Eine Farce...

Eine Farce...

Philipp Keßler DH

Der Streit ist eskaliert. Zickenzoff, und das im Profihandball. Vor rund einer Woche mussten die Rhein-Neckar Löwen, amtierender deutscher Handballmeister und Bundesliga-Spitzenreiter, am selben Tag sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions-League spielen. Ein Desaster für den Verein und den Handballsport. Wie konnte das passieren? Des Pudels Kern liegt in den Streitigkeiten zwischen dem deutschen und dem europäischen Handballverband und deren TV-Terminierungen. Das Ligaspiel gegen den THW Kiel wurde live in der ARD übertragen und war laut den Verantwortlichen nicht zu verschieben. Die EHF hatte die Termine der Champions-League zuerst bekanntgegeben und bot lediglich an, dass Heimrecht im Hinspiel von Kielce mit den Löwen zu tauschen. Die Löwen bestanden dennoch auf den Vorteil, im zweiten Spiel zu Hause anzutreten; aus sportlicher Sicht vollkommen verständlich.

Letztlich war dem Bundesligisten die Meisterschaft wichtiger als die europäische Bühne. Sportchef Oliver Roggisch argumentierte: „Wir mussten uns entscheiden: Was ist realistischer – wieder Meister werden oder die Champions League zu gewinnen?“

Logistisch war ein Doppel-einsatz der Löwen-Stars nicht möglich, die Distanz zwischen dem polnischen Kielce und Kiel zu groß.

Der Verein entschied daher, die Zweitvertretung aus der dritten Liga nach Polen zu schicken und mit der ersten Garde den Spitzenplatz in der Bundesliga zu verteidigen. Die Rechnung ging leider nicht auf: Kielce fertigt die jungen Mannheimer im Achtelfinal-Hinspiel mit 41:17 ab und in Kiel unterlag die nummero uno mit 22:27. Das Rückspiel gegen den polnischen Meister verkam somit schon vor dem Anwurf zu einer sportlichen Farce. Der Leidtragende im Terminzoff ist der Verein, dabei waren es die beiden Verbände HBL und EHF, die diesen Nonsens verursacht haben.

Die Fronten auf Funktionärsebene scheinen sich stark verhärtet zu haben und die Vereine stehen dazwischen. Richtig wäre es gewesen, hätte der Verband sein Mitglied und dessen Meinung vertreten. Das geschah in diesem Fall nicht und ist für die Löwen sehr enttäuschend, für die ganze Sportart Handball aber noch viel bitterer.

Wie will man mit solch unprofessionellem Verhalten jemals dem großen Schatten von König Fußball entkommen? Dieser unfreiwillige Doppelspieltag der Rhein-Neckar Löwen wird für fast alle Beteiligten und Freunde des Sports als große Enttäuschung in die Geschichtsbücher eingehen.

Nicht ganz. Die Spieler der Mannheimer Zweitvertretung werden noch ihren Enkeln von dem größten Spiel ihres Lebens berichten: einer ausverkauften Campions-League Partie in Polen.