Die Fördermittel sind bewilligt. Sobald der Bescheid vorliegt, geht's los.

Die Fördermittel sind bewilligt. Sobald der Bescheid vorliegt, geht's los.

Heemsen 14.05.2016 Von Edda Hagebölling

Durch die Baracke auf das Gräberfeld

Heemsen: Fördermittel für Gedenkstätte bewilligt / Sobald der Bescheid vorliegt, geht‘s los

Von Edda Hagebölling

Heemsen. In Heemsen macht sich Erleichterung breit. Wie in der vergangenen Ausgabe berichtet, sind die Fördermittel für den Bau einer Gedenkstätte, die an das Schicksal von über 700 in Heemsen verstorbenen russischen Zwangsarbeitern erinnern soll, bewilligt. Damit ist sichergestellt, dass die Baukosten von 85 000 Euro in voller Höhe vom Land, vom Bund und von der EU übernommen werden. Sobald der Förderbescheid vorliegt, geht‘s los.

Wie Samtgemeindebürgermeister Fietze Koop auf Nachfrage der Harke am Sonntag erörtert, gibt es bereits einen zeitlichen Fahrplan für die Realisierung des Vorhabens. Zunächst gilt es, die Ausschreibung vorzubereiten. Über die Vergabe der Gewerke wird voraussichtlich im August entschieden. „Mit etwas Glück können die Arbeiten dann noch in diesem Jahr abgeschlossen werden“, so Koop. Die Einweihung soll jedoch in alle Ruhe für das Frühjahr 2017 vorbereitet werden.

Die Gedenkstätte besteht zum einen aus einer Art Baracke, die an die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter erinnern soll. In der Baracke sollen die Informationstafeln aufgestellt werden, die zurzeit von einem Arbeitskreis um Hans-Jürgen Sonnenberg erarbeitet werden. Sonnenberg war es vor einigen Jahren gelungen, die Namen der 746 Menschen ausfindig zu machen, die von den Nationalsozialisten im Verlauf des Zweiten Weltkriegs am Ortsrand von Heemsen in Massengräbern verscharrt wurden.

Weitere Bestandteile der Gedenkstätte sind die Tontafeln mit den Namen der Verstorbenen. Die ersten wurden im Rahmen eines internationalen Workcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge erstellt, den allergrößten Teil steuern allerdings die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Heemsen bei. Außerdem sollen Stelen aufgestellt und weitere Birken gepflanzt werden. In Russland fühlt man sich diesem Baum in besonderer Weise verbunden. Erneuert werden soll der Jägerzaun, der den „Russenfriedhof“ bisher umgibt. An seiner Stelle soll ein Staketenzaun errichtet werden. Und last but not least sollen auch die Schilder, die auf die Gedenkstätte hinweisen, ausgetauscht werden.

Die Öffentlichkeit auf diesen unrühmlichen Teil der Heemser Geschichte hinzuweisen, war ohnehin eines der Kriterien, die zur Bewilligung der Fördergelder geführt haben. „Genauso wichtig ist aber auch, die Geschichte für die Menschen vor Ort erlebbar zu machen“, so Fietze Koop.

Wie mehrfach berichtet, befand sich von 1941 bis 1945 an der Bundesstraße 209 zwischen Rohrsen und Heemsen (heute Bereich Tannenweg und Fliederweg) ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Das Lager bestand aus 26 Holzbaracken und war für 500 Menschen ausgelegt. In dem Lager wurden fast ausschließlich Kriegsgefangene eingeliefert, die wegen Unterernährung und Krankheit ausgesondert und als Todkranke ins „Sterbelager Heemsen“ gebracht wurden. Die meisten Lagerinsassen gingen qualvoll an Unterernährung und fehlender ärztlicher Versorgung zu Grunde.

Nach Fertigstellung der Gedenkstätte gelangt der Besucher durch die Baracke auf das Gräberfeld, für dessen Pflege der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Jahr für Jahr 5 000 Euro an die Samtgemeinde zahlt.

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Erstellt:
14. Mai 2016, 21:00 Uhr
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