Philipp Keßler DH

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Landkreis 18.11.2018 Von Philipp Keßler

Ein Jahrhundert, wenig Fortschritt

Guten Tag

Der gestrige Sonntag begann vielerorts mit einem Moment des Innehaltens. Zwei Wochen vor dem ersten Advent, am Volkstrauertag, gedenkt die Welt der Kriegstoten und der Opfer von Gewaltherrschaften. Besonders das Ende des ersten Weltkriegs steht in diesen Tagen im Fokus, denn das ist nun genau 100 Jahre her. Fast 9,6 Millionen Menschen starben in den vier Kriegsjahren, und doch hatten die Menschen nur wenig gelernt – nur 21 Jahre später ertönten wieder die Waffen. Ich bleibe bei meiner heutigen Geschichtsexkursion, denn: ein ebenso einschlägiges Ereignis feiert aktuell rundes Jubiläum. Das Frauenwahlrecht! Am 19. Januar 1919 durften Frauen das erste Mal wählend gehen – oder gewählt werden. Führt man sich weitere geschichtliche Aspekte vor Augen, war diese Neuerung vor fast einem Jahrhundert lediglich ein kleiner Stein, der ins Rollen gebracht wurde.

Erst 1949 wurde im Grundgesetz verankert, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind und erst seit 1997 ist die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Dennoch war die Wahlbeteiligung im Januar 1919 erfreulich hoch: 82 Prozent der Frauen in Deutschland nahmen ihr Recht wahr, 37 Frauen zogen ins Parlament ein und bildete damit einen Anteil von stolzen neun Prozent. Aktuell liegt der Anteil der Frauen im Bundestag bei rund 31 Prozent – da ist noch deutlich Luft nach oben.

Unsere Bundesregierung steht damit aber nicht alleine als schwarzer Peter in der Ecke, sondern sinnbildlich für unsere Gesellschaft. Studien fanden heraus, dass in kaum einem politischen Gremium die Frauen-Quote über 30 Prozent liegt. In fast 70 Prozent der börsennotierten deutschen Unternehmen sitzt keine Frau im Vorstand.

„Die Macht der Monokultur“ heißt der Bericht, in dem das Ergebnis für die schwedisch-deutsche Allbright-Stiftung veröffentlicht wurde. Dabei wird schnell klar: Der Titel der Studie mag zwar reißerisch klingen, wie aber die Zahlen zeigen, ist er nicht weit von der Realität entfernt. Denn von 697 Vorstandsmitgliedern, die es zum Stichtag 1. September in Deutschland gab, waren lediglich 56 Frauen. 110 Unternehmen hatten überhaupt keine Frau im Vorstand und 15 obendrein noch nicht einmal weibliche Vertreter im Aufsichtsrat.

Auch in den Sportvereinen in unserem Landkreis werden die Stühle bei Vorstandssitzungen meist von Männern besetzt. Dabei liegt hier eine große Chance: Immer weniger Menschen lassen sich für das Ehrenamt begeistern. Wie wäre es also mit mehr Ehrenamtlerinnen?

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Erstellt:
18. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

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