06.04.2014

Die Rapsblüte beginnt so früh wie noch nie

Der milde Winter und das warme Frühjahr sorgen für einen Vegetationsvorsprung von drei bis vier Wochen

Nienburg. Daran können sich selbst ältere Landwirte nicht erinnern: Bereits Ende März zeigten sich die ersten gelben Blüten beim Raps. Wetterexperte Manfred Kettel von der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erklärt das Phänomen: „Der vergangene Winter war bereits einer der mildesten in diesem Jahrhundert, nur wenige Nächte sanken die Temperaturen in den zweistelligen Minusbereich. Die Folge: Die Pflanzen wuchsen kontinuierlich weiter, es stellte sich nur eine verhaltene Vegetationsruhe ein. An unseren Wetterstationen in Wietzen und Rodewald wurden in den Monaten Januar bis März Durchschnittstemperaturen von 1,1 bis 3,3 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel gemessen. Die Pflanzenentwicklung, die grundsätzlich vom Temperaturniveau und den Tageslängen gesteuert wird, reagierte mit einem sehr frühen Vegetationsstart und einer zügigen Entwicklung. Insgesamt sind wir etwa drei bis vier Wochen voraus“, so Manfred Kettel. Und fährt fort: „Eine extrem andere Situation als im März des vergangenen Jahres, einem der kältesten Frühjahre seit Aufzeichnungsbeginn.“ „Wie die Entwicklung weitergeht, bleibt abzuwarten, möglich ist noch eine Normalisierung, sofern ein Kälteeinbruch kommen sollte, der derzeit aber nicht absehbar ist“, ergänzt Henrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer. Er warnt außerdem die Gärtner: „Auch wenn es derzeit in den Fingern kribbelt, frostempfindliche Pflanzen nicht zu früh aussäen, denn selbst in diesem Jahr sind Fröste bis Mitte Mai möglich, die dann sogar zu erheblichen Schäden an den weit entwickelten Pflanzen führen könnten“.

Nicht nur warm, sondern auch sehr trocken zeigten sich die vergangenen Monate. Seit Oktober vergangenen Jahres konnten an der Wetterstation der Landwirtschaftskammer in Wietzen nur 70 Prozent der langjährig üblichen Niederschlagsmenge verzeichnet werden, insbesondere der März verzeichnete insgesamt nur 14 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter, im langjährigen Mittel sind es im März 49 Millimeter. „Wir benötigen dringend Niederschläge, sonst wird es auf den leichten Böden, bei den weit entwickelten Pflanzen, mit ihrem hohen Wasserbedarf schnell kritisch“, kommentiert der Leiter des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer, Dr. Joachim Wendt, die aktuelle Situation.

Freuen dürfen sich über die weite Pflanzenentwicklung die Spargelfans, weiß Herbert Schriever von der Raiffeisen Warengenossenschaft Grafschaft Hoya, die für die Vermarktung des Nienburger Spargels verantwortlich ist, zu berichten: „Der erste Spargel ist gestochen. Mit einen Saisonstart rechnen wir spätestens Mitte April. Aufgrund der zurückliegenden Witterung erwarten wir in diesem Jahr hervorragende Qualitäten“.

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Erstellt:
6. April 2014, 00:00 Uhr
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