Ein eingespieltes Team: Wolfgang Lange, Kerstin Voigt-Simon, Jörg Meyer.

Ein eingespieltes Team: Wolfgang Lange, Kerstin Voigt-Simon, Jörg Meyer.

Nienburg 30.07.2016 Von Edda Hagebölling

„Die Produzenten kennen Nienburg“

In Nienburgs Rathaus wird schon längst am Spielplan für die Theatersaison 2017 / 2018 getüftelt

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Mit dem jährlichen Theaterfest soll traditionell Appetit gemacht werden auf die neue Saison in Nienburgs Theater auf dem Hornwerk. Die Veranstaltung findet dieses Mal am Sonntag, dem 4. September. statt. Zum 18. Mal. Und während die einen gerade überlegen, ob sie sich auch einmal ein Abo gönnen sollen, oder recherchieren, welche Einzelaufführung in den nächsten Wochen und Monaten besucht werden könnte, tüftelt man im Rathaus schon längst am Spielplan für die Saison 2017/2018.

Eine Sisyphosarbeit, wie sich jeder denken kann, der gelegentlich oder womöglich sogar regelmäßig im Hornwerk anzutreffen ist.

„Wir arbeiten mit einem Vorlauf von eineinhalb bis zwei Jahren“, berichtet Spielleiter Jörg Meyer. Oberste Priorität hat das Musical, das Jahr für Jahr im Oktober oder November von Nienburg aus auf Tournee geht. „Kein leichtes Unterfangen. Die meisten Musical-Gruppen machen sich erst im Frühjahr auf den Weg“, so Meyer. Die zweite Herausforderung besteht darin, für Silvester ein geeignetes Stück zu finden. „An solchen Tagen spielen die Tourneetheater in der Regel in ihren eigenen Häusern. Oder mieten selbst ein Haus an, in dem sie an diesem Tag auftreten können“, führt der Spielleiter weiter aus.

Sobald die Hürden Musical-Tourneestart und Silvester gemeistert sind, macht man sich im Rathaus daran, die insgesamt neun Abos, die Reihe „Theater für Schulen“ und die Meisterkonzerte mit neuem Leben zu füllen. Sind auch die „safe“, wird nach Sondergastspielen Ausschau gehalten. „Natürlich haben wir jedes Jahr aufs Neue an uns den Anspruch, den Erwartungen des Publikums, aber natürlich auch denen der Sponsoren und der Politik gerecht zu werden“, betont Jörg Meyer.

Gefördert wird der Spielbetrieb im Theater auf dem Hornwerk Jahr für Jahr mit rund 500 000 Euro. Die Sponsorengelder machen 40 000 bis 50 000 Euro aus.

„Den Kopf hinhalten“ muss Theaterchef Wolfgang Lange. Inhaltlich wie wirtschaftlich. „Natürlich ist es immer wieder ein Spagat, dem öffentlichen Bildungsauftrag und der Forderung, die Finanzen nicht aus den Augen zu verlieren, gerecht zu werden“, gibt Lange zu bedenken, ist sich aber auch ziemlich sicher, dass das seinem Team und ihm bisher immer ganz gut gelungen ist.

Zum Team gehören neben ihm und Jörg Meyer noch Kerstin Voigt-Simon als Disponentin und Claudia Benning. „Dass es uns immer wieder gelingt, ein derart vielseitiges und zugleich auch anspruchsvolles Programm zusammenzustellen, liegt auch daran, dass wir alle schon seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten“, so Jörg Meyer. Wolfgang Lange hat am 1. Januar 1991 die Nachfolge von Lutz Führenberg angetreten, Jörg Meyer steht seit 1996 in den Diensten des Theaters, Kerstin Voigt-Simon ist seit 1989 dabei, und Claudia Benning steht seit 1996 in den Diensten des Nienburger Theaters.

Mit einer Auslastung von 80 Prozent nimmt das Theater auf dem Hornwerk im bundesweiten Vergleich einen Spitzenplatz ein. Und auch in der Zusammenstellung der sogenannten Abos scheinen die Theatermacher ein glückliches Händchen zu haben. Das sogenannte Abo 1 (Theater-Mix) wird von rund 450 Abonnenten immer wieder gebucht, ähnlich ist es im Abo 2 (Schauspiel) und auch in den Abos 3 (Unterhaltung & Mehr) und Abo 4 (Neue Bühne) gibt es 200 bis 250 Stammgäste. Ausverkauft ist das Nienburger Theater, wenn 650 Karten verkauft sind.

Wichtigste Plattform ist die Theatermesse Inthega. Dort kommen jedes Jahr im Herbst örtliche Veranstalter und Produzenten zusammen. Wer oder was „Nienburg“ ist, brauchen Wolfgang Lange und Jörg Meyer dort schon lange nicht mehr zu erklären. „Die Produzenten kennen Nienburg“, so Meyer.

Allerdings kommen auch immer wieder neue leitende Köpfe dazu. Der demografische Wandel mache auch vor Produzenten nicht halt. Nicht mehr aktiv sind beispielsweise die angesehenen Theatergastspiele Kempf und die Gruppe um Schauspielerin Ellen Schwiers.

Bei der Auswahl der Stücke verlassen sich Lange & Co. auf die Erfahrungen, die sie mit den Produzenten bereits gemacht haben, aber sie orientieren sich auch an der Besetzung der Hauptrollen. „Es gibt Anbieter, denen wir blind vertrauen, bei manchen gucken wir schon genauer hin, und hin und wieder sagt uns unser Bauchgefühl aber auch: lieber nicht“, so Meyer.

Dennoch kommt es vor, dass ein Stück den Erwartungen des Publikums nicht gerecht wurde. „Wenn wir auf der Inthega die Verträge abschließen, gibt es die Stücke ja noch gar nicht, wir müssen uns auf die Beschreibung der Produzenten verlassen“, gibt der Spielleiter zu bedenken. „Dass eine Aufführung in Nienburg nicht gefällt, muss aber nicht zwangsläufig an der Qualität des Stückes liegen. Es kann auch sein, dass wir es schlicht dem falschen Abo zugeordnet haben und erst im Verlauf der Vorstellung feststellen, dass es gar nicht so unterhaltsam ist wie im Vorfeld angekündigt“, räumt Meyer ein.

Gut erinnert kann sich der Spielleiter aber auch noch an eine richtig peinliche Pleite. Die liegt allerdings bereist zehn, zwölf Jahre zurück. Gebucht war ein Liederabend mit dem Titel „Es muss was Wunderbares sein“. Der war dann aber nicht nur nach 55 Minuten schon zu Ende, sondern noch dazu so mäßig und lustlos vorgetragen, dass der Produzent von sich aus eine kostenlose Ersatzvorstellung angeboten hat und die Gäste noch dazu ihr Geld zurückbekamen.

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Erstellt:
30. Juli 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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