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Kolumnen 11.02.2017 Von Edda Hagebölling

Die Reichen schotten sich ab

„Die Reichen schotten sich ab.“ Dieser Satz kommt all denen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, zurzeit nahe täglich in den Sinn. Aktuellster Anlass: Am Donnerstag haben sich Bund und Länder in einem 15-Punkte-Plan darauf verständigt, wie Geflüchtete künftig am effizientesten abgeschoben werden können.

Dass der Flüchtling in der öffentlichen Diskussion nur noch als Problem oder gar als Bedrohung wahrgenommen wird, stört die Unterstützerkreise im Landkreis Nienburg sehr. Und auch, dass die Politik immer neue Gründe ersinnt, um Menschen, die vor Krieg und Perspektivlosigkeit geflüchtet und nach einer Odyssee in Deutschland gelandet sind, wieder abschieben zu können. Sie fragen sich: Ist die Angst vor der AfD wirklich so groß?

Auch in Hannover wurde gestern dagegen demonstriert, dass Geflüchtete aus Afghanistan neuerdings wieder zurückgeschickt werden können. Die afghanische und die deutsche Regierung hatten Ende vergangenen Jahres beschlossen, dass Teile des Landes wieder sicher sind. Schon im Dezember fand die erste Sammelabschiebung statt. Im Januar folgte die zweite.

Mitte der Woche berichtete die Süddeutsche Zeitung über einen im Januar abgeschobenen Afghanen, der kurz nach seiner Ankunft in Kabul bei einem Sprenstoffanschlag verletzt wurde. Er hatte nur kurz seine Unterkunft verlassen, um Geld abzuheben. Geld, das ihm sein Unterstützerkreis aus Deutschland per „Western Union“ überwiesen hatte. Sein eigenes kleines Vermögen war komplett für die Flucht nach Deutschland draufgegangen.

Für Schlagzeilen sorgte in der gestrigen Ausgabe der HARKE aber auch ein Fall, der sich quasi vor unserer Haustür abgespielt hat. Nachts um 3 wurden eine Frau und ihre drei Kinder aus ihrer Wohnung an einer viel befahrenen Straße in Hannover abgeholt und sozusagen bei Nacht und Nebel nach Bulgarien verfrachtet. Ohne Vorwarnung.

Am 6. Februar waren im Landkreis Nienburg 1.639 Flüchtlinge registriert. So steht es auf der Homepage der Kreisverwaltung. 1.639 Frauen, Männer und Kinder in einem Landkreis mit rund 120.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Nicht wirklich viel, oder?

Eine gute Gelegenheit, mit den Menschen, die in unserer Nachbarschaft leben, ins Gespräch zu kommen, bieten die Begegnungscafes. Das der [DATENBANK=1316]Nienburger Kirchengemeinde St. Martin[/DATENBANK] findet immer dienstags im 51804 statt, in Haßbergen wird zweimal im Monat eingeladen, in den anderen Kommunen in der Regel einmal im Monat. Die Kirchengemeinde Drakenburg-Heemsen lädt am kommenden Mittwoch zum allerersten Mal zu einer Begegnung zwischen Einheimischen und Geflüchteten ein.

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Erstellt:
11. Februar 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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