Tierheimbewohner „Sirius“. Fundtiere dürfen auf keinen Fall behalten werden, betont das Tierheim Schessinghausen. Tierheim Schessinghausen

Tierheimbewohner „Sirius“. Fundtiere dürfen auf keinen Fall behalten werden, betont das Tierheim Schessinghausen. Tierheim Schessinghausen

Landkreis 21.02.2017 Von Die Harke

Ein Fundtier darf man nicht einfach so behalten

Das Tierheim Schessinghausen informiert, was zu tun ist, wenn man ein Tier findet

Wann ist ein Fundtier ein Fundtier? Wohin bringe ich es, und was passiert dann mit ihm? Wer ist für die Kosten eines Fundtieres zuständig? Und was ist eigentlich der Unterschied zu einem herrenlosen Tier? „Diese und viele weitere Fragen erreichen uns immer wieder“, betont das Tierheim Schessinghausen in einer Pressemitteilung. „Ein Fundtier ist ein Tier, welches seinem Halter entlaufen oder auch entflogen ist, bei dem aber anzunehmen ist, dass der Eigentümer es wieder abholen wird“, klärt das Tierheim auf.

Der Eigentümer habe hierfür nach gesetzlichen Regelungen sechs Monate nach dem Einreichen der Fundtieranzeige Zeit. So lange bleibt das Tier zur Pflege im Tierheim. Wichtig: „Ein Fundtier muss umgehend der zuständigen Stelle gemeldet werden – dem Tierheim, Ordnungsamt oder der Polizei. Es darf keinesfalls einfach einbehalten werden.

Ein verletztes Tier muss umgehend tierärztlich versorgt werden.“ Zunächst werde der gesundheitliche Zustand des Tieres von einem Tierarzt überprüft. „Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nichts über das Tier, und es ist möglich, dass es bereits tagelang umhergeirrt ist und sich dabei verletzt hat. Dies können leichte Verletzungen wie Schnittwunden sein, aber auch schwerwiegende Verletzungen. Nicht selten läuft so ein verängstigtes Tier vor ein Fahrzeug und erleidet dabei schreckliche Verletzungen.“

Auch müsse das Tier auf Krankheiten untersucht werden, um eine Ansteckung der anderen Tiere zu vermeiden. „Diese Untersuchungskosten trägt das Tierheim selbst. Wenn der gesundheitliche Zustand des Tieres soweit stabil ist, kann das Fundtier im Tierheim untergebracht werden, bis es wieder von seinem Eigentümer abgeholt wird. Die Mitarbeiter des Tierheims sind in solchen Fällen bestrebt, das Tier schnellstmöglich in seine gewohnte Umgebung zurückzubringen.“

Aus diesem Grund würden sie alles daransetzen, den Besitzer des entlaufenen Tieres zu finden. Dieses geschehe beispielsweise über eine Anzeige im Internet. Im Idealfall sei das Tier gechippt und registriert. Dann könne der Besitzer schnell festgestellt und benachrichtigt werden. „Leider ist dies nicht immer der Fall, und so kann es schon mal vorkommen, dass ein Tier eine Weile im Tierheim verbringt, bis der Besitzer ausfindig gemacht werden kann.“

Für die Kosten eines Fundtieres sei die jeweilige Gemeinde zuständig, in der das Tier gefunden wurde. „Tatsache ist, dass Fundtiere nach dem Gesetz auch wie Fundsachen gelten. Außerdem sind Tiere, die auf der Straße umherirren oder sogar die Bevölkerung gefährden (zum Beispiel Hunde), eine Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Die Gemeinden verpflichten sich, dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nicht vorkommt.“

Das Tierheim Schessinhausen arbeitet mit der Samtgemeinde Mittelweser und der Stadt Rehburg-Loccum zusammen und darf auch ausschließlich aus diesen Gebieten Fundtiere aufnehmen, heißt es in der Pressemitteilung.

Herrenlose Tiere sind keine Fundtiere

Ein herrenloses Tier ist ein Tier ohne Eigentümer bzw. Besitzer, also alle anderen freilebenden Tiere. Sofern sich niemand um sie kümmert, bleiben sie sich selbst überlassen. Dazu gehören auch ausgesetzte und zurückgelassene Tiere.

Da herrenlose Tiere keine Fundtiere seien, bestehe seitens der Behörde keine gesetzliche Verpflichtung der Unterbringung und Kostenübernahme. Dieses widerspreche aber dem im Artikel 20 a des Grundgesetzes geregeltem Staatsziel zum Schutz der Tiere, so das Tierheim.

„Vor allem bei ausgesetzten oder zurückgelassenen Tieren ist die Definition sehr schwierig, denn laut Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes ist es verboten, ein in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halterpflichten zu entziehen.“ Somit gilt in diesen Fällen, dass es sich nicht um herrenlose, sondern Fundtiere handelt und dann ist die Gemeinde wieder in der tierschutzrechtlichen Fürsorgepflicht.“

Tierheim Nienburg-Schessinghausen, Schessinghäuser Straße 121, Nienburg, Telefon (05027) 724. Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags, freitags und sonntags 14 bis 16 Uhr. E-Mail: leitung@tierschutz-nienburg.de.

Informationen gibt es unter www.tierschutz-nienburg.de.

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Erstellt:
21. Februar 2017, 21:00 Uhr
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