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20.10.2020 Von Die Harke

Drogenkonsum steigt

Wie schon in den Jahren zuvor haben Drogendelikte in Deutschland auch 2019 zugenommen. Dies geht aus der Präsentation des Lageberichts hervor, den das Bundeskriminalamt (BKA) vor einigen Wochen im Beisein der Bundesdrogenbeauftragten präsentierte. Besonders auffällige Veränderungen gab es im Bereich des Kokainkonsums und -handels.

Laut der Behörde war zu beobachten, dass die Deliktzahlen bei bestimmten Substanzen, insbesondere Kokain, weiterhin anstiegen. Allein im Vergleich zum Jahr 2017 steigerte sich die sichergestellte Menge an Kokain um 25%, auf nun zehn Tonnen. Anders als früher sei Kokain durch seine Verfügbarkeit auch in weniger wohlhabenden Bevölkerungsteilen immer verbreiteter, was sich nun auch statistisch niederschlage. Die am weitesten verbreitete illegale Droge bleibt jedoch mit großem Abstand Cannabis, allerdings ohne, dass es in diesem Bereich große Veränderungen bei Konsum und Handel gegeben hätte. Zum Vergleich: 217.000 Cannabis-Delikten, stehen knapp 40.000 Vergehen mit Amphetaminen (umgangssprachlich „Speed“), etwa 20.000 mit Kokain und jeweils etwa 10.000 mit Heroin und Crystal Meth entgegen. Vor allem Heroin und Crystal Meth gelten als besonders gefährlich, wenngleich die rasante Ausbreitung von Crystal sich 2019 nicht weiter fortsetzte.

Dass sich dieser Trend im Jahr 2020 umkehrt, ist derzeit nicht zu erwarten. Kriminelle Strukturen seien gut organisiert und die Nachfrage weiterhin groß. Die Corona-Pandemie in Deutschland hat nicht zu einem signifikantem Rückgang von Delikten geführt. Im Gegenteil, die Zahl der Drogentoten stieg bis September diesen Jahres sogar um 13%, so die Antwort der Länder auf eine Anfrage der WELT AM SONNTAG. Bereits 2019 war ein Zehnjahreshoch zu verzeichnen, 1398 Menschen starben.

Vor diesem Hintergrund sahen sich auch Vertreter aus Politik und Gesellschaft zu einer Reaktion veranlasst. So betont der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), dass insbesondere die Verfügbarkeit besonders gefährlicher Substanzen die Zahl der Toten erhöhen würde. Sowohl BKA-Chef Münch, als auch die Bundesdrogenbeauftragte Ludwig (CSU) wollen nach wie vor an einer Strategie der Repression und Prävention festhalten. Dadurch sollen Strukturen organisierter Kriminalität geschwächt und potentielle Konsumenten über die Gefahren des Drogenkonsums präventiv aufgeklärt werden. Zwar seien Konsumenten meist Opfer ihrer Sucht und von Kriminellen, eine Entkriminalisierung kleinerer Konsumdelikte wird aber durch Münch und Ludwig gleichermaßen abgelehnt.

Mit Blick auf die Isolation Drogenabhängiger während der Corona-Pandemie, plädiert dagegen Lauterbach für eine Entkriminalisierung von Cannabis. Bei erkennbaren Erfolgen einer solcher Reform könne auch über Gesetzesänderungen bei anderen Substanzen nachgedacht werden. Der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter äußerte sich ähnlich, Drogenkonsumenten seien als Suchtkranke nicht mit strafrechtlichen Mitteln zu belangen. Auch kleinere Delikte können schnell zu empfindlichen Strafen führen. Der Münchner Anwalt Wederhake für Btm (Betäubungsmittelstrafrecht) (https://www.kanzlei-wederhake.de/service/drogen-anwalt-munchen/) empfiehlt Betroffenen daher, sich direkt und schnell juristisch beraten zu lassen und mittels anwaltlichen Hilfe zur Wehr zu setzen. Auf diese Weise können juristische Vertreter eine effektive Strafverteidigung ausarbeiten und eine schnelle Verfahrensbeendigung erwirken, um eine belastende und kostenintensive Hauptverhandlung zu vermeiden.

Einigkeit besteht dagegen in der Forderung weiterhin gegen Produzenten und Vertreiber illegaler Drogen vorzugehen, da in der Verfügbarkeit, etwa von Kokain, ein Hauptgrund für steigenden Konsum zu finden sei. Wie schwierig dieses Unterfangen zu verwirklichen ist, zeigt ein genauer Blick auf die Zahlen für das Jahr 2019: von 10 sichergestellten Tonnen Kokain, stammt fast die Hälfte (4,5 Tonnen) aus einer einzigen, am Hamburger Hafen abgefangenen Großlieferung.

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Erstellt:
20. Oktober 2020, 16:50 Uhr
Lesedauer:
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