„Elektrisch“ unterwegs ist Bernhard Degener erst seit Ende vergangenen Jahres. Ein ausgewiesener Kenner der Materie ist er trotzdem.  Hagebölling

„Elektrisch“ unterwegs ist Bernhard Degener erst seit Ende vergangenen Jahres. Ein ausgewiesener Kenner der Materie ist er trotzdem. Hagebölling

Nienburg 07.07.2019 Von Edda Hagebölling

Ein E-Auto, das sich selbst auflädt

E-Mobilität im Landkreis Nienburg / Heute: Der Solar- und Umwelttechniker Bernhard Degener

„Elektrisch“ unterwegs ist Bernhard Degener erst seit Ende vergangenen Jahres. Ein ausgewiesener Kenner der Materie ist er trotzdem.

Der Elektrotechniker gehört zu den Mitbegründern des Wohngebietes „Sonnengarten“, ist einer der 130 Gesellschafter der Betreibergesellschaft „Windenergie Nienburg“, hat bereits vor fast 20 Jahren seine Firma für Solar- und Umwelttechnik gegründet und ist überzeugt, dass die Stromtrasse „Südlink“ gar nicht nötig wäre, wenn das bestehende Netz besser ausgenutzt würde. Für Ulrike Gieger-Graßl, Mitarbeiterin der Klimaschutzagentur Mittelweser, allemal Grund genug, den Nienburger für die Serie „Elektromobilität im Landkreis Nienburg“ vorzuschlagen.

Bernhard Degener erlebt gerade ein Déjà-vu. „Als die Solartechnik aufkam, wurden etliche Versuche unternommen, diese alternative Möglichkeit der Stromgewinnung in Miskredit zu bringen. Das gleiche geschieht gerade mit der E-Mobilität“, so der Elektrotechniker. „Von den Lithium-Batterien in den Handys spricht kein Mensch, über die Gewinnung von seltenen Erden für die Batterien in den Elektroautos wird sich jedoch aufgeregt“, führt Degener vor Augen.

Und gibt zu bedenken: „Auf meinen Ioniq habe ich eine Batteriegarantie von 200 000 Kilometern, bei einem Tesla geht man von einer Leistung von 700 000 Kilometern aus. Natürlich sehen wir die Umweltauswirkungen beim Lithiumabbau in den Anden auch kritisch, wenn aber ein Lobbyist und selbsternannter Wissenschaftler wie Herr Sinn einen Tesla-Akku nach 150 000 Kilometern als erledigt deklariert, hat das mit seriöser Studie nichts zu tun.“

Als ein Beispiel, wie ein Elektroauto auch aussehen kann, führt Bernhard Degener das Start-Up-Unternehmen Sono Motors aus München ins Feld. Getrieben von der Unzufriedenheit mit den etablierten Automobilunternehmen, hat Sono Motors eine Fertigungslinie des schwedischen Fahrzeugherstellers Saab angemietet, um den Sion bauen zu lassen.

Der Sion verfügt unter anderem über eine Solarzelle in der Karosserie, über die sich das Auto auch während der Fahrt auflädt, über einen Innenraumfilter aus Moos und über eine bidirektional arbeitende Batterie. Diese Batterie könne also Strom aufnehmen, ihn aber auch abgeben. Die Idee dahinter: Die Batterie lädt sich tagsüber über die Solarzelle auf und gibt den Strom abends beispielsweise an das Wohnhaus weiter. Ein Wohnhaus, das im Idealfall über einen Gebäudespeicher verfügt.

Äußerst bedenklich findet der Solar- und Umwelttechniker, dass 2020 die ersten EEG-Vergütungen auslaufen sollen. Strom aus Windkraft- oder Solaranlagen, der in das Netz eingespeist wird, bringt dann statt 9,1 nur noch 2,5 Cent. In seinen Augen ein völlig falsches Signal.

Nachvollziehen kann er ebenfalls nicht, dass Windkraft- oder Solaranlagen einfach abgeschaltet werden dürfen. Degener geht davon aus, dass die Netzbetreiber acht Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen auf diesem Wege einfach „wegregeln“. Strom, der als Alternative zum Kohlestrom gut geeignet wäre.

Die Bewohner des „Sonnengartens“ beziehen ihre Energie aus zwei Blockheizkraftwerken, einem Holzvergaserkessel und thermischen Kollektoren.

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Erstellt:
7. Juli 2019, 08:21 Uhr
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