Internet-Handel

E-Commerce: Chancen nach Corona

Das Online-Business nahm durch die weltweite Corona-Pandemie enorm an Fahrt auf. Während vor den Lockdowns 53 Prozent aller Menschen Amazon, Zalando und Otto im Internet nutzten, stieg der Anteil während der Pandemie auf 60 Prozent. Diese Zahlen stammen von der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) und beziehen sich auf insgesamt 66 Länder. Der Anteil des E-Commerce-Handels in den westlichen Industrieländern lag bereits vor der Ausbreitung des Corona-Virus über 50 Prozent, stieg aber im Anschluss ebenfalls an.

E-Commerce: Chancen nach Corona

Der Internethandel ist nicht nur den Marktriesen vorbehalten. Auch kleine Geschäfte erzielen Umsatzzuwachs durch einen eigenen Online-Shop. Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com

Die Branchen warteten gespannt auf den Moment, wenn die Seuche im Griff ist und das normale Leben wieder anläuft. Mittlerweile sind die Maßnahmen zur Bekämpfung der weltweiten Pandemie seit Monaten auf ein Minimum zurückgefahren. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der E-Commerce-Branche. Sind die Umsätze zurückgegangen oder weiterhin auf Rekordniveau?

Nach der Pandemie international weiterer Umsatzzuwachs

Den bisher absoluten Rekord verbuchte der Online-Handel im Mai 2021. Damals lagen die E-Commerce-Umsätze über mobile Endgeräte 18 Prozent über dem Jahresschnitt. Im Vergleich zum Vorjahresrekordmonat Mai nahmen die Umsätze sogar um 112 Prozent zu.

Der Online-Riese Shopify geht davon aus, dass der weltweite E-Commerce-Handel bis Ende dieses Jahres einen Umsatz von 5,42 Billionen US-Dollar erwirtschaften wird. In 2021 waren es lediglich 4,9 Billionen. Die meisten Käufe werden dabei über mobile Endgeräte getätigt.

Auch dem deutschen Online-Handel kam die Corona-Krise zugute. Im Jahr 2021 steigerte sich der Umsatz im B-2-C-Bereich um 19 Prozent auf knapp 87 Milliarden Euro. Die Branchen, die am meisten von E-Commerce profitieren, sind Bekleidung, Elektronik und Telekommunikation. Aber auch Bücher, Fotokalender und Lebensmittel werden mittlerweile immer häufiger im Internet geordert. Der deutsche Marktführer im Internethandel ist Amazon. International führt Alibaba den E-Commerce-Bereich an.

Deutscher Online-Handel mit Umsatzeinbruch

Das Statistische Bundesamt vergleicht die deutschen Umsätze im Online-Handel. Dabei musste ein Minus von 15,1 Prozent im Juni 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet werden. Einen derart großen Umsatzrückgang innerhalb eines Jahres wurde zuletzt im Jahr 1994 verzeichnet.

Martin Groß-Albenhausen, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des E-Commerce-Brancenverbandes, äußerte sich zu dem schwächelnden Markt. Er sieht den Umsatzrückgang im Online-Handel als Zeichen, dass die Branche mittlerweile ein bedeutender Teil der Gesamtwirtschaft geworden ist. Denn durch die aufkeimende Inflation und die hohen Energiekosten leidet die ganze Wirtschaft des Landes. E-Commerce stellt dabei keine Ausnahme mehr dar. Denn der Einkauf im Internet ist für viele Menschen völlig normal geworden und nicht mehr nur einer kleinen Zielgruppe vorbehalten. Wenn sich ein großer Teil der Bevölkerung mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert sieht, wirkt sich die Situation natürlich auf alle Branchen aus. Deshalb wundert es nicht, dass sich auch der deutsche E-Commerce-Bereich in einer leichten Talfahrt befindet.

Im zweiten Quartal des Jahres erlitt der Online-Handel einen Umsatzeinbruch von 9,6 Prozent im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Chance für kleine und große Unternehmen

Der Internethandel ist nicht nur den Marktriesen vorbehalten. Auch kleine Geschäfte erzielen Umsatzzuwachs durch einen eigenen Online-Shop. Menschen, die nach zusätzlichen Einnahmequellen suchen, finden dadurch eine lukrative Option.

Denn mittlerweile ist es nicht nur technisch versierten Menschen oder Personen mit hohem Eigen- oder Fremdkapital vorbehalten, in den Internethandel einzusteigen. Plattformen wie Etsy und Spreadshirt erlauben Neulingen den Start.

Sie offerieren die Möglichkeit, einen eigenen Online-Shop auf der jeweiligen Plattform zu betreiben. Die Software ist so gestaltet, dass das eigene Internetgeschäft mit wenigen Handgriffen und oftmals selbsterklärend erstellt werden kann. Bilder und Beschreibungen der Produkte werden hochgeladen und zum Verkauf angeboten. Durch den geringen Aufwand besteht kaum ein Risiko.

Die Top 3 Etsy-Shops in Deutschland sind wunderwunsch, kidsmood und Vambio. Wunderwunsch und Kidsmood stammen aus der Kategorie Home & Living und erreichen aktuell 7.670 beziehungsweise 4.537 monatliche Verkäufe. Vambio wird der Branche Paper & Party Supplies zugeordnet. Dort werden monatlich 4.094 Verkäufe verzeichnet.

Wenn der Einstieg über eine E-Commerce-Plattform gelingt und Umsätze erzielt werden, dann vertreiben viele Anbieter ihre Waren später auch über eigene Webseiten oder Apps. Dadurch sind intensivere Kundenbindungsmaßnahmen möglich.

Kundenbindung als wichtige Maßnahme

Die Zahl der Online-Shops wächst stetig. In der Vergangenheit wurde mehr Aufwand betrieben, neue Kunden anzulocken, als vorhandene Käufer zu halten. Dieses Verhalten verändert sich allerdings zwischenzeitlich. Denn Untersuchungen zeigten, dass Bestandskunden viel bereitwilliger Geld in einem bekannten E-Commerce-Handel auszugeben als Neukunden. Der Unterschied beträgt stattliche 33 bis 70 Prozent. Das erklärt auch, warum mit Altkunden im Schnitt zwei Drittel des Umsatzes erzielt wird, während sie nur ein Drittel der Käufer ausmachen.

Eine Schwierigkeit der Kundenbindung im Online-Handel ist, dass der persönliche Bezug zwischen Käufer und Verkäufer fehlt. Dieser kann aber beispielsweise durch exklusive Kundenclubs, personalisierte E-Mails, Rabatte für Bestandskunden, Premium-Service und feste Ansprechpartner erzielt werden.

Grundsätzlich ist für alle Käufer im Online-Handel wichtig, dass das Kauferlebnis angenehm und unkompliziert ist. Sind die eigenen Daten bei einem Online-Shop bereits hinterlegt, fällt es wesentlich leichter, dort wieder zu bestellen, als bei der Konkurrenz erneut Adresse, Rechnungsangaben und Zahlungsdaten einzutragen. Dadurch haben Online-Shop-Betreiber, bei denen der Kunde schon zuvor bestellt hat, einen entscheidenden Vorteil. Das gilt insbesondere dann, wenn der Käufer ein Kundenkonto angelegt hat und darin seine Angaben gespeichert sind. Oftmals werden in diesem Zusammenhang Anreize angeboten, die ein eigenes Kundenkonto attraktiv machen.

E-Commerce in Krisenzeiten

Die Prognosen von IfW und IWH deuten darauf hin, dass sich die deutsche Wirtschaft auch in 2023 in einer Rezession befinden wird. Umso wichtiger ist es, bereits jetzt alle möglichen und notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, damit das eigene Unternehmen die Talfahrt unbeschadet oder nur mit leichten Schrammen übersteht.

Wer bisher noch kein Angebot im Internet bereithält, sollte diesen Vertriebsweg als eine Option ausforschen. Bei bestehenden Online-Shops ist es wichtig, die aktuellen Kunden so eng an sich zu binden wie möglich. Menschen konsumieren auch in der Krise. Die Frage ist nur, was, wie viel und wo sie kaufen. Güter des täglichen Bedarfs werden permanent nachgefragt, bei Luxusartikeln wird sich die Zielgruppe vermutlich verringern. Aber in diesem Segment wird es ebenfalls immer Abnehmer geben. Wer sein Unternehmen jetzt klug und durchdacht aufstellt, der wird auch die nächste Krise überwinden können.