„Die Welt wird nicht untergehen. Aber...“

„Die Welt wird nicht untergehen. Aber...“

Am Mittwoch kam das erneute Aus für die Oberschule in Heemsen.

Von Edda Hagebölling

Heemsen/Erichshagen-Wölpe/Holtorf. „Damit hatten wir so nicht gerechnet. Wir sind sehr, sehr enttäuscht.“ Bianca Wöhlke, Allgemeine Vertreterin von Heemsens Samtgemeindebürgermeister Fietze Koop, hält mit ihrer Verärgerung nicht hinter dem Berg, als die Harke am Sonntag von ihr wissen will, ob denn jetzt in Heemsen die Welt untergeht, nachdem das Verwaltungsgericht in Hannover am Mittwoch abgelehnt hat, die Oberschule in der Trägerschaft der Samtgemeinde Heemsen fortzuführen.

Sehr, sehr enttäuscht

„Natürlich geht die Welt in Heemsen nicht unter. Da aber eine Berufung zugelassen ist, werden wir zunächst zusammen mit unserem Rechtsbeistand und mit der Politik prüfen, ob es sinnvoll ist, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen“, so Wöhlke weiter.

Einen kronkreten Plan B gibt es in Heemsen noch nicht. Bis Mittwochnachmittag ging man sowohl in der Politik als auch in den Rathäusern in Rohrsen und Nienburg davon aus, dass dem Einspruch stattgegeben und die frisch sanierte Schule in Heemsen jetzt doch wieder von den Kindern aus der Samtgemeinde Heemsen und aus Nienburgs nördlichen Stadtteilen Erichshagen-Wölpe und Holtorf nach Klasse 4 angewählt werden kann. „Ganz in Ruhe einen Plan B zu entwickeln, wird gegebenenfalls Aufgabe des neuen Rates sein“, fährt Kämmerin Wöhlke fort.

Nicht sehr viel Verständnis

Nicht sehr viel Verständnis für die Entscheidung hat auch Tim Hauschildt, Ortsbürgermeister in Erichshagen-Wölpe. „Den Erichshägern jetzt zu raten, wie sie sich verhalten sollen, ist schwierig“, fährt der Bürgermeister fort. Die Viertklässler aus dem Norden Nienburgs, die nicht zum Gymnasium oder zur privaten Realschule wollen, haben jetzt die Wahl zwischen der OBS in Steimbke, der IGS hinter der Berufsschule oder der neuen Nienburger Oberschule im Leintor. „Wenn sie sich für eine der Nienburger Schulen entscheiden, wird der Weg in jedem Fall deutlich weiter und auch komplizierter. Mit dem Fahrrad zu fahren, kommt für die kleinen Fünft- und Sechstklässler sicher nicht infrage. Sie werden dann um das Nadelöhr City-Treff vermutlich nicht herumkommen“, so Hauschildt weiter.

Ob das erneute Aus für Heemsen in Nienburg zu einer Raumnot führen wird, vermochte Tim Hauschildt auf Anhieb nicht zu sagen. Er geht aber davon aus, dass es knapp wird. „Die Frage ist ja auch, wie sich die Kinder aus der Samtgemeinde Heemsen jetzt entscheiden“, gibt er zu bedenken.

Wohin mit den Kindern?

Ziemlich enttäuscht ist auch Holtorfs Ortsbürgermeisterin Conny Feske. Feske hätte sich gefreut, wenn die Holtorfer Kinder auch künftig die Möglichkeit gehabt hätten, die Oberschule in Heemsen zu besuchen. Und befürchtet, dass die Schulplätze in Nienburg nach dem Wegfall der Realschulen in Nienburg und Langendamm, der Nordertorschule und jetzt auch der Oberschule Heemsen auf Dauer nicht ausreichen werden. Als Leiterin der Kita in Holtorf weiß sie aus eigener Erfahrung, dass im Norden Nienburgs wieder deutlich mehr Kinder geboren werden. „Unser neues Baugebiet mit seinen 40 Bauplätzen war im Nu ausverkauft, im nächsten Jahr geht es in Erichshagen-Wölpe weiter. Auch dort können sich dann bis zu 40 junge Familien niederlassen“, gibt die Bürgermeisterin zu bedenken. Hinzu komme, dass wieder mehr junge Familien aus den größeren Städten an den Stadtrand von Nienburg ziehen. „Die neuen Räte werden sich Gedanken machen müssen, wie diese Entwicklung aufgefangen werden kann“, so Feskes Prognose.

Keine Unsumme

Davon, dass der Wegfall des Oberschulstandortes die Samtgemeinde Heemsen in den Ruin stürzen wird, geht Kämmerin Bianca Wöhlke nicht aus. Sie gibt aber zu bedenken, dass sich der Landkreis bisher – analog zur Schülerzahl – an der Unterhaltung der von den Oberschülern genutzten Räumlichkeiten beteiligt hat. Diese Unterstützung werde endgültig enden, sobald der letzte Schüler die Oberschule verlassen hat. Für den Wegfall des Oberschulstandortes werde vom Landkreis zwar ein Ausgleich gezahlt. Das sei aber keine Unsumme, so die Finanzexpertin abschließend.