Den von den Corona-Maßnahmen betroffenen und eingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern will die neu gegründete Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) Gehör verschaffen. Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com

Den von den Corona-Maßnahmen betroffenen und eingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern will die neu gegründete Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) Gehör verschaffen. Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com

Loccum 23.07.2020 Von Die Harke

Ein Sprachrohr für Betroffene

Auch Dr. Stephan Schaede Mitglied im neu gegründete Ethikrat

Den von den Corona-Maßnahmen betroffenen und eingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern will die neu gegründete Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) Gehör verschaffen.

Das elfköpfige Gremium wird vertreten durch Ärztekammer-Präsidentin Dr. med. Martina Wenker, den Direktor der Evangelischen Akademie Loccum, Dr. theol. Stephan Schaede, und Professor Dr. theol. Jürgen Manemann, Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover.

Die erste akute Phase der Covid-19-Pandemie scheint hierzulande überstanden. Aber ihr Effekt auf das gesellschaftliche Zusammenleben ist – auch im Hinblick auf eine zweite Welle – nicht abzusehen.

Um Menschen, die von den Pandemie-Maßnahmen besonders betroffen sind, ein Sprachrohr zu verleihen, haben Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, und die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. med. Thela Wernstedt gemeinsam mit Landesbischof Ralf Meister und dem Osnabrücker Bischof Dr. theol. Franz-Josef Bode die Initiative Niedersächsischer Ethikrat (INE) ins Leben gerufen.

Dem elfköpfigen Gremium gehören neben Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mit ausgewiesener ethischer Expertise Repräsentanten der kirchlichen Wohlfahrtsverbände an.

„Schon jetzt haben Kinder und Jugendliche, die weder Schulen noch Kindergärten besuchen durften, schwierigere Startbedingungen“, kündigt Wenker das erste INE-Papier zur Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen an und prophezeit, dass diese Generation an der Last und den Folgen der Pandemie wohl noch Jahrzehnte leiden werde.

Deshalb sei es das Ziel der Initiative Niedersächsischer Ethikrat, den gesellschaftlichen Blick zu schärfen, damit im Falle künftig abermals notwendiger Schutzmaßnahmen differenzierter agiert werden kann. „Eine Pandemie ist keine Massenkarambolage“, betont Wernstedt, „man kann sich darauf vorbereiten“.

Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen, gehört zu den Kernforderungen der Ethikrat-Initiative. „Wenn eine zweite Welle kommt, müssen wir verhindern, dass erneut per Verordnung über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird“, fordert Dr. Stephan Schaede, Direktor der Akademie Loccum.

Auf die soziale Dimension der Corona-Pandemie macht zudem Professor Dr. theol. Jürgen Manemann, Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover, aufmerksam: „Wir müssen einen Blick für die verschiedenen Verwundbarkeiten entwickeln“, so Manemann.

Um aber zu verhindern, dass nur Experten reden, sollen ab September die Betroffenen selbst in öffentlichen Anhörungen zu Wort kommen. Denn es gilt, die Lebens-, Entwicklungs- und Bildungschancen von jungen Menschen deutlich zu verbessern – so eine der Kernforderungen des INE-Papiers.

„Mit diesem Aufruf wollen wir für eine breitere, alle zivilgesellschaftlichen wie politischen Ebenen unseres Bundeslandes einbeziehende öffentliche Debatte werben. Bislang ungehörte Stimmen müssen mehr als bisher die Chance erhalten und gezielt ermutigt werden, sich einzubringen. Nur wenn wir jetzt die Zeit nutzen und uns alle zusammen den anstehenden Herausforderungen im Bewusstsein einer gemeinsam zu tragenden Verantwortung stellen, kann Exklusion langfristig verhindert und soziale Ungleichheit verringert werden. Die Initiative Niedersächsischer Ethikrat will dazu einen Beitrag leisten“, heißt es zu dem Papier.

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Erstellt:
23. Juli 2020, 19:10 Uhr
Lesedauer:
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