Rodlerin Julia Taubitz hat den Bahnrekord in Yanqing auf 58,345 Sekunden verbessert. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Rodlerin Julia Taubitz hat den Bahnrekord in Yanqing auf 58,345 Sekunden verbessert. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Yanqing 07.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Rodeln: Bauchlandung von Taubitz - Geisenberger führt

Nach der schmerzhaften Bauchlandung ließ Rodel-Favoritin Julia Taubitz ihren Tränen freien Lauf.

Die Weltcup-Gesamtsiegerin eröffnete das olympische Rennen zunächst mit Bahnrekord, stürzte aber im zweiten Lauf in der berüchtigten Kurve 13 mit gut 120 km/h und muss alle Gold-Hoffnungen begraben. Einen Tag nach dem Coup von Johannes Ludwig steht dagegen Taubitz' Rivalin Natalie Geisenberger als Halbzeit-Führende vor der nächsten Goldmedaille. Zweite ist die Olympia-Debütantin Anna Berreiter aus Berchtesgaden. Am Dienstag werden die Läufe drei und vier ausgetragen.

„Natürlich ist sie im Moment etwas zerstört, sie liegt etwas am Boden. Aber das gehört bei uns dazu, da muss man wieder aufstehen“, sagte Cheftrainer Norbert Loch. „Es fahren keine Maschinen da runter, es sind Menschen und die machen Fehler. Sie hat in der Kurve 13 einen Fahrfehler gemacht, der dann zum Sturz geführt hat.“ Nach so einem Fehler wirkt laut Loch nur noch die Physik. „Ich habe ihr gesagt, sie hat eine Sekunde zu Platz drei. Das ist Julias Chance, wenn sie zwei Topläufe zeigt.“

„Es war ein brutal schwieriger Tag“

Die deutschen Betreuer schlugen entsetzt die Hände vor die Gesichter, als Taubitz in Bauchlage mit dem Schlitten auf dem Rücken ins Ziel rutschte. Die 25-Jährige stemmte sich danach mit den Händen auf die Knie, musste erst einmal durchatmen, Schmerzen und Schock verdauen. Dann fand sie tieftraurig in den Armen von Teamkollege Max Langenhan Trost. Von Platz eins ging es auf Platz 14 zurück.

Derweil ist Geisenberger rundum zufrieden und steht nach den Siegen 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang dicht vor ihrem olympischen Hattrick. Der Vorsprung vor Olympia-Debütantin Berreiter beträgt 0,208 Sekunden. „Es war ein brutal schwieriger Tag“, sagte Geisenberger.

„Ich bin froh, dass ich zweimal recht gut gefahren bin. Ich bin im Weltcup und im Training hier gestürzt. Hier erwischt es auch die richtig guten Leute.“ Loch ist sich derweil sicher: „Das lässt sich Natalie nicht mehr nehmen.“

Taubitz stürzt in Kurve 13

Auf der 1475 Meter langen Bahn unterboten sich Taubitz und Rivalin Geisenberger zunächst in Bestzeiten. Die Olympia-Kritikerin aus Miesbach legte mit Bahnrekord vor, Taubitz konterte umgehend und drückte die Bestzeit auf 58,345 Sekunden. Im zweiten Durchgang war Taubitz ebenfalls schnell unterwegs, ehe sie nach der 13. von insgesamt 16 Kurven die Kontrolle über ihren Schlitten verlor.

Immerhin schaffte sie es noch mit Sportgerät ins Ziel, so dass sie am Dienstag wieder antreten und auf ein kleines Wunder hoffen darf. Denn Taubitz liegt bereits 1,595 Sekunden hinter Geisenberger, was im Rodeln eigentlich unmöglich aufzuholen ist.

Goldjunge Ludwig verfolgte den Wettbewerb der Frauen direkt an der Bahn - und machte sich womöglich schon ein paar Gedanken zu seiner Zukunft. Der 35-Jährige ließ noch offen, ob er seine Karriere nun beenden oder noch die Heim-WM in Oberhof 2023 mitnehmen will. Er wolle sich „etwas Luft lassen“ und mit der Familie reden. „Dann werde ich ganz in Ruhe entscheiden, ob ich noch eine Saison dranhänge“, erklärte er. Oberhof würde ihn definitiv reizen: „Das wäre ein schöner Abschied.“

Autor Fitzek gratuliert Ludwig

Einen neuen Fan hat Ludwig in Bestseller-Autor Sebastian Fitzek. „Ich freue mich unglaublich, dass ich einen klitzekleinen Beitrag zu dieser großartigen Leistung beisteuern durfte. Allein dafür hat es sich doch schon gelohnt, „Das Paket“ zu schreiben. Mein allerherzlichsten Glückwunsch an Johannes Ludwig und sein gesamtes Team“, sagte der 50-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte Ludwig berichtet, vor dem Finallauf am Sonntag im Buch „Das Paket“ von Fitzek gelesen zu haben. „Ich bin keine Leseratte, habe aber ein Kapitel weitergelesen“, berichtete Ludwig. „Es war ein sehr spannendes Kapitel, weil der Bösewicht aufgedeckt wurde.“ In dem Psychothriller von 2016 geht es um einen Serien-Vergewaltiger und sein Opfer.

© dpa-infocom, dpa:220207-99-14148/6

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Erstellt:
7. Februar 2022, 16:01 Uhr
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