natürlich lobenswert, aber trotzdem werden jedes Jahr viele Kitze von den Mähmessern getötet“, zitieren die Stadtwerke Jann Boye, Wassermeister im Nienburger Wasserwerk, in ihrer Pressemitteilung. „Die Tiere sind ausgesprochen gut getarnt und dadurch eben auch kaum zu entdecken.“

Boye sprach seinen Kollegen Pascal Gevers an: Er ist nicht nur Mitglied bei „Drohnen.de“, einer Art Interessengemeinschaft Drohnenbegeisterter, sondern setzt dieses unbemannte Fluggerät mit Wärmebildkamera auch bei seiner täglichen Arbeit für die Stadtwerke ein. Ein Teil des Clubs setzt sein Know-how und die hochwertige Technik ein, um Kitze aus der Luft zu orten und zu retten.

Mitarbeiter beginnen früh morgens, das Feld nach den Kitzen abzusuchen

Pascal Gevers und Jann Boye begeisterten mit Martin Bartling, Gerd Lühring und den Auszubildenden Lea Runge und Anastasia Safarow weitere Kollegen, bei der „Luftrettung“ mitzumachen. Auch Landwirt Henning Daube war sofort überzeugt. Wenn nun Teile der rund 20 Hektar großen Grünlandflächen rund um das Wasserwerk gemäht werden sollen, stehen die Mitarbeiter schon um fünf Uhr morgens am Feldrand und beobachten den Wärmebildmonitor der Drohnensteuerung.

Wer ein Kitz findet, darf es auf keinen Fall mit bloßen Händen anfassen.

Wassermeister
Jann Boye

Wird ein Rehkitz entdeckt, sammeln sie das Tier mit Handschuhen ein und legen es in einen speziellen Karton. Direkt anschließend mäht Henning Daube den Schlag; gleich darauf wird das Kitz zurückgebracht.

„Wer ein Kitz findet, darf es auf keinen Fall mit bloßen Händen anfassen“, betont Wassermeister Boye und ergänzt: „Das Tier nimmt sonst den Geruch des Menschen an und wird von der Mutter verstoßen.“

Überhaupt sollte man die Tiere in Ruhe lassen – es sei denn, eine Mahd steht unmittelbar bevor.

Mehr zur Rehkitzrettung, darunter ein Video, gibt es online: www.stadtwerke-nienburg.de.

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Erstellt:
16. Juni 2021, 16:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

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