22.01.2013 Von Alan Smithee

Die verzweifeltste Bewerbung der Welt

PR-Artikel Junge, talentierte und hochgebildete Absolventen, die keine Arbeit finden: In Europa ist das längst Normalität geworden. Ein Engländer hat nun einen außergewöhnlichen Weg eingeschlagen, um auf sich aufmerksam zu machen. Seine Selbstwerbung hat ihm zwar noch keinen Job verschafft – aber viel Aufmerksamkeit der Medien. Und da will Adam Pacitti letztlich auch hin.

Er hat über 250 Bewerbungen geschrieben, rund sechs Stunden täglich damit verbracht und doch nur Absagen bekommen. Trotz seines abgeschlossenen Studiums als Medienproduzent, mehreren erfolgreichen und sogar preisgekrönten Projekten und umfangreicher Erfahrung findet der junge Brite keine Arbeit. Da kam er auf die Idee, eine Medienkampagne zu starten – für sich selbst.

Innovatives Selbstmarketing als Bewerbungsstrategie

„Ich habe meine letzten 500 Pfund für dieses Plakat ausgegeben. Bitte geben Sie mir einen Job!“ blinkte Anfang des Jahres von einer Plakatwand in London. Daneben steht Adam Pacitti, 24, im Anzug und mit ernstem Blick. Der gelernte Medienproduzent weiß, wie man ein Produkt in Szene setzt; in seiner Arbeitslosigkeit kann er diese Fähigkeit jedoch nicht unter Beweis stellen. Außer: für sich selbst.

So hat Pacitti außer der Plakatoffensive auch eine Webseite erstellt, die bloß zu dem Zweck dient, ihm eine Arbeit zu verschaffen. Auf employadam.com gibt es ein seriös produziertes, witziges und informatives Bewerbungsvideo, seine Filmproduktionen und – natürlich – seinen Lebenslauf zu beschauen. Die Webseite ist gespickt mit Humor, wohl auch, um die Verzweiflung des Absolventen etwas zu schwächen und für den Webseiten-Besucher erträglich zu machen.

Spätestens nachdem der Daily Mirror einen Artikel über Pacitti brachte, genießt der Jungakademiker internationale Aufmerksamkeit für sein Engagement. Einen Job hat ihm das zwar bisher noch nicht eingebracht. Aber wie die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel vom 11.01.13 mitteilte, bekam der Brite mittlerweile immerhin ein Vorstellungsgespräch.

Tatsächlich ist Adam nicht der Einzige, der die Neuen Medien auf kreative Art für seine Bewerbung nutzte. Für viele Jobs im Medienbereich ist es längst normal geworden, sich selbst professionell, kreativ und einzigartig zu präsentieren. Daran ist nicht nur die angespannte Lage am Arbeitsmarkt, sondern auch das Medium selbst schuld: So erlauben die geringen Produktions- und Verbreitungskosten innovative Kampagnen auch Arbeitslosen.

Aber nicht nur im Kreativbereich, sondern auch bei normalen Bewerbungen wird zunehmend Professionalität verlangt. So sind ein ansprechender Lebenslauf und ein professionelles Anschreiben essenzielle Voraussetzungen für ein Vorstellungsgespräch. Die Tipps zur Bewerbung auf sueddeutsche.de lassen außerdem verlauten, dass Körpersprache, Dress-Code und Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch wichtig sind und vorher geübt werden sollten. Das hat Adam Pacetti in seinen Videos nun ja schon zur Genüge getan. Ob das Job-Interview dann auch den gewünschten Erfolg bringt, wird sich zeigen. Zu wünschen wäre es ihm – auch wenn sein Bewerbungsvideo doch sehr mitleidheischend ist. Oder ehrlich.

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Erstellt:
22. Januar 2013, 15:05 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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