Da das Fahrzeug für mehr als sechs Personen zugelassen ist, kann es nicht für den kostenlosen Fahrdienst zum Impfzentrum genutzt werden. Foto: St. Bernward

Da das Fahrzeug für mehr als sechs Personen zugelassen ist, kann es nicht für den kostenlosen Fahrdienst zum Impfzentrum genutzt werden. Foto: St. Bernward

Nienburg 05.03.2021 Von Holger Lachnit

Ein Stück aus dem Tollhaus

Lieber Heiliger St. Bürokratius, was hast du dir bloß dabei gedacht? Da möchte die katholische Kirchengemeinde St. Bernward aus Nienburg für ihre älteren Mitglieder einen kostenlosen Fahrdienst zum Drakenburger Impfzentrum organisieren. Und sie hat sogar das ideale Auto dafür. Aber sie darf dieses Auto nicht nutzen, weil es für mehr als sechs Personen zugelassen ist.

Selbstverständlich ist es richtig, dass das niedersächsische Personenbeförderungsgesetz beispielsweise Busunternehmen vor privater Konkurrenz schützt. Und es ist auch grundsätzlich richtig, wenn Behörden dafür sorgen, dass Gesetze auch eingehalten werden.

Aber es ist ein Stück aus dem Tollhaus, wenn in Zeiten einer Pandemie Menschen aus der Haupt-Risikogruppe nicht mit einem großen Fahrzeug unter Einhaltung des Sicherheitsabstands transportiert werden dürfen, aber sehr wohl in einem Kleinwagen, wo die mögliche Ansteckungsgefahr ungleich größer ist.

Nun mag man einwenden, dass das ausschlaggebende Gesetz in einer Zeit gemacht wurde, in der an Covid-19 und dessen Folgen nicht zu denken war. Das ist richtig. Aber es geht ja nicht darum, gleich ein komplettes Gesetz zu ändern. Es geht vielmehr darum, eine Ausnahmegenehmigung zu ermöglichen.

Besondere Situationen erfordern manchmal besondere Lösungen, vor allem flexible Lösungen. Davon ist im konkreten Fall nichts zu merken. Der Amtsschimmel ist so flexibel wie ein bronzenes Reiterstandbild.

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Erstellt:
5. März 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 39sec

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