Die Fotomontage zeigt Mitglieder der Nienburger Grünen vor dem "Haus der Kulturen" – einem von mehreren Arbeitstiteln für die "Wissensburg" (von links): Mechthild Schmithüsen, Karim Iraki, Hedda Freese, Petra Jäkel und Peter Schmithüsen. Skizze: Kahlhöfer Korschildgen Architekten, Fotomontage: Grüne Nienburg

Die Fotomontage zeigt Mitglieder der Nienburger Grünen vor dem "Haus der Kulturen" – einem von mehreren Arbeitstiteln für die "Wissensburg" (von links): Mechthild Schmithüsen, Karim Iraki, Hedda Freese, Petra Jäkel und Peter Schmithüsen. Skizze: Kahlhöfer Korschildgen Architekten, Fotomontage: Grüne Nienburg

Nienburg 09.11.2020 Von Die Harke

„Ein schwarzer Tag für Nienburg“

Grüne kritisieren Ratsentscheidung zur „Wissensburg“

In seiner Sitzung am 27. Oktober hat der Rat der Stadt Nienburg gegen die Stimmen der Grünen den Umbau des Gebäudekomplexes Lange Straße 31 bis 33 zu einem Kulturforum endgültig abgelehnt. „Ein schwarzer Tag für Nienburg“, so Petra Jäkel, Ratsfrau und Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss.

„Die Ratsmitglieder hätten beschließen können, im Herzen der Stadt und anstelle eines leergefallenen, unbewohnbaren Gebäudekomplexes einen Ort der Bildung und der Begegnung zu schaffen.“ Europaweit werde das kommunale Bildungszentrum mit dem Angebot des konsumfreien Aufenthalts als wichtiges und nachweislich erfolgreiches Element der Innenstadt- Wiederbelebung propagiert, so Jäkel. Nienburg hätte auf diese Zukunft, auf kulturellen Austausch und auf historische und politische Transparenz setzen können.

Der Fraktionsvorsitzende Peter Schmithüsen betont, dass Bund und Land genau deswegen die Errichtung eines solchen Kulturforums mit der Übernahme von annähernd zwei Dritteln der Kosten gefördert hätten, weil hierin ein Kristallisationspunkt für eine moderne Innenstadtentwickung gesehen wurde. „Sozialstudien zeigen, dass sich die Lebenswirklichkeit der Menschen ändert. Innenstädte werden perspektivisch immer weniger zum Schaufensterbummeln, sondern eher zur Begegnung und zur Wahrnehmung von Kultur- und Bildungsangeboten frequentiert.“

Dr. Michael Krug, Ratsherr und Mitglied im Kulturausschuss, geht noch einen Schritt weiter: „Der Stadtrat vergab hier die einmalige Chance, das Ensemble der historischen Altstadt von einem Schandfleck zu befreien und dieses stadtbild-prägende Gebäude architektonisch wieder einzugliedern.“

„Außerdem“, ergänzt beratendes Mitglied der Fraktion, Hedda Freese, „geht es hier auch um die Abkehr von einem 2014 nach langem Ringen im Rat mit großer Mehrheit gefassten Beschluss. Dieser eröffnete endlich eine Perspektive, die seit vielen Jahren zunehmende Raumnot und den Sanierungsstau der Archiv- und Bibliotheksgebäude zu beenden. Dieser Beschluss wurde vor sechs Jahren nicht leichtfertig gefällt.“ Er sei das Ergebnis eines langwierigen, kontroversen Abwägungsprozesses.

Unzählige Ausschüsse und Ortstermine wurden auf der Basis dieses Beschlusses durch die Verwaltung in den folgenden Jahren vorbereitet und anberaumt“, bekräftigt der Vorsitzende des Bauausschusses Karim Iraki. Dabei wurden insgesamt acht andere Varianten für die Unterbringung des Archivs geprüft, diskutiert und wieder verworfen.

Dies alles sei nun Makulatur und „vergebene Liebesmüh“. Vor diesem Hintergrund stelle sich auch die Frage, wie solch bedeutsame Projekte durch eine Kommune überhaupt geplant und durchgeführt werden könnten, wenn auf Ratsbeschlüsse immer nur von einer Wahl zur nächsten vertraut werden dürfe, darin ist sich die Fraktion einig.

„Nun haben rückwärtsgewandte Kräfte gesiegt. Nun wird der zunehmende Leerstand von Ladenflächen weiterhin bedauert und Anstrengungen zur Neuansiedelung von Einzelhandel weiter als Rettung beschworen“, so die Ratsfrau Mechthild Schmithüsen.

„Für die Unterbringung von Archiv und Bibliothek wird sich vielleicht irgendeine Lösung finden – irgendwann. Für die Kreisstadt Nienburg aber wird alles so bleiben, wie es ist, auch der Gebäudekomplex Lange Straße 31 bis 33 als Sinnbild einer sterbenden Innenstadt und als Sinnbild für die Mutlosigkeit eines Stadtrates, der lieber vergangenen Zeiten hinterher trauert, statt sich der Zukunft zu stellen und den Wandel zu gestalten.“

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Erstellt:
9. November 2020, 09:04 Uhr
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