Ein unmoralisches Angebot auf der Bühne

Ein unmoralisches Angebot auf der Bühne

Nach langen Probenwochenenden neben den regelmäßigen wöchentlichen Probenterminen ist es jetzt an der Zeit, das Ergebnis des engagierten Arbeitsprozesses der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gymnasium Stolzenau

Die 1956 uraufgeführte Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt hat bis heute nichts an ihrer Aktualität und Brisanz verloren, schaut sie doch tief in die menschlichen Abgründe und weiß in ihrer Überzeichnung der Charaktere gleichzeitig zu amüsieren und zu schockieren. Diesem herausfordernden Stück widmet sich seit einem Jahr die Theater-AG des Gymnasiums Stolzenau unter der Leitung von Elisabeth Fritsch und Willem-Alexander Rode. Am 16. Februar ist Premiere. Zum Inhalt: In dem kleinen heruntergekommenen Städtchen mit dem bezeichnenden Namen Güllen herrscht große Aufregung. Schließlich hat sich Claire Zachanassian, eine Multimillionärin, zu Besuch in ihrer alten Heimat angekündigt. Sie hat Güllen als junge Frau verlassen und es in mehreren Ehen mittlerweile zu enormem Reichtum gebracht.

Die Bewohner der einst blühenden Stadt hoffen nun auf eine Finanzspritze seitens der Heimkehrenden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und erneut Industrie in der Gegend ansiedeln zu können. Um dies zu erreichen, soll der Krämer Alfred Ills, ihre alte Jugendliebe, bei Claire Zachanassian seinen Charme spielen lassen. Doch die alte Dame lässt sich nicht manipulieren, vielmehr ist sie diejenige, die die Güllener vor eine Wahl stellt: Sie ist bereit, ihnen eine Milliarde zu überlassen, wenn die Einwohner für Gerechtigkeit sorgen. Sie ist nämlich einst nicht freiwillig aus ihrer Heimatstadt weggezogen und hat in der Folge nicht nur ihr Kind verloren, sondern sich auch prostituieren müssen, bis ihr der gesellschaftliche Aufstieg durch die Heirat mit dem alten Milliardär Zachanassian gelang.

Nun will sie dieses Unrecht gesühnt wissen – durch die Ermordung Alfred Ills, den sie als Ursache für ihr Schicksal ausmacht, durch einen Güllener. Güllen hält viel auf seine humanistische Tradition und lehnt dieses unmoralische Angebot natürlich ab. Doch die alte Dame bleibt in Güllen, um zu beobachten, ob sich Egoismus und Gier nicht doch gegen die hochgehaltenen moralischen Werte durchsetzen können …

Die AG hat daran gearbeitet, sowohl die grotesken Elemente des Stücks als auch die das Publikum selbst in Frage stellenden Momente pointiert auf die Bühne zu bringen. Denn am Ende muss sich jeder fragen, wie viel Güllen in einem selbst steckt.

Nach langen Probenwochenenden neben den regelmäßigen wöchentlichen Probenterminen ist es jetzt an der Zeit, das Ergebnis des engagierten Arbeitsprozesses der Öffentlichkeit zu präsentieren. Am Sonnabend, 16. Februar, Montag, 18. Februar, und Mittwoch, 20. Februar, ist jeweils um 19.30 Uhr Gelegenheit, im Forum des Gymnasiums Stolzenau herauszufinden, inwieweit der Mensch tatsächlich korrumpierbar und was gerecht ist. Ist mit Geld wirklich alles käuflich? Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet jedenfalls ein Abend voller anregender Momente, spannender Charaktere, komischer wie tragischer Entwicklungen und einem Schuss Groteske.

Alle Beteiligten würden sich über viele Zuschauer freuen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten.