Ein Blick in die Küche des Kinderheims „Schwalbennest“ in Liebenau. Foto: Trapez

Ein Blick in die Küche des Kinderheims „Schwalbennest“ in Liebenau. Foto: Trapez

Liebenau 07.01.2021 Von Die Harke

Ein Zuhause für traumatisierte Kinder

Liebenauer Jugendhilfeeinrichtung „Trapez“ eröffnet Kinderheim mit familiären Strukturen

Bislang hat sich der vor rund zehn Jahren gegründete Jugendhilfeträger „Trapez“ vor allem in der aufsuchenden Familienhilfe mit der Übernahme von Erziehungsbeistandschaften und der Jugendsozialarbeit engagiert.

Nun kommt mit dem Kinderheim „Schwalbennest“ in Liebenau eine stationäre Einrichtung für traumatisierte Kinder hinzu.

Die Jungen und Mädchen zwischen vier und zehn Jahren sollen in einem sicheren Zuhause mit familiären Strukturen aufwachsen können, beschreibt Corinna Hübner die Einrichtung.

Hübner ist Mitbegründerin von „Trapez“ und neben Dieter Klinke und Rainer Rosenfeld Geschäftsführerin der „Trapez“ gGmbH, die das neue Heim betreibt. „Mit lediglich sechs Plätzen und einem hohen Betreuungsschlüssel bieten wir den Kindern ein stabiles Setting, ähnlich wie in einer Familie“, sagt Hübner, die als therapeutische Traumapädagogin und Drogentherapeutin unter anderem 16 Jahre in geschlossenen Einrichtungen der Drogentherapie gearbeitet hat.

„Uns ist wichtig, dass in unsere Arbeit im ,Schwalbennest‘ eigene Erfahrungen und Überzeugungen aus verschiedenen Bereichen einfließen. Ich bin nicht immer glücklich damit, wie es in vielen Kinderheimen läuft. Und meiner Ansicht nach wird bei Kindeswohlgefährdung in Deutschland zu oft zu lange gewartet, ehe den Eltern das Kind entzogen wird. In Skandinavien ist das anders, da hat das Kindeswohl tatsächlich Priorität.“

Corinna Hübner ist überzeugt: Sind Eltern zu Tätern geworden und kommt es trotzdem immer wieder zu Kontakt zwischen Eltern und Kind, werde es sehr schwer, das Kind ohne Traumatisierung und deren weitreichende Folgen erwachsen werden zu lassen.

Das Aufwachsen im „Schwalbennest“ solle den Kindern vor allem eines vermitteln: Sicherheit. Sie sollen wieder Vertrauen fassen können und das soziale Umfeld als berechenbar und grundsätzlich positiv erleben.

Die Vier- bis Zehnjährigen sollen dabei auch von der sozialpädagogischen Intensivbetreuung profitieren, die „Trapez“ in zwei Gruppen in Wellie und im Liebenauer Wald anbietet.

„Da arbeiten wir auch mit Tieren“, sagt Corinna Hübner: Im Umgang mit Tieren könne ein Kind offen sein und Vertrauen fassen, denn das Tier steht den Menschen zunächst zugewandt und wertneutral gegenüber. „Es passt aber nicht jedes Tier zu jedem Kind. Wir haben unter anderem Esel, Kamele, Hängebauchschweine und auch Hunde.“ Die Haltung der Tiere setzte zusätzliche Qualifikationen voraus, die die Mitarbeiter von „Trapez“ vor der Gründung des Kinderheims erworben hätten, berichtet Corinna Hübner.

Wer sich für die Einrichtung interessiert, kann sich unter www.trapez-jugendhilfe.de informieren oder unter Telefon (0170) 7 72 87 23 einen Termin vereinbaren.

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Erstellt:
7. Januar 2021, 19:59 Uhr
Lesedauer:
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