Es war ein gutes Jahr für Störche – wie hier in Haßbergen. Hackbarth

Es war ein gutes Jahr für Störche – wie hier in Haßbergen. Hackbarth

Landkreis 31.08.2019 Von Nikias Schmidetzki

Ein Rekordjahr für die Störche

Schon mehr als 110 Jungstörche gegenüber 83 im vergangenen Jahr

Dürre macht nicht nur der Pflanzenwelt zu schaffen, auch Tiere müssen sich umstellen. „Erstmals seit vielen Jahren waren alle Störche nach der Brutsaison 2018 abgezogen. Grund dafür war einmal mehr die Trockenheit“, erklärt Storchen-Experte Dr. Reinhard Löhmer für den Landkreis Nienburg. Er zieht für dieses Jahr jedoch ein gutes Fazit: Die Zahl der Brutpaare habe sich im Vergleich zum Vorjahr erhöht – um mehr als 20 Prozent. Im Landkreis Nienburg hat sich die Anzahl aller Brutpaare, mit und ohne Jungtiere, auf nunmehr 54 erhöht. Das sind elf mehr als 2018. Nur neun Paare sind zum gegenwärtigen Stand ohne Junge geblieben. „Auffällig sind in diesem Jahr die vielen Neugründungen im Landkreis“, führt Löhmer aus. Sie verteilen sich auf acht neue Neststandorte in Eystrup am Sportplatz, Liebenau, Nienburg-Schäferhof, Rehburg, Sonnenborstel, Müsleringen, Raddestorf-Glissen und Huddestorf.

Zuvor waren 2018 erstmals seit vielen Jahren alle Störche nach der Brutsaison abgezogen. Löhmer: „Nachdem die Heuschrecken jahreszeitlich nicht mehr zur Verfügung standen, hätten die Regenwürmer als Hauptnahrung dienen müssen. Diese waren aber nicht an der Oberfläche verfügbar, sondern in tieferen Bodenschichten. Aus Nahrungsmangel wurde der Raum verlassen. Die ehemaligen Überwinterer kamen dann aber mit den ‚Westziehern‘ schon ab Anfang Februar zu ihren Nestern zurück. Viele Frühankömmlinge haben schon in der letzten Märzdekade komplette Gelege gehabt und mit der Brut begonnen.

Der Anteil der „Ostzieher“, der den Winter in der Sahelzone im Raum Tschad und Süd-Sudan verbracht hatte, kam ab dem 20. März zurück. „Auffällig war dann, dass es in diesem Frühjahr wieder einmal eine größere Anzahl Ostzieher gegeben hat, die erst Ende April/Anfang Mai angekommen sind. Sie waren bis Südafrika gezogen und kamen wegen der größeren Entfernung entsprechend später zurück“, berichtet Löhmer. „Fast alle Vorjahresnester waren zu diesem Zeitpunkt bereits besetzt. Die Neuankömmlinge mussten um Nester kämpfen. Das wird ein Grund dafür sein, warum es in neun Nestern keine Jungen gibt.“

Entsprechend früh schlüpfte auch der Nachwuchs. Einige Storcheneltern hatten schon in der letzten April-Dekade Junge. Diese Tiere sind jetzt fast flügge. Die weitaus größere Gruppe der Jungen, die im Juni aus Anfang Mai gelegten Eiern geschlüpft waren, sind gerade in diesen Tagen erstmalig ausgeflogen.

„Das Wetter war zwar im Mai teilweise kalt und windig. Das hatte aber nur begrenzte Auswirkungen, weil es keine Dauernässe gegeben hat. Kälte und Nässe sind bei Jungstörchen die häufigste Todesursache im Nest“, erklärt Löhmer. „Durch die Trockenheit während der Jungaufzucht stand der Regenwurm weniger zur Verfügung. Dafür gab und gibt es aber die Feldmaus in großer Anzahl. Mäusejahre sorgen bei den Störchen bekanntermaßen für einen guten Bruterfolg.“

Vorläufig sind im Landkreis Nienburg 114 Jungstörche gezählt worden. 2018 waren es 83. „Noch ist die Zahl nicht endgültig, weil die Jungen so unterschiedlich entwickelt sind und es noch Verluste geben kann“, erklärt Löhmer. Dennoch sei zu erkennen, dass 2019 ein äußerst erfolgreicher Jahrgang mit einer in historischer Zeit nie da gewesenen Reproduktionsrate werde.

Die Ursachen für diesen Erfolg, der für viele Nachbarkreise ebenfalls gelte, seien nicht endgültig geklärt. Doch einen Ansatz hat der Experte: „Durch die Überwinterung im spanischen Raum sind für die Westzieher die Zugwege wesentlich kürzer geworden. Dadurch hat sich die Zahl der Todesopfer verringert, und mehr westziehende Störche kommen zurück.“

Auffällig sei weiterhin, dass immer mehr jüngere, zweijährige Störche schon zur Brut schritten. Das habe die Anzahl der Brutvögel erhöht. „Schließlich ist auffällig, dass die ganz jungen Jahrgänge, die früher im afrikanischen mediterranen Raum verblieben sind und damals frühestens im Juni/Juli in Mitteleuropa einmal auftauchten, jetzt schon mit den älteren Brutstörchen ins Geburtsgebiet ziehen.

Sie halten sich während der Brutzeit in Trupps bei uns auf, sind bei Aktivitäten der Landwirte sofort in größerer Anzahl zu sehen, stören mitunter die Brutpaare oder versuchen sich auch schon einmal als ‚Verlobungspaare‘ mit Nestbau und Paarungsverhalten aber ohne Gelege“, erklärt Löhmer.

Die Zahlen der Störche im Landkreis.

Die Zahlen der Störche im Landkreis.

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Erstellt:
31. August 2019, 19:52 Uhr
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