Würfel aus Knochen, 13.-15. Jahrhundert.  Foto: Museum Nienburg

Würfel aus Knochen, 13.-15. Jahrhundert. Foto: Museum Nienburg

Nienburg 30.08.2020 Von Die Harke

Ein Würfel aus Knochen

Objekt des Monats September im Museum Nienburg

Eigentlich war für den September 2020 eine weitere Grabungskampagne auf der Burg Wölpe geplant, sie muss aber wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Dieser kleine Knochenwürfel stammt von der Burg und eignet sich daher besonders gut als das Objekt des Monats September im Museum Nienburg. Mit einer Kantenlänge von gerade mal 0,8 Zentimetern gehörte er zu einem Set von mehreren Würfeln.

Das Glücksspiel mit Würfeln erfreute sich im Mittelalter enormer Beliebtheit. Glück im Spiel, Pech in der Liebe… So heißt es jedenfalls heute noch in einem bekannten Sprichwort. Und vielleicht ist da auch etwas Wahres dran, denn jemand, der beim Glückspiel Haus und Hof verlor, der war meist die Frau gleich mit los.

Im Gegensatz zum Schach, dem sogenannten Spiel der Könige, das vor allem vom Adel gespielt wurde, war das Würfelspiel eine Freizeitbeschäftigung des Volkes. Die Kirche betrachtete das Treiben mit wachsender Sorge und kritisierte Gesellschaftsspiele generell und das Würfelspiel im Besonderen.

Bei den hohen Einsätzen und aggressiven Reaktionen bei einem verlorenen Spiel, oft in Kombination mit Alkoholkonsum und „Gotteslästerung“, war das Glückspiel der Obrigkeit ein Dorn im Auge. In zeitgenössischen Illustrationen sind Würfelspieler daher häufig im Narrenkostüm und in Gesellschaft des Teufels zu sehen.

Im Jahr 1452 ließ ein Prediger in Erfurt sogar 40.000 Würfel als „sündhaftes Luxuswerk“ verbrennen. Verbote und drakonische Strafen für die Wirte, die das Würfeln in ihren Schenken erlaubten, waren die Folge.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Burg Wölpe ließen sich davon aber offenbar nicht abhalten und spielten weiterhin. Der Würfel wurde in den Schichten im Inneren eines Wohngebäudes auf der Burg gefunden. Er datiert ins Hochmittelalter, in die Zeit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Vielleicht ging er beim Spiel in einem Privatraum verloren oder er gelangte durch Verlagerung von Erde beim Abriss der Gebäude dort hin.

Während der Öffnungszeiten ist der Würfel im Fresenhof zu sehen.

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Erstellt:
30. August 2020, 18:39 Uhr
Lesedauer:
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