Die Touristikbranche kämpft

Die Touristikbranche kämpft

Sie durften früher öffnen: Campingplätze und Wohnmobilstellplätze waren in 2020 außerhalb der Lockdowns gut besucht. Foto: Mittelweser-Touristik

162.545 Übernachtungen in gewerblichen Betrieb (ab zehn Betten, inklusive Camping) sind für den Landkreis Nienburg für das vergangene Jahr verzeichnet. Das ist ein Minus von 45,8 Prozent, denn im Vorjahr waren es 299.792 Übernachtungen. Gleiches Bild bei den Gästeankünften: 75.248 im vergangenen Jahr, 126.910 in 2019, was einem Rückgang von 40,7 Prozent entspricht.

Das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) hat kürzlich die Zahlen bekanntgegeben. „Durch die Corona-Pandemie und die Lockdowns im vergangenen Frühjahr und aktuell im Winter sowie weiteren Einschränkungen im Übernachtungsbereich sind die Zahlen in ganz Niedersachsen stark zurückgegangen“, teilt die Mittelweser-Touristik mit.

So meldet das Landesamt für die Mittelweser-Region (Landkreise Nienburg, Verden und Diepholz) im vergangenen Jahr 573.322 Übernachtungen. Das entspricht einem Rückgang von 39,4 Prozent. Die Gästeankünfte lagen bei 257.318 und gingen um 42,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Vergleich 2019: 946.776 Übernachtungen und 447.400 Gästeankünfte.

Der Landkreis Verden verbuchte 192184 Übernachtungen (-44,8 Prozent) und 98.637 Gästeankünfte (-44,1 Prozent). Vergleich 2019: 348.129 Übernachtungen und 176573 Gästeankünfte.

Im Landkreis Diepholz sanken die Übernachtungszahlen auf 218593 (-26,9 Prozent) und die Gästeankünfte um 42 Prozent auf 83433. Hier ist zu berücksichtigen, dass sich durch die teilweise Fertigstellung des Marissa Ferienparkes am Dümmer die Bettenkapazitäten im Landkreis stark erhöht haben und der Park im vergangenen Sommer bereits gut gebucht war. Vergleich 2019: 298855 Übernachtungen und 143917 Gästeankünfte.

Niedersachsenweit gab es einen Rückgang um 35 Prozent bei den Übernachtungen auf rund 30 Millionen. Die Gästeankünfte gingen um 43,4 Prozent auf rund 8,7 Millionen zurück. Vergleich 2019: 46,2 Millionen Übernachtungen und 15,4 Millionen Gästeankünfte.

Die Stadt Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke wird in der nordrhein-westfälischen Statistik geführt, gehört jedoch touristisch gesehen zur Mittelweser-Region und ist Gesellschafterin der Mittelweser-Touristik. Hier wurde mit 87205 Übernachtungen ein Minus von 26 Prozent erzielt. Die Ankünfte lagen bei 16379 (-38,8 Prozent). Vorjahr 2019: 117827 Übernachtungen und 26760 Gästeankünfte.

Der Einbruch der Übernachtungszahlen verteilt sich unterschiedlich auf die jeweiligen Beherbergungssegmente. Während die Wohnmobilstellplätze und die Campingplätze nach dem ersten Lockdown früher öffnen durften und in den Sommermonaten gut belegt waren, verbuchte die Hotellerie teilweise erhebliche Rückgänge bei den Übernachtungszahlen. Während der Lockdowns waren und sind touristische Übernachtungen verboten, es dürfen nur Geschäftsreisende und Monteure aufgenommen werden. Messen, Tagungen, Kongresse, Veranstaltungen wurden abgesagt und Familienfeiern konnten nicht in dem Maße, wie in den vergangenen Jahren stattfinden. Der Anteil der Gäste aus dem Ausland brach coronabedingt ebenfalls ein.

„Die Zahlen sind erschreckend, die Gastronomen, die Hoteliers, die gesamte Tourismusbranche hat seit einem Jahr mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Im Lockdown können kaum Einnahmen generiert werden. Der Beherbergungsbereich war mit der erste, der schließen musste und wird voraussichtlich der letzte sein, der wieder öffnen darf. Es bleibt die Hoffnung, dass die Überbrückungshilfen schnell und unbürokratisch fließen und wir Schritt für Schritt aus der Pandemie kommen“, sagt Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik. „Die gesamte Tourismusbranche braucht eine Perspektive, viele Leistungsträger kämpfen mit existenziellen Problemen“, so Fahrland abschließend.

Seit 2003 stiegen die Übernachtungszahlen in der Mittelweser-Region stetig von rund 472.000 auf mehr als 946.000 in 2019. Hinzu kommen geschätzte Übernachtungen bei Privatvermietern in etwa der gleichen Größenordnung, die jedoch vom Landesamt für Statistik nicht erfasst werden.