Dr. Werner Monselewski ist gestorben. Foto: Archiv

Dr. Werner Monselewski ist gestorben. Foto: Archiv

Nienburg 20.06.2020 Von Sebastian Schwake

Ein ausgezeichneter Theologe

Nienburgs ehemaliger Superintendent Dr. Werner Monselewski ist tot

Er galt als humorvoll, freundlich und stets den Menschen zugewandt. Als passionierter Klavierspieler ist er den wenigsten bekannt, den meisten dafür aber in seinem Amt als Superintendent, der von Kirche zu Kirche mit seinem Moped fuhr: Dr. Werner Monselewski, von 1973 bis 1996 Superintendent in Nienburg, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Kirchenkreis Nienburg trauert um einen ausgezeichneten Prediger und Seelsorger, dessen Spuren noch heute in der Stadt und der Kirchengemeinde St. Martin zu erkennen sind.

Werner Monselewski, den viele nur „Monse“ nannten, wurde am 9. April 1931 in Bobrek-Karf in Oberschlesien geboren. Nach der Flucht aus Oberschlesien machte er sein Abitur am Gymnasium in Stadthagen. Danach ging es für das Theologiestudium nach Münster und Göttingen. 1956 schloss er es mit dem ersten theologischen Examen ab. Nach dem zweiten theologischen Examen kam er 1958 als Hilfspfarrer nach St. Martin in Nienburg. Über die Stationen Leer, Assistenzjahre an der Universität Münster und die Tätigkeit im Landeskirchenamt als theologischer Referent promovierte er 1965 zum Doktor der Theologie. Seine Promotion verfasste er zum Thema „Der barmherzige Samariter“. Danach übernahm er das Pfarramt der Kirchengemeinde Stadtoldendorf im Weserbergland.

1973 kam er zurück nach Nienburg, wo er Superintendent wurde und bis in den Ruhestand auch blieb. „Monse“ hat weit über den Kirchenkreis Nienburg hinaus Verantwortung und Aufgaben übernommen. 18 Jahre war er Mitglied der Landessynode und der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschland sowie ständiger Anreger in der Ephorenkonferenz des Sprengels Calenberg-Hoya. Er galt als Motor der Partnerschaft zum Lutherischen Kirchenkreis Pretoria in Südafrika und sorgte maßgeblich dafür, dass die gotischen Apostelfiguren nicht im Londoner Auktionshaus Christie‘s versteigert, sondern zuvor von Bürgern der Stadt für viel Geld wieder nach St. Martin zurückkehren konnten, wo sie heute den Altar schmücken.

Werner Monselewski ist nicht nur vielen Kirchengängern und Stadtvätern bekannt, sondern auch etlichen Kindern. Eine moderne Jugendarbeit war ihm stets wichtig. Zudem galt er als ausgezeichneter Religionslehrer und unterrichtete an der Hindenburgschule. Und er liebte und suchte das interkonfessionelle Gespräch und die Diskussion, galt als „Fürst in der Diskussion“. Ging es in einer solchen mal nicht weiter, war es oft der belesene Werner Monselewski, der die Diskussion mit seinem Beitrag neu entflammte. Dabei schöpfte er aus seinem großen Wissen. Er las zahlreiche theologische und auch philosophische Bücher und machte sich noch mehr Notizen in den Büchern. Nicht alle konnte er später selbst entziffern, aber das brauchte er zumeist nicht, weil das Gelesene immer präsent in seinem Kopf war, erinnern sich Weggefährten. Er selbst galt als jemand, der spannend und in seinen Bann ziehend erzählen konnte. Er fehlte selten beim Scheibenschießen und nie auf dem Tanzparkett: Er galt als ausgezeichneter Tänzer.

Werner Monselewski hatte eine sehr soziale Ader und war Gründer des Diakonischen Werkes in Nienburg. Er galt als „Diakoniker aus tiefstem Herzen“. Mit dem ehemaligen Sozialamtsleiter Werner Feldmann sorgte „Monse“ als Vorstandsmitglied dafür, dass der Verein Herberge zur Heimat in den Siebziger Jahren eine neue Bleibe an der Bahnhofstraße erhielt und dass der Verein nicht von der Bildfläche verschwand.

Nach dem Tod seiner Frau zog Werner Monselewski zu seiner Tochter nach Bad Bramstedt, wo er vor wenigen Tagen in einer Senioreneinrichtung starb. Sein Herz hat aufgehört zu schlagen, seine Herzlichkeit indes wird vielen Nienburgern noch lange in Erinnerung bleiben.

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Erstellt:
20. Juni 2020, 09:20 Uhr
Lesedauer:
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