Drei Jahre lang warm anziehen

Drei Jahre lang warm anziehen

Eine WM-Baustelle in Katar. Hier wird ein Stadion errichtet. Foto: Adobe Stock

Was machen Sie heute in drei Jahren? Meine Vermutung: Frierend, mit einem heißen Glühwein in der Hand, beim Public-Viewing stehen, denn: vom 21. November bis zum 18. Dezember 2022 findet die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar statt. Das ohnehin schon höchstumstrittene Turnier hatte erst vor wenigen Tagen den nächsten Schock parat, als die FIFA den exakten Zeitrahmen festlegte. Wird die DFL nicht mehr verändernd tätig, liegen zwischen dem letzten Bundesliga-Spiel und dem Eröffnungsspiel nur acht Tage.

Für weiteres Aufhorchen sorgte nun der frischgebackene Hertha BSC Berlin-Coach und Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann. Er freue sich auf die WM in Katar und sei sich sicher, die ganze Region werde zeigen wollen, was sie fußballerisch sowie touristisch drauf habe. Bedenkt man die Tatsachen, dass das Scheichtum Katar in der gesamten Golfregion isoliert ist und als Terrorfinanzierer gebrandmarkt wird, klingen Klinsmanns Worte wie eine tollkühne Vision mit dezent geringer Realitätsnähe.

Die Aussage Klinsmanns macht vor allem deutlich, dass sich Fußballfans in den kommenden drei Jahren warm anziehen sollten. Auf vielen Ebenen wird es darum gehen, Katar als friedfertiges und weltoffenes Urlaubsland darzustellen. Die Vorstellung, eine solche sportliche Großveranstaltung würde das Allheilmittel sein und zur Schwächung eines autokratischen Regimes sowie zu mehr Demokratie führen, ist nahezu an Naivität nicht zu überbieten. Wie die Geschichte an Beispielen der Olympischen Spiele 2011 in Peking oder der WM 1978 in Argentinien gezeigt hat, war vermehrt das Gegenteil der Fall.

Das gelingt besonders dann, wenn sich Sportler, Prominente und Funktionäre von Staaten wie Katar vor den Karren spannen und gedankenlose blumige PR für sich betreiben lassen. Für ein Land, das den WM-Zuschlag nur durch Bestechungen bekommen haben soll, Frauen als Bürger zweiter Klasse behandelt, Homosexualität verbietet und unzählige Gastarbeiter beim Bau der WM-Stadien wie Sklaven behandelt oder auf schlecht gesicherten Baustellen sogar sterben lässt.

Warum rebelliert niemand dagegen, wie beispielsweise der DFB? Gelten Kampagnen für Vielfalt und gegen Rassismus nur im Inland?