Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke. Foto: Hagebölling

Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke. Foto: Hagebölling

Heemsen 11.10.2020 Von Edda Hagebölling

Die Samtgemeinde Heemsen nach dem Bürgerentscheid

Fragen an Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke

Aufatmen in der Samtgemeinde Heemsen. Auch wenn das Ergebnis des Bürgerentscheids für die Befürworter der Grundschule Drakenburg zu einer Enttäuschung wurde, ist man doch froh darüber, dass der Tag der Abstimmung unbeschadet überstanden wurde.

Wie es jetzt weitergeht in der Samtgemeinde Heemsen mit ihren Gemeinden Drakenburg, Haßbergen, Heemsen und Rohrsen und den Ortsteilen Gadesbünden und Anderten wollte DIE HARKE am Sonntag von Bianca Wöhlke, seit rund einem Jahr Bürgermeisterin der Samtgemeinde Heemsen, wissen.

Frau Wöhlke, rund 1000 Bürgerinnen und Bürger aus der Samtgemeinde Heemsen haben am vergangenen Sonntag für die erneute Öffnung der Grundschule Drakenburg gestimmt, rund 1500 dagegen. Vor dem Bürgerentscheid hatten Sie sich ja ein eindeutiges Ergebnis gewünscht. In welche Richtung auch immer. Sie verbanden damit die Hoffnung, dass sich die Gräben, die sich in den Wochen und Monaten vor dem 4. Oktober zwischen den Menschen in Ihrer Samtgemeinde aufgetan hatten, wieder schließen. Ist dieses Ergebnis in Ihren Augen eindeutig genug?

Ich denke schon, dass man von einem eindeutigen Ergebnis sprechen kann. Rund 20 Prozent der Abstimmungsberechtigten haben mit Ja gestimmt, rund 30 Prozent der Abstimmungsberechtigten mit Nein. Das hört sich erstmal vielleicht nicht ganz eindeutig an, aber, es muss auch berücksichtigt werden, dass rund 50 Prozent der Abstimmungsberechtigten nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. Diese wären bei einer klaren Favorisierung für die Wiederöffnung der Drakenburger Grundschule mit Sicherheit zur Abstimmung gegangen. Dies war aber nicht der Fall. Insofern muss man feststellen, dass sich 80 Prozent der Abstimmungsberechtigten nicht für die Aufhebung des Ratsbeschlusses und damit für die Wiederöffnung der Drakenburger Grundschule ausgesprochen haben. Und das ist dann schon ein eindeutiges Ergebnis. Ein Ergebnis, von dem ich hoffe, dass es Akzeptanz finden wird, wenn die für mich sehr nachvollziehbare Enttäuschung derer, die die Grundschule Drakenburg wieder öffnen wollten, abgeklungen ist. Hier wurde sehr viel Engagement bewiesen. Wir sollten jetzt alle gemeinsam das Ziel verfolgen, die beiden bestehenden Schulen zukunftsfähig aufzustellen.

Was passiert jetzt mit der Grundschule Drakenburg?

Ob Vermietung oder Verkauf, Übertragung an den Flecken Drakenburg oder eine samtgemeindeeigene Nutzung – vielfältige Nachnutzungsmöglichkeiten sind grundsätzlich denkbar. Darüber werden die politischen Gremien der Samtgemeinde Heemsen in der nächsten Zeit unter Einbeziehung des Fleckens Drakenburg beraten müssen. Für welche Nachnutzung man sich am Ende auch entscheiden mag, der Verbleib des Ateliers des Jugendtreffs im Werkraum des Gebäudes wäre mir persönlich ein Herzenswunsch.

Die politisch Verantwortlichen betonen ja, dass sie froh sind, sich jetzt wieder anderen Themen zuwenden zu können. Was sind die Themen, die in der Samtgemeinde Heemsen mit ihren rund 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern kurz- und mittelfristig anzugehen sind?

Ein Mangel an Themen besteht zweifelsohne nicht. Die Umsetzung der verschiedenen Dorfentwicklungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der Anbau an die Alte Schule in Rohrsen, die Neugestaltung des Dorfplatzes in Haßbergen, die Sanierung der Olen Schüne in Drakenburg oder die Dachsanierung des Schützenhauses in Heemsen werden einen Arbeitsschwerpunkt bilden, ebenso wie die Aufstellung verschiedener Bebauungspläne. Darüber hinaus fehlt es derzeit in der Samtgemeinde Heemsen an ausreichenden Gewerbeflächen. Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf. Die Umsetzung des Digitalpakets in den Schulen sowie die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes stehen an. Und im Rathaus selbst muss kurzfristig die Einrichtung eines Dokumentenmanagementsystems sowie die Neugestaltung der Homepage vorangetrieben werden. Dies ist nur ein kurzer Auszug aus dem langen Themenkatalog, dem sich die Samtgemeinde und ihre Mitgliedsgemeinden widmen müssen.

Können Sie schon absehen, welche Auswirkungen Corona auf die wirtschaftliche Zukunft der Samtgemeinde Heemsen hat?

Dies kann noch nicht abschießend bewertet werden, da nicht absehbar ist, wie lange die Pandemie noch anhält. Es sind noch zu viele Unsicherheitsfaktoren im Spiel. Derzeit sind die Steuereinnahmen in den Mitgliedsgemeinden in unterschiedlicher Intensität eingebrochen. Ein besonnenes Ausgabeverhalten wird deshalb auch weiterhin erforderlich bleiben.

Ist zu befürchten, dass das gerade gestartete Dorfentwicklungsprogramm wieder gestoppt werden muss?

Die Eigenanteile der Dorfentwicklungsmaßnahmen werden aus den bisher erwirtschafteten Überschussrücklagen gegenfinanziert. Insofern sehe ich alle Maßnahmen, für die bisher Förderanträge gestellt worden sind, nicht gefährdet. Inwieweit das auch für noch zu stellende Förderanträge der Fall sein wird, werden die Haushaltsberatungen für 2021 zeigen.

In rund einem Jahr finden ja auch in der Samtgemeinde Heemsen die Kommunalwahlen statt. Kommen danach Themen wie Einheitsgemeinde, Anschluss an Nienburg und Neustrukturierung der Feuerwehrlandschaft auf den Tisch?

Aktuell liegt das Thema Fusion weder in Bezug auf die Einheitsgemeinde noch in Bezug auf Nienburg auf dem Tisch. Verwaltungsseitig wird es keinen erneuten Vorstoß in Richtung Einheitsgemeinde geben, solange es keine klaren Signale aus der Politik gibt, dass man sich mit dem Thema nochmal ernsthaft befassen möchte. Wenngleich ich persönlich eine Einheitsgemeinde befürworten würde. Eine Umwandlung der Samtgemeinde in eine Einheitsgemeinde wäre für mich auch der erste zu vollziehende Schritt, um gegebenenfalls über weitergehende Fusionen, zum Beispiel mit Nienburg, nachzudenken. Hinsichtlich der Feuerwehren steht die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes an. Ob in diesem Rahmen über eine Neustrukturierung der Feuerwehrlandschaft diskutiert werden wird, vermag ich nicht zu sagen. Eine Zusammenlegung einzelner Ortswehren wäre in absehbarer Zeit jedenfalls nicht mein Bestreben.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Oktober 2020, 09:22 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.