Claudia Eckhardt vom Fachdienst Migration und Teilhabe mit (von links) Ercan Öngel, Ebru Öngel, Khan Öngel, Emre Öngel, Barne Achmus, Jan-Ole Reljic, Markus Bormann und Steffen Gierth. Es fehlen Frank Geuzendam, Reza Sayed Hashem, Jan-Pascal Hische, Adrian Constantin und Janick Deutscher. Landkreis Nienburg

Claudia Eckhardt vom Fachdienst Migration und Teilhabe mit (von links) Ercan Öngel, Ebru Öngel, Khan Öngel, Emre Öngel, Barne Achmus, Jan-Ole Reljic, Markus Bormann und Steffen Gierth. Es fehlen Frank Geuzendam, Reza Sayed Hashem, Jan-Pascal Hische, Adrian Constantin und Janick Deutscher. Landkreis Nienburg

Landkreis 06.11.2018 Von Die Harke

„Die Projekte dürfen ruhig größer werden“

Fachdienst „Migration und Teilhabe“ des Landkreises stellt Wirtschaftsbetriebe im Landkreis vor

Es gibt zahlreiche Wirtschaftsbetriebe, die von Migrantinnen und Migranten im Landkreis Nienburg geführt werden – von Menschen, die in erster, zweiter oder dritter Generation hier leben, sich eine eigene Existenz aufgebaut und Arbeitsplätze im Landkreis geschaffen haben. In loser Folge stellt der Fachdienst „Migration und Teilhabe“ des Landkreises Betriebe vor – stellvertretend für ähnliche Betriebe überall im Landkreis. Die Eystruper Firmen Türe-Öngel-Immobilien und Öngel-Bauplanung werden von dem 26-jährigen Maurer- und Betonbaumeister und Betriebswirt Khan Öngel geleitet. Sein türkischer Großvater kam als Gastarbeiter nach Deutschland und arbeitete im Gleisbau.

Ercan Öngel, der Vater kam mit neun Jahren nach Deutschland, machte sich mit Anfang 20 nach seiner Lehre als Betonbauer selbstständig, heiratete eine in Bremen geborene Türkin und beschäftigte zeitweilig bis zu 50 Festangestellte. Der Weg in die Selbstständigkeit war für ihn die einzige Möglichkeit, berufliche Anerkennung zu finden. Diese habe er vorab in mehreren Firmen aufgrund seines Migrationshintergrundes nicht bekommen, teilt der Landkreis mit.

Sein Sohn, Khan Öngel, absolvierte nach der Realschule eine Lehre als Maurer und Betonbauer in Verden und direkt im Anschluss seine Meisterschule. 2011 übernahm er die Gesellschaftsanteile seiner Eltern, die vorerst in der Geschäftsführung von Türe-Öngel-Immobilien geblieben sind.

2013 gründete Khan Öngel die Öngel-Bauplanung, um sich als klassischer Bauträger unabhängig von seinen Eltern zu machen. War der Anfang für diese Firma wegen seines Alters noch schwer, habe sich mittlerweile auch dieser Geschäftszweig gut entwickelt. „Weniger arbeiten möchte ich nicht, unter 65 Stunden die Woche habe ich schon das Gefühl, zu wenig getan zu haben – vielleicht ändert es sich, wenn mal Kinder da sind“, sagt der mit seiner Schulfreundin frisch verheiratete Unternehmer.

In seiner Freizeit ist Khan Öngel Kassenwart des Förderkreises „Fußball“ des TSV Eystrup sowie zweiter Vorsitzender der Fußballsparte des Vereins, die seit vier Jahren den Öngel-Cup austrägt. Darüber hinaus sponsern seine Firmen einige Vereine.

2016 stand Öngel bei der Kommunalwahl auf der Liste. Das Bauträgergeschäft, die Projektentwicklung, das Marketing sowie die klassischen Rohbauarbeiten vom Einfamilienhaus über Turnhallen- und Lagerbau bis hin zum Wohnungsbau, überwiegend im Bremer Raum, aber auch in Münster, Lübeck und Hannover, sind die Arbeitsschwerpunkte der Firmen. Seinen deutschen Pass erwarb Khan Öngel mit 17 Jahren, nach Abgabe eines handschriftlichen Lebenslaufes als Kurzbrief und einem Gespräch zur Überprüfung seiner Deutschkenntnisse.

Insgesamt hat die Firma zwölf Arbeitsstellen geschaffen, und Khan Öngel bildet derzeit drei Lehrlinge aus, einer ist bereits im dritten Lehrjahr. Einer der Auszubildenden ist ein aus Afghanistan Geflüchteter, dessen Ausbildungsbeginn „mit einer Menge Papierkram zusammenhing“. Die Frage nach Schwierigkeiten aufgrund seines Migrationshintergrundes verneint der Arbeitgeber, diese hätte er anfangs eher aufgrund seines Alters gehabt.

„Warum ist dies überhaupt noch Thema – der Migrationshintergrund?“, fragt Khan Öngel und verweist auf alltägliche Erfahrungen in seinem Leben: Scheinbar witzige Sprüche über Ausländer, frühere Schwierigkeiten beim Einlass in Discotheken oder die Verblüffung bei manchen Geschäftskunden, dass die Formel „Ausländer gleich billige Arbeit“ als Formel nicht zutreffend sei. Doch spätestens seitdem Öngel auch auf dem Werbebanner im Bremer Weser-Stadion präsent ist, habe sich diese angebliche Gleichung für die meisten überholt.

Auf die künftige Entwicklung der Firma angesprochen, erzählt Khan Öngel, dass sein Vater mit einem 500-Mark-Kredit anfing, seine Mutter Ebru dann als gelernte Erzieherin in dessen Firma eingestiegen sei. Die derzeitige Betriebsgröße von zwölf Personen empfindet er als optimal und hofft, das Niveau langfristig zu halten, „allerdings dürfen die Projekte ruhig immer größer werden.“

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Erstellt:
6. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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