Weiselkäfig, Holz und Rinde, beschnitzt, datiert 1854, monogrammiert W.S., aus der Gegend um Rohrsen. Museum Nienburg

Weiselkäfig, Holz und Rinde, beschnitzt, datiert 1854, monogrammiert W.S., aus der Gegend um Rohrsen. Museum Nienburg

Nienburg 09.05.2019 Von Die Harke, Von Sabine Lüers-Grulke

Ein Käfig für die Bienenkönigin

Ungewöhnliches Objekt des Monats im Museum

Das Objekt des Monats im Museum Nienburg ist ein sogenannter Weiselkäfig: ein Käfig für eine Bienenkönigin. Er wurde benötigt für die Heideimkerei, eine besondere Art der Bienenhaltung, die Imker in der Lüneburger Heide seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert intensiv betrieben.

Es handelt sich um eine Wander-Schwarmimkerei, bei der die Imker nur eine kleine Zahl von Bienenvölkern überwintern lassen. Im Frühjahr vermehren sie die Völkerzahl durch Bienenschwärme um das Vielfache, wobei mehreren hundert Völker früher nicht ungewöhnlich waren. Genügend Raum zur Aufstellung boten die damals weit verbreiteten Bienenzäune. Als Bienenwohnung wurde ein aus Stroh geflochtener Korb eingesetzt, der Lüneburger Stülper. Die Bienenkönigin, auch „Weisel“ genannt, ist das Zentrum des Bienenvolkes. Ihre Anwesenheit gewährleistet den Arbeitsantrieb, durch das Legen der zahlreichen Eier jedoch auch die Leistung des Volkes.

Der Garant für den Erfolg ist eine junge, fruchtbare Bienenkönigin. Wenn die Bienenkönigin in irgendeiner Weise ungeeignet ist, muss diese ersetzt werden. Das Zusetzen einer neuen Königin zu einem Bienenvolk, das Einweiseln, ist immer ein kritischer Moment, und der Imker muss besonders achtsam vorgehen. Zum Schutz der neuen Königin setzt er sie für wenige Tage in einem Weiselkäfig in den Bienenstock.

Durch den indirekten Kontakt der Königin mit dem weisellosen Volk können sich beide langsam aneinander gewöhnen, und es kommt nicht zu einem Abstechen der jungen Königin. Dazu wurde ein Holzrundstab ausgehöhlt, in vier Teile aufgespalten und die Teile mit Kerben versehen, die später die Fenster ergeben. Der Stab wurde wieder zusammengesetzt und mit Draht festgezurrt. Eine Seite erhielt dann einen Stopfen zum Zugeben der Königin. Dieser Weiselkäfig wurde mit der Königin darin einfach innen in die Seite des Stroh-Stülpers gesteckt.

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Erstellt:
9. Mai 2019, 14:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 53sec

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