Stadt- und Kreisarchivarin Patricia Berger präsentiert das restaurierte Urfehdebuch. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Nienburg

Stadt- und Kreisarchivarin Patricia Berger präsentiert das restaurierte Urfehdebuch. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Nienburg

Nienburg 01.03.2021 Von Die Harke

Ein Nienburger Buchschatz

Das Urfehdebuch aus dem 17. Jahrhundert ist in Pergament gebunden und restauriert

Im Stadt- und Kreisarchiv Nienburg befindet sich ein besonderer Buchschatz, der jetzt restauriert werden musste. Es handelt sich um ein in Pergament gebundenes „Urphed-Buch“. Bindung und Verformung des Buchblockrückens wurden gerichtet und die abgerissenen Verschlussbänder aus Leder erneuert. „So bleibt das Buch auch zukünftigen Generationen erhalten“, sagt Stadt- und Kreisarchivarin Patricia Berger.

„Urfehde schwören“, wer kennt diesen Begriff aus dem Mittelalter nicht? „Urphede“ aus dem Mittelhochdeutschen meint herausgehen (= ur) aus der Fehde. Straftäter mussten nach Verbüßung ihrer Strafe schwören, sich nicht an den Verantwortlichen für die Bestrafung zu rächen. Dieser Eidschwur wurde auf Urkunden oder in Urfehdebüchern dokumentiert.

Die Einträge in diesem Buch beginnen im Jahr 1619 und enden 1753. Dabei folgen sie einem ähnlichen Muster: Der aus dem Gefängnis entlassene Delinquent anerkannte die Strafwürdigkeit seines Vergehens oder Verbrechens. Der Wortlaut des Schwures soll anhand eines konkreten Beispiels veranschaulicht werden:

„Ich Conrad Wachthausen gelobe und schwöre einen Eyd zu Gott und auf sein heiliges Wort, daß ich wegen meiner allhir zu Rathhause außgestanden Gefängniß-Strafe mich weder an jemand, wer der auch seyn möchte noch an dem Sergeant Ecker und dessen Ehefrau und Kinder so wenig mit worden, als mit wercken mich rächen sondern gegen selbige soviel an mir ist mich friedsam bezeigen wolle: So wahr mir Gott helfe und sein heiliges wort uhrkundlich meines eigenhändig unterschrift.“

Auch die Unterschriften sind äußerst interessant, sagt die Archivarin, denn nicht alle Menschen in jener Zeit waren des Lesens und Schreibens kundig. So finden sich neben flüssiger Federführung unbeholfene, manchmal kindliche anmutende Unterschriften, aber auch Symbole anstelle von Buchstaben oder die berühmten „drei Kreuze“. Die Unterschriftsfähigkeit der Menschen kann ein Indikator dafür sein, dass sie Texte lesen und verstehen können oder eben nicht.

„Der Pergamentband ist ein Unikat und besitzt einen hohen Quellenwert für die Nienburger Stadtgeschichte des 17. Jahrhunderts“, erläutert Archivarin Patricia Berger. „Er spiegelt das damals geltende Straf- und Prozesswesen wider.“ Sobald der Lesesaal des Archivs wieder öffnet, steht das „Urphed-Buch“ Interessierten zur Einsicht bereit.

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Erstellt:
1. März 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 03sec

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