Regina Nürge-Krug mit ihren beiden indischen Gästen.

Regina Nürge-Krug mit ihren beiden indischen Gästen.

07.09.2014

Die Welt kommt nach Nienburg

Regina Nürge-Krug hatte sich 2008 zunächst aus reiner Neugier bei Couchsurfing.org angemeldet

Nienburg. Im April 2008 hat sich Regina Nürge-Krug aus reiner Neugier bei Couchsurfing angemeldet. Als „Gastfreundschaftsnetzwerk“ bezeichnet Wikipedia das Prinzip dieser Internetplattform. „Die Mitglieder nutzen die Website, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden, selbst eine Unterkunft oder auch anderes anzubieten, wie beispielsweise einem Reisenden die Stadt zu zeigen“, heißt es dort weiter. Zunächst habe sie noch gedacht, dass in Nienburg wohl eher kein Bedarf bestehe, erklärt Nürge-Krug. Doch dann habe sich bald der erste Surfer aus Berlin angekündigt. Er machte nach dem Abitur eine Fahrradtour durch Deutschland. „Paul war sehr höflich und bescheiden, hatte einen Schlafsack und sogar eigene belegte Brote dabei“, erinnert sie sich. Die gesamte Familie sei begeistert von dem netten Gast gewesen und beschloss, auch weitere Anfragen nach Möglichkeit positiv zu beantworten. Mittlerweile waren bereits 25 Mal Gäste da, die meisten per Fahrrad, aber auch zu Fuß, mit dem Motorrad, dem Auto oder der Bahn. Die Aufenthalte dauerten meist eine oder zwei Nächte. Gastgeber verbringen nur soviel Zeit mit ihren Couchsurfern wie sie selber möchten und sind zu nichts verpflichtet. Aber, ergänzt Nürge-Krug, meist hätten die Gäste interessante Dinge zu berichten und selbstverständlich lade sie sie zum gemeinsamen Essen ein. Sie selbst sei bereits in Kassel und Helsinki bei anderen Mitgliedern der Couchsurfing-Gemeinschaft untergekommen und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Die meisten Anfragen kämen aus Deutschland, aber es seien bereits Leute aus Slowenien, USA, Südkorea, Norwegen, Mexiko, Schweiz, Dänemark und Belgien zu Gast gewesen. Und nun auch aus Indien.

Die beiden pensionierten indischen Ingenieure, 62 und 63 Jahre alt, fragten bereits Mitte Mai an. Sie befänden sich ab Anfang Juni auf einer Fahrradtour durch Europa. Ob sie vom 1. auf den 2. September wohl auf der Couch der Familie Krug schlafen könnten. Auf den Tag genau fand der Besuch nun statt. „Shripad Shidore und sein Freud Jay Pathak hatten die Tour offenbar exakt geplant“, zeigt sich ihre Gastgeberin beeindruckt. „Sie waren ja bereits die enorme Strecke von 4.500 Kilometer quer durch Europa geradelt!“ Nienburg sei nun die letzte Station gewesen. Von Hannover aus gehe es für die beiden Fahrradreisenden mit der Bahn nach Frankfurt und danach mit dem Flugzeug noch in die USA zu ihren dort lebenden erwachsenen Kindern. Im November wollten sie dann wieder zurück in Indien sein.

Ihre große Europatour führte die Beiden zunächst mit der Bahn von Frankfurt nach Saint-Nazare an der französischen Atlantikküste. Dort bestiegen sie ihre Tourenräder und fuhren in Tagesetappen von 75 bis 100 Kilometern durch Frankreich, die Schweiz, Süddeutschland und Österreich bis nach Ungarn. Von Budapest nahmen sie den Zug nach Tschechien, um von Prag über Berlin, Hamburg und Bremen nach Nienburg zu kommen.

Hier fühlten sie sich sehr wohl und genossen die, wie sie sagten „komfortabelste Couch“, die sie auf der Reise gehabt hätten. Mittlerweile stünde nicht mehr nur die Couch im Arbeitszimmer sondern eben ein richtiges Bett im ehemaligen Kinderzimmer zur Verfügung, erläuterte Regina Nürge-Krug. Vor der Abreise trugen sich Shripad und Jay in das Gästebuch ein und verewigten sich dort mit einem Fahrrad, dessen Räder aus aufgeklebten indischen Rupien bestehen. Nach einem Abschiedsfoto brachen die beiden Reisenden auf. Die Couch der Familie Krug steht nun wieder bereit. „Jede Woche möchten wir keine Couchsurfer hier haben, aber ab und zu ist das ganz nett.“ Aufgeschlossen sollte man sein und auch einigermaßen Englisch können, dann sei Couchsurfing eine gute Gelegenheit Gastfreundschaft zu zeigen oder selbst zu erfahren.

Anmelden können sich Interessierte unter couchsurfing.org.

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Erstellt:
7. September 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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