Einblick in eine nicht immer leichte Zeit gewährt

Einblick in eine nicht immer leichte Zeit gewährt

Gesine Lange (Zweite von links) mit einigen Uchter Landfrauen. Sie schilderte ihre Kinder- und Jugendzeit in der DDR. Rodenberg

Rosita Schildmeyer vom Landfrauenverein Uchte begrüßte kürzlich 92 Landfrauen und Gäste auf Hof Frien in Höfen zur Nachmittagsveranstaltung. Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken stellte sich die Referentin, Gesine Lange, Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, vor. Sie berichtete von ihrer nicht immer leichten Kindheit als Pfarrerstochter in der ehemaligen DDR. Sie wurde 1967 in Rostock geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in einem Dorf in der Nähe von Güstrow, wo ihr Vater die erste Pfarrstelle hatte.

Zur nächsten Pfarrstelle in Rostock musste die Familie in einen grauen Neubau umziehen. Die Referentin schildert das Leben im Plattenbau. Ihre Schulerlebnisse machten deutlich, wie schwierig das Leben in der DDR war, die sich nicht uneingeschränkt der sozialistischen Gemeinschaften unterwarfen. Sie hatte ihre alten Schulbücher mitgebracht, in denen Panzerabbildungen und Bastelanleitungen wie für Gasmasken zur Standardablichtung gehörten.

Als Kind eines Pfarrers zu studieren, ging in der DDR nicht. Gesine Lange machte eine Ausbildung zur Kinderdiakonin. Sie heiratete einen Mann aus Westdeutschland und konnte somit im Sommer 1989 ausreisen. Ihre zwei Brüder hatten bereits 1987 zusammen mit ihren Familien die DDR verlassen. Für die Eltern Gauck war ab diesem Zeitpunkt eine schwierige Zeit angebrochen. Doch sie hofften, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft im Westen Deutschlands hatten.

Die Stasi hatte auch eine Akte über Gesine Lange angelegt, die ihr Vater später als Leiter der „Gauck-Behörde“ entdeckte. Der Mauerfall im November 1989 ist für für sie ein großes persönliches Geschenk und Glück für ihre Familie. Gesine Lange lebt heute in zweiter Ehe im Landkreis Osterholz. Sie hat zwei Töchter, zwei Söhne und einen kleinen Enkel. Still und nachdenklich folgten die Landfrauen und Gäste den Erzählungen.

Ein Stück der Mauer hatte Gesine Lange zur Ansicht an diesem Tag nach Höfen mitgebracht. Mit einem langen Applaus und einem Dankeschön von Rosita Schildmeyer wurde die Referentin verabschiedet.