Mit einem Politikkurs des Marion-Dönhoff-Gymnasiums sprach Olga Karatch über die Unterschiede in Weißrussland und Deutschland. Foto: Schmidetzki

Mit einem Politikkurs des Marion-Dönhoff-Gymnasiums sprach Olga Karatch über die Unterschiede in Weißrussland und Deutschland. Foto: Schmidetzki

Nienburg 16.11.2019 Von Nikias Schmidetzki

Diskussion mit Friedenspreis-Trägerin

Die Weißrussin Olga Karatch war zu Gast am MDG

Bevor sie am Freitag in Bremen den Internationalen Friedenspreis der Stiftung „Die Schwelle“ überreicht bekommen sollte, gab sich die politische Aktivistin Olga Karatch aus Nienburgs Partnerstadt Witebsk in Weißrussland die Ehre. Sie besuchte Nienburg und ging unter anderem mit einem Politikkurs des Marion-Dönhoff-Gymnasiums (MDG) auf Tuchfühlung.

Seit ihrer Jugend schon kämpft die 1979 Geborene gegen die Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten des Systems in ihrem Heimatland, teilt die Stiftung mit. Sie habe das Netzwerk „Nash Dom“ gegründet, dem heute rund 20 Gruppen angehören.

Dabei ist das, was die junge Frau macht, nicht ungefährlich. „Politisches Engagement ist in Weißrussland nicht gern gesehen, vor allem, wenn es sich gegen die Regierung richtet.

Davon berichtete Karatch auch den Schülerinnen und Schülern: Wer sich gegen Alexander Lukaschenko, seit 1194 Präsident in Weißrussland, und dessen Politik richte, müsse mit Repressalien rechnen, sei ihm Visier des Geheimdienstes und müsse damit rechnen, festgenommen zu werden. Auch sie selbst und ihr Mann, mit dem sie angereist war, hätten diese Erfahrung bereits gemacht, erklärte sie.

Karatch berichtete, was der Staat seinen Einwohnerinnen und Einwohnern alles vorschreiben wolle und an welchen Stellen das System ungerecht sei. Dass junge Frauen, die schwanger werden, etwa zur Heirat gezwungen werden sollen, erklärte Karatch, und dass Arbeitslose spezielle Abgaben entrichten müssten. Wenn sie das tun, könne aber die Frage folgen, woher sie das Geld hätten.

Nicht jeder hat die Chance auf eine freie Berufswahl

Gegenüber ihren Ausführungen lies sie sich von den Jugendlichen erzählen, wie es mit der Demokratie in Deutschland stehe, wo es Stärken und Schwächen gebe – auch ganz speziell in Nienburg. Aus ihrer Lebenswelt – Bildung, Schule, Beruf – das freie Recht zu demonstrieren, auch gegen das Bildungssystem, hoben die MDGler hervor. Dass sie nach ihrem Schulabschluss die Chance auf eine freie Berufswahl hätten, sei positiv. Ganz anders sehe die Situation in Weißrussland aus, erklärte Karatch. Dort gebe es eine Liste mit Berufen, die Frauen ergreifen dürfen.

Doch auch Kritik am deutschen System äußerten die Jugendlichen. Vor allem am Gymnasium würde die Schülerschaft zu wenig auf ein Berufsleben außerhalb des Studiums vorbereitet. Zu wenig Praxiserfahrung stünde auf dem Lehrplan. Doch auch hier legte Karatch nach: In ihrer Heimat müssten Hochschulabsolventen für zwei Jahre arbeiten, wo sie hingeschickt würden. Dafür bräuchten sie aber keine Studiengebühren zu zahlen, die von den Nienburgern ebenfalls als Nachteil angesehen wurden.

Während der durchgängig in englischer Sprache geführten Diskussion zeigten sich auch unterschiedliche Wahrnehmungen der Situation unter den Schülerinnen und Schülern – etwa was das Sicherheitsgefühl, die Kriminalität in der Stadt und den Sinn einer Wehrpflicht angeht.

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Erstellt:
16. November 2019, 21:02 Uhr
Lesedauer:
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