Johann und Gisela Meyer mit dem Liegestuhl aus dem Rüttelband eines Rübenroders. Achtermann

Johann und Gisela Meyer mit dem Liegestuhl aus dem Rüttelband eines Rübenroders. Achtermann

Holtrup 28.04.2019 Von Horst Achtermann

Dinos, Torbögen, skurrile Gestalten

Kunst aus Schrott: Johann Meyer aus Warpe hat die Liebe zum Schrottschweißen entdeckt

Wer mit Johann Meyer über seinen Hof in Holtrup schlendert, stößt auf dem winkligen großen Gelände auch auf einen Haufen Schrott, Reste aus vielseitigen Ackergeräten. „Mein Ersatzteillager“, so Johann Meyer und zeigt auf eine „Tänzerin in Arbeit“.

Erinnerungen werden wach. Genau elf Jahre sei es her, als die Liebe zum Schrottschweißen in Johann Meyer „entbrannte“. Der Holtruper erinnert an Henry Smorra, den Hauptorganisator des Bücker Kulturspektakel 2008 mit dem Motto „Bücken lässt die Puppen tanzen“. Mit jungen Künstlern aus Hannover sah er seinen Hof als ideal an, hier aus Alteisen überlebensgroße Figuren für das Kulturspektakel zu schweißen. Alteisen und Metallreste waren genug vorhanden.

So entstand auch die riesengroße Figur „Püppi“. „An einem Wochenende im April 2008 wurden auf meinem Anwesen von einer Schar schweißwütiger Teilnehmer bizarre Figuren zusammen geschweißt, die zum Teil noch heute das Dorfbild von Bücken und Holtrup bereichern“, berichtet Johann Meyer weiter.

Danach war es um ihn geschehen, wie es der schweißkundige Landwirt gegenüber der HARKE am Sonntag beschreibt. Er fand immer mal wieder Zeit, aus seinem Ersatzteillager – Pflugschare, Eggen und anderen ausgedienten Gerätschaften – neues Leben einzuhauchen. „Was da entsteht – Schrott oder Kunst – ist eine Frage des Standpunktes.“

So steht direkt am Wohnhaus von Gisela und Johann Meyer ein riesiger Liegestuhl, entstanden aus dem Rüttelband eines Rübenroders, beweglich und in dieser Jahreszeit umgeben vom aufblühenden Maigrün. Wer ausruhen will, kann das hier tun und trefflich darüber philosophieren, wie er zu der aktuellen Zuckerrübenpolitik der EU steht – oder besser liegt, bemerkt Landwirt Meyer.

Aus einem Kerzenhalter mit Kugellager und Schweinetränke hat Johann Meyer einen „Dino“ gezaubert. „Der kann schon überraschen, Besucher haben sich erschrocken und sind gleich zwei Schritte zurückgegangen“, hat Gisela Meyer beobachtet. Gern werden die Kunststücke von Touristen und Radwanderern, aber auch Einwoh nern besichtigt.

Johann Meyer lässt seine Ideen spielen. Kugellager werden zu eindrucksvollen Augen, Pflugscharen zu Flügeln, und Ketten geben ein prächtiges Haarkleid ab. Ein Gartenteil des Meyerschen Anwesens ist geschmückt mit einem imposanten Torbogen, entstanden aus einem alten Frontlader. Verziert mit einem Frauenkopf und dem Besuch einer Katze.

Die fantasievollen Schweißarbeiten auf dem Hof in Holtrup haben sich in der Region rumgesprochen. So steht in der Gärtnerei von Ulrike Meyer in Drübber ein großer Drachen; „Edgar“, an der Nasenspitze haben sich Wespen als Mitbe wohner eingerichtet.

„Ein schöner Garten mischt den Staub des Alltags von der Seele“ steht auf einem Schild, das Johann Meyer seiner Fantasiefigur aus einem Antriebsrad und einem Getreideelevator umgehängt hat. Man darf gespannt sein, welche „schrottige“ Ideen Johann Meyer in Zukunft noch zu ansehnlicher Kunst verschweißt.

In seinem „Ersatzteillager“, davon ist die HARKE am Sonntag nach diesem Gespräch überzeugt, wird Johann Meyer noch so manches Fantasiemodell erstehen lassen.

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Erstellt:
28. April 2019, 09:21 Uhr
Lesedauer:
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