07.04.2013

Die Pizza kommt sogar per E-Bike

Existenzgründer im Landkreis Nienburg / Heute: die Pizzawerkstatt Mundfein

Von Edda Hagebölling.

Nienburg. Offenbar wirklich alles richtig gemacht haben Katharina Lange und Michael Hahn. Gut ein Jahr nach Eröffnung ihrer Pizzawerkstatt Mundfein laufen bereits die Vorbereitungen für ein zweites Geschäft. Aus den ursprünglich drei Vollzeitkräften sind mittlerweile fünf geworden, der aus fünf vierrädrigen Flitzern bestehende Fuhrpark wurde mittlerweile um zwei E-Bikes erweitert, mit einem E-Auto wird ebenfalls bereits geliebäugelt. Allesamt Gründe, warum Uta Kupsch, Chefin der Wirtschaftsförderung in Landkreis Nienburg (WIN), und Nienburgs Wirtschaftsförderer Walter Meinders die beiden Franchisenehmer für die HamS-Serie „Existenzgründer im Landkreis Nienburg“ vorgeschlagen haben. Bei dem Treffen mit den beiden Unternehmern wird jedoch schnell deutlich, dass der Erfolg hart erarbeitet ist. Zum einen liegt der Existenzgründung ein Konzept zugrunde, das selbst Uta Kupsch und Walter Meinders schwer beeindruckt hat. Zum anderen liegt die Zeit, in der die gelernte Betriebswirtin und der ehemalige Lufthansa-Mitarbeiter nach ihrem Umzug nach Nienburg nicht selten nur vier Stunden Schlaf bekommen haben, noch nicht lange zurück.

„Dann mach doch ‚nen Pizzaladen auf.“ Nachdem der heute 37 Jahre alte Michael Hahn seiner heute 33-jährigen Lebensgefährtin Katharina Lange diesen Floh ins Ohr gesetzt hatte, ging die Suche nach einem geeigneten Standort los. Um festzustellen, dass der Markt in Hamburg dicht war, reichte ein Blick ins Internet. Die Überlegung, sich dann doch lieber nach einer geeigneten Immobilie in einer kleineren Stadt mit etwa 30 000 Einwohnern umzusehen, war ebenso schnell geboren.

Bei Immobilienscout 24 stießen sie schließlich auf die Immobilie direkt an der Verdener Landstraße, die zu diesem Zeitpunkt zwar schon länger nicht mehr genutzt war, davor aber zuletzt das „Platon“ und davor viele Jahre das „Troja“ beherbergt hatte.

Parallel reifte bei den Pizza-Fans aus Hamburg die Überzeugung, dass es die Mundfein-Kette sein sollte. Zum einen, weil sie von deren Angebot und Qualität überzeugt waren, zum anderen, weil sie festgestellt hatten: genau das fehlt in Nienburg. „Aber nicht etwa, weil wir glauben, dass wir besser sind als die anderen Mitbewerber, sondern weil wir anders sind“, so Katharina Lange und Michael Hahn.

Als dann auch die Finanzierung klar war – allerdings mit einer Hamburger Bank, in Nienburg wollte man ihnen keinen Kredit gewähren – wurden die Hamburger bei Nienburgs Wirtschaftsförderer Walter Meinders und damit auch bei WIN-Chefin Uta Kupsch bzw. ihrer Mitarbeiterin Monika Herrmann vorstellig. Und provitierten damit vom ProInvest-Programm, das der Landkreis für Existenzgründer aufgelegt hatte.

Der kleine Fuhrpark und die Werbung an dem strategisch günstig gelegenen Gebäude führten dazu, dass über die Pizzawerkstatt Mundfein schon Wochen vor der Eröffnung gesprochen wurde. Los ging es schließlich am 9. Januar 2012. Mit drei fest angestellten und 20 400 Euro-Kräften. „Allein in der ersten Woche mussten wir , um die Nachfrage bewältigen zu können, noch zehn weitere 400 Euro-Kräfte einstellen“, erinnern sich die beiden Unternehmer noch gut. Ausschließen möchten sie aber ebenfalls nicht, dass sie in der turbulenten Anfangsphase auch den einen oder anderen Kunden enttäuscht haben. „Wir konnten nur hoffen, dass sich diejenigen, bei denen etwas schief gelaufen ist, bei uns melden. Damit wir daraus lernen und den Schaden wieder gut machen konnten“, so die Unternehmer.

Schon im ersten Monat mussten 1500 Kundenkarteien angelegt werden. Welche logistische Leistung hinter dem reibungslosen Ablauf eines florierenden Pizza-Bringdienstes steckt, kann der Laie nur erahnen. Und auch Uta Kupsch und Walter Meinders waren sichtlich beeindruckt, als Katharina Lange und Michael Hahn schilderten, wie die unterschiedlichen Wünsche der Kunden bewältigt werden. „Zeitkritisch“ sei unter der Woche das Mittagsgeschäft, wenn überwiegend Mitarbeiter aus Firmen und Behörden ihre Bestellung aufgeben, aber nur zu einer genau festgelegten Zeit Mittagspause haben.

„Abends sagen wir den Kunden natürlich, wenn viel zu tun ist und es etwas länger dauern kann, bis einer von insgesamt neun Fahrern mit Pizza, Pasta oder Salat an der Haustür klingelt.

Richtig rund geht es an den Sonnabenden und Sonntagen ab etwa 17 Uhr. Da sind dann auch schon mal bis zu 200 Bestellungen zu bewältigen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pizzawerkstatt Mundfein.

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Erstellt:
7. April 2013, 00:00 Uhr
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