Detlev Kohlmeier Archiv

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Nienburg 07.05.2016 Von Edda Hagebölling

„Dieser Satz ist absurd“

Gehört der Islam wirklich nicht zu Deutschland?: Gedanken von Kohlmeier, Lechler und Jung

Von Edda Hagebölling

Aus aktuellem Anlass hat die Harke am Sonntag Landrat Detlev Kohlmeier, Superintendent Martin Lechler und Pfarrer Thomas Jung gebeten, in drei, vier Sätzen zu schildern, welche Gedanken ihnen durch den Kopf gehen, wenn sie hören, dass die AfD in ihr Grundsatzprogramm aufgenommen hat: Der Islam gehört nicht zu Deutschland.

Detlev Kohlmeier:

Das Deutschland, das ich mir wünsche, ist offen für alle Menschen, die unsere Werte und Ziele teilen. In Deutschland leben rund fünf Millionen Muslime. Der Islam gehört damit genauso zu Deutschland wie viele anderen Religionsgemeinschaften auch. Das Grundgesetz schützt im Übrigen die Glaubensausübung, und zwar aller Religionen, die sich innerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen. Statt den Islam, der weit überwiegend in einer liberalen Ausprägung gelebt wird, auszugrenzen, muss es doch vielmehr darum gehen, sich in Deutschland entschlossen gegen jede Form von Radikalität zur Wehr zu setzen. Das gilt für den Islamismus, den Terrorismus und den Rechtsnationalismus gleichermaßen.

Martin Lechler:

Angesichts der Tatsache, dass mehrere Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserem Land Muslime sind, halte ich den Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ für absurd. Dieser Satz ist ausgrenzend. Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung garantiert die freie Ausübung von Religion, welche sich allerdings den Gesetzen unseres Landes unter zu ordnen hat. Dies sieht die Trennung von Staat und Kirche (bzw. Moschee, Synagoge, Tempel) so vor. Das Grundsatzprogramm der AfD ist für mich irreführend und gefährlich. Ich erwarte eine rasche Überprüfung, ob die Passagen zum Islam in diesem Programm mit unserem Grundgesetz konform sind. Für mich gehören die Muslime zu Deutschland und wir tun gut daran, miteinander ins Gespräch zu kommen, auch über religiöse Fragen, und unser Leben miteinander zu teilen. Nur so wächst eine friedliche, gerechte, tolerante Gesellschaft, in der wir alle gern leben mögen.

Thomas Jung:

Grundsätzlich ist nach Art. 4 des Grundgesetztes die Freiheit Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich. Dazu gehören nach meiner Meinung auch Gemeinden und Gotteshäuser, in denen der Glaube ausgeübt und gelebt wird. Es dürfte wenig zielführend sein, angesichts der vielen Menschen, die bei uns Schutz suchen, Mauern durch die Gesellschaft zu ziehen und Angst vor dem Fremden zu schüren. Wichtiger ist es, voneinander zu wissen, miteinander ins Gespräch zu kommen und einander zu kennen. Dieses Ziel wird allerdings dadurch erschwert, dass die Imame Beamte des türkischen Innenministeriums und durch die Sprachbarriere in ihren Dialogmöglichkeiten eingeschränkt sind. Ein weiteres Erschwernis für den Dialog: Da die Glaubenslehre des Islam nicht wie die des Christentuns durch Dogmen eingegrenzt ist und systematisiert ist, gibt es eine große Zahl unterschiedlicher Spielarten des Islam. Dort, wo es Bestrebungen in Deutschland gibt , die Religionsausübung des Islam an die Scharia zu koppeln, oder muslimische Feiertage in die Gesellschaft zu implantieren, sollte die Gesetzgebung eine Grenze setzen.

Martin Lechler

Martin Lechler

Pfarrer Thomas Jung

Pfarrer Thomas Jung

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Erstellt:
7. Mai 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

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