Leon Draisaitl wurde als erster deutscher Eishockey-Spieler zum wertvollsten Spieler in der amerikanischen Profiliga NHL gewählt. Foto: Lynne Sladky/AP/dpa

Leon Draisaitl wurde als erster deutscher Eishockey-Spieler zum wertvollsten Spieler in der amerikanischen Profiliga NHL gewählt. Foto: Lynne Sladky/AP/dpa

Edmonton 22.09.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

„Bester Spieler der Welt“ - Draisaitl schreibt Geschichte

Jetzt fehlt Leon Draisaitl nur noch der Stanley Cup. Das Eishockey-Idol schlechthin überbrachte Deutschlands bestem Spieler in der Nacht die Nachricht sport-historischen Ausmaßes:

Draisaitl-Fan Wayne Gretzky informierte den 24 Jahre alten Kölner in der deutschen Nacht per Videoanruf über seine Auszeichnung als wertvollster Spieler (MVP) in der weltbesten Liga NHL. „Das ist eine große Sache für mich“, sagte Draisaitl glücklich mit zerzausten Haaren. „Es ist eine große Ehre und ein großartiger Tag für mich, so viel ist klar.“

Der Weltklasse-Stürmer der Edmonton Oilers schreibt weiter deutsche Eishockey-Geschichte. Niemals zuvor hat ein deutscher Spieler in der nordamerikanischen Profiliga NHL den Status als Most Valuable Player (MVP) erlangt. Der Sohn des früheren Nationalspielers Peter Draisaitl, der zuvor bereits als erster deutscher Profi der Top-Scorer in der - coronabedingt verkürzten - NHL-Hauptrunde geworden war, bekam den MVP-Titel gleich zweimal verliehen: Draisaitl wurde sowohl von den nordamerikanischen Fach-Journalisten (Hart-Memorial-Trophy) als auch von den NHL-Spielern (Ted-Lindsay-Award) gekürt. „Die Anerkennung aus dieser Ecke zu bekommen, bedeutet mir viel“, sagte der Doppel-MVP.

Erst einmal war es bislang einem Deutschen gelungen, in einer der großen US-Sportligen MVP zu werden: Basketball-Legende Dirk Nowitzki 2007 in der NBA. „Das bedeutet mir viel. Dirk ist jemand, zu dem ich aufschaue. Jemand den ich bewundere“, berichtete Draisaitl. „Es ist eine große Ehre, dass ich mit ihm in einer Reihe stehe.“

Nowitzki selbst hatte Draisaitl im Juni nach dessen eindrucksvoller Saison bereits den MVP-Titel gewünscht: „Seine Grenze ist der Himmel, denn er ist erst 24 Jahre alt und wird weiter an sich arbeiten. Es ist verdammt hart, den MVP, egal in welcher Liga, zu gewinnen.“ Da war Draisaitl Top-Scorer geworden - etwas, das Nowitzki in der NBA nie geschafft hat.

Dass sich die Eishockey-Welt vor einem Deutschen verneigt, hat es bis zu Draisaitls Karriere nicht gegeben. Für einige ist der Kölner nun automatisch der beste Spieler der Welt. „Es gibt keine bessere Eishockey-Liga als die NHL. Deswegen war Leon in dieser Saison der beste Spieler in der Welt. Das muss man sich einfach mal vorstellen, dass jemand sagen kann, er ist der beste Spieler der Welt“, sagte der frühere Bundes- und aktuelle Assistenztrainer der Los Angeles Kings, Marco Sturm, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Deutsche Eishockey Bund (DEB) feierte sein größtes Aushängeschild. „Das ist ein außergewöhnlicher Tag für das deutsche Eishockey“, kommentierte DEB-Präsident Franz Reindl in einer ersten Reaktion. „Superlative sind dafür angemessen, und es erfüllt auch den Verband mit großem Stolz, einen solchen Ausnahmesportler zu haben.“

Bundestrainer Toni Söderholm erhofft sich von Draisaitls Meilensteinen weitere Impulse. „Dass ganz generell ein deutscher Spieler ein solche Hauptrunde gespielt hat, gibt anderen deutschen Spielern mit Sicherheit einen Schub. Wenn ein Spieler so etwas Außergewöhnliches leistet, dann wissen auch andere, dass solch eine Leistung für einen deutschen Spieler möglich ist“, sagte Söderholm.

Topscorer, MVP, herausragender Spieler nach Abstimmung der Kollegen: Auf persönlicher Ebene hat Draisaitl in der stärksten Eishockey-Liga der Welt bereits alles erreicht. Doch auf den ganz großen Wurf, die Meisterschaft, musste er auch in dieser Saison verzichten. „Wenn ich diese zwei oder drei Auszeichnungen zurück geben könnte für einen Stanley Cup, würde ich das binnen eines Herzschlages machen. So wie jeder andere auch, denke ich“, sagte er.

Aktuell scheint er dafür im falschen Team zu spielen. So spektakulär die Offensive der Oilers mit Draisaitl und Kapitän Connor McDavid auch ist - defensiv hat das Team etliche Schwächen. Überraschend hatte Edmonton die Playoffs wegen eines 1:3 in der Qualifikationsrunde gegen Außenseiter Chicago erst gar nicht erreicht. „Es ist ein schöner Tag, ich bin stolz und glücklich“, sagte Draisaitl: „Aber mein Ziel am Ende des Tages in meiner Karriere ist, den Stanley Cup zu gewinnen.“

© dpa-infocom, dpa:200922-99-656190/5

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Erstellt:
22. September 2020, 11:53 Uhr
Lesedauer:
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