11.08.2013

Die ersten Jungstörche sammeln sich bereits

Dr. Reinhard Löhmer legt Bilanz für 2013 vor: Vögel litten unter dem Wetter / Neun Paare ohne Nachwuchs

Landkreis. Die Jungstörche der frühen Brüter, insbesondere im Nordkreis haben bereits vor gut drei Wochen die Nester verlassen und sammeln sich schon für den Wegzug. Die Ende Mai/Anfang Juni geschlüpften Jungen sind dagegen jetzt dabei, unter der Obhut der Eltern die Nahrungssuche im Gelände und das Fliegen zu trainieren, um dann Mitte August ihr Geburtsgebiet ebenfalls in Richtung Süden zu verlassen. Die Eltern folgen erst Anfang September. Das geht aus der Bilanz von Dr. Reinhard Löhmer für das Storchenjahr 2013 hervor. Westziehende Störche

Die Mehrzahl der „Westzieher“ fliegt heute nicht mehr über Gibraltar hinaus nach Westafrika, sondern überwintert in Südspanien oder auch schon im südfranzösischen Raum. Diese Störche kommen wegen der geringeren Distanz zum Brutort früher zurück.

In diesem Jahr sind die ersten Störche Mitte Februar eingetroffen. Der erste Storch wurde am 17. Februar in Schweringen gesichtet. Zwischen dem 3. und 17. März trafen dann die restlichen Westzieher ein.

Sie sind trotz Kälte und Schnee gegen den kalten Nordostwind gezogen und haben nicht pausiert, wie es die nordischen Gänse und Kraniche getan haben. Bis Mitte März waren fast 50 Prozent aller

Brutstörche auf ihren Nestern. Bei der kalten Witterung hatten sie allerdings große Schwierigkeiten, ausreichend Futter zu finden.

Ostziehende Störche

Die Rückkehr der „Ostzieher“, deren Zugweg über den Bosporus und den Vorderen Orient ins östliche Afrika führt, erfolgte in diesem Jahr von Ende März bis Ende April.

Anfang Mai waren 29 Nester im Landkreis besetzt – fünf Paare mehr als 2012. Der rasante Zuwachs an Brutpaaren entspricht dem Trend der Weststörche im mittleren und westlichen Europa insgesamt. Im benachbarten Landkreis Minden Lübbecke war er schon ein bis zwei Jahre früher zu beobachten.

Die ost-ziehende Population stagniert hingegen in ihrem Bestand oder ist sogar rückläufig. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es zum Teil ein Minus von 30 Prozent.

Die Zunahme an Westziehern basiert wohl zum einen auf geringeren Verlusten im Winterquartier bzw. auf den kürzer gewordenen Zugwegen. Daneben gibt es aber auch Veränderungen in den biologischen Abläufen. Noch vor zehn Jahren galt, dass jüngere Störche im Sommer im afrikanischen oder mediterranen Raum verbleiben. Sie kamen erst mit Eintritt der Geschlechtsreife im 3. bis 5.Lebensjahr in ihre Geburtsgebiete zurück. Heute kehren in wachsendem Maße Zweijährige bereits im April zurück. Einige von ihnen brüten dann auch schon, andere bilden sogenannte „Verlobungspaare“, die ein Nest besetzen, aber noch keine Eier legen – so z.B. in Hoya und Raddesdorf-Kreuzkrug. Andere wiederum treten als Störer auf oder halten sich einzeln oder in kleineren bzw. größeren Verbänden bei uns den Sommer über auf.

Brutverlauf

Die früh heimkehrenden Westzieher haben teilweise trotz Kälte und Schnee schon Anfang April mit der Brut begonnen. Entsprechend früh sind dort nach 30 bis 32 Tagen Anfang Mai die ersten Jungen geschlüpft – zu einem Zeitpunkt, als in anderen Nestern gerade erst Eier gelegt worden sind oder die Familiengründung vollzogen wurde.

Neugründungen bzw. Wiederbesetzungen nach längerer Pause hat es gegeben in Hoya, Haßbergen, Kreuzkrug, Anemolter und in Schamerloh.

Im April und Mai hat es an vielen Nestern zum Teil sehr heftige Kämpfe gegeben. In Landesbergen-Leese wurde ein Brutstorch schwer verletzt und musste eingeschläfert werden. Die Brut ging verloren.

Grundsätzlich entscheiden über den Bruterfolg das saisonale Futterangebot, die Witterung und vor allem auch die biologische Fitness (Bruterfahrung ) der Eltern.

Das Nahrungsangebot war in diesem Jahr sehr gut. Weniger gut war das Wetter vor allem Ende Mai mit der mehrtägigen Nässe und Nachtemperaturen deutlich unter + 10 °C. Das hat in diesem Jahr den exponiert sitzenden Nesthockern schwer zu schaffen gemacht.

Betroffen waren vor allem die frühen Brüter. Totalverluste durch die Witterung gab es in Kroge, Landesbergen, Düdinghausen und Schamerloh.

Insgesamt blieben neun Paare (31 Prozent) im Landkreis ohne Bruterfolg. Das ist ein schlechtes Ergebnis, so Löhmer.

Die Ende Mai/Anfang Juni geschlüpften Jungen konnten von den Eltern aufgrund ihrer geringeren Körpergröße besser geschützt werden. Bei diesen Paaren war der Bruterfolg besser. Dennoch gab es nur zwei Paare mit drei Jungen (Lemke, Uchte ).

Insgesamt sind 38 Junge ausgeflogen – die gleiche Anzahl wie im Vorjahr.

Bezogen auf alle Nester sind damit nur 1,31 Junge pro Paar aufgewachsen. Das ist ein Wert, der deutlich unter dem langjährigen Mittel von 1,8 liegt. Die Witterung hat einen besseren Bruterfolg nicht zugelassen, so Löhmer abschließend.

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Erstellt:
11. August 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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