Ein Zugführer ist kein Lokführer

Ein Zugführer ist kein Lokführer

Matthias Brosch Die Harke

Der Unfall in Landesbergen am Tag vor Silvester mit einem toten Lkw-Fahrer an einem unbeschrankten Bahnübergang zog überregional Aufmerksamkeit auf sich. Dabei wurde fast überall gleichlautend vom Zugführer berichtet, der schwer verletzt ins Krankenhaus kam. Die Harke erreichten nun Hinweise aus der Leserschaft, dass der Begriff des Zugführers falsch und stattdessen Lokführer richtig wäre. Dieses Thema hat Oliver Dittrich in seinem Internet-Tagebuch „Bahnblogstelle“ ebenfalls behandelt: „Für den normalen Fahrgast und Nichteisenbahner ist die Person vorne im Führerraum schlicht und einfach der Führer des Zuges, also wohl der ,Zugführer‘. Logisch hergeleitet vielleicht – betrieblich betrachtet jedoch völlig falsch!“ Eine Krankenschwester operiere ja auch nicht täglich, eine Flugbegleiterin fliege nicht selbst, und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes jage keine Bankräuber. Diese Aufgaben erfüllten „Experten“ wie der Arzt, Pilot und Polizist, die für diese Tätigkeiten ausgebildet seien. Weiter heißt es: „Ein Lokführer kann zwar zusätzlich die betrieblichen Aufgaben eines Zugführers wahrnehmen, jedoch darf ein Mitarbeiter des Zugpersonals in Funktion eines Zugführers keinen Zug fahren.“

Der Zugführer arbeitet im Fahrgastbereich und ist an einer roten Armbinde zu erkennen. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Abwicklung der Zugfahrt, die Kontrolle der Fahrscheine zusammen mit seinen Zugschaffner-Kollegen und die Lautsprecher-Durchsagen im Zug.