Eine Neuinfektion, drei Genesungen

Eine Neuinfektion, drei Genesungen

Kreissprecher Cord Steinbrecher warnt vor falscher Interpretation der aktuellen Zahlen. Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com

Gute Nachricht aus dem Kreishaus, aber für Kreissprecher Cord Steinbrecher mitnichten ein Grund zur Entwarnung oder gar Verhaltensänderung: Die Zahl der aktuell Infizierten ist um zwei Fälle auf 19 zurückgegangen. Steinbrecher hat am Mittwoch eine Neuinfektion gemeldet, der die ersten drei Genesungen im Kreisgebiet gegenüberstehen.

„Das bedeutet nicht, dass die Menschen das Kontaktverbot jetzt wieder missachten sollten“, sagt Steinbrecher: „Das kann eine totale Momentaufnahme sein. Wir können die Entwicklung absolut nicht einschätzen.“ Deshalb rät das Gesundheitsamt weiter, Kontakte zu anderen Menschen zu meiden, um weitere Infektionen zu verhindern. Bislang sind im Kreisgebiet 159 angeordnete Quarantänen ausgesprochen worden, 86 davon sind mittlerweile aufgehoben. Empfohlene Quarantänen gibt es zurzeit 19.

In einer Pressemitteilung hat das Gesundheitsamt gestern auf die Testsituation im Kreisgebiet hingewiesen. Dort heißt es: „Der Landkreis Nienburg ist mit 22 laborbestätigten Covid-19-Infektionen im Vergleich zu fast allen anderen Nachbar-Landkreisen und der Region Hannover bislang relativ wenig betroffen.“ Während landesweit 27 von 100000 Einwohnern infiziert sind, sind es im Kreisgebiet etwa 18.

Eine Labordiagnose sollte nach den Worten des Gesundheitsamtes nur bei Krankheitszeichen durchgeführt werden. „Wenn man gesund ist, sich aber noch in der Inkubationszeit befindet (diese kann bis zu 14 Tage betragen), sagt ein negativer Test auf Covid-19 nichts darüber aus, ob man schon krank ist oder nicht noch krank werden kann“, heißt es in der Mitteilung: „Es wird auch nicht jeder, der glaubt, seine Symptome würden auf das Coronavirus hindeuten, in Deutschland getestet.“

Mit dem Vorgehen, nur coronaverdächtige Personen mit Krankheitssymptomen zu testen, halten sich die niedergelassenen Ärzte (inklusive Zentraler Abstrichstelle) nach Angaben der Kreisverwaltung streng an die aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. „Nach diesen Empfehlungen sind Testungen nicht-symptomatischer Personen medizinisch nicht sinnvoll und führen zu einer unnötigen Belastung der Labore und zum Verbrauch notwendiger Testmaterialien“, teilt der Landkreis mit.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung aus Nienburg, Dr. Daniel Cording, hat im Gespräch mit der HARKE Verständnis dafür geäußert, dass auch Menschen im Landkreis mehr Corona-Tests fordern. „Es ist aber wichtig, dass ein Arzt vorher entscheidet, ob ein Test gemacht werden soll oder nicht“, sagt Cording: „Für diese Entscheidung hat uns Ärzten das Robert-Koch-Institut jetzt mehr Freiheiten gegeben.“

Nach Cordings Worten könnten Ärzte jetzt Menschen testen lassen, die Symptome zeigen, die auf Covid 19 hindeuten – ohne dass ein Kontakt zu einer infizierten Person oder ein vorheriger Aufenthalt in einem Risikogebiet gegeben sein muss. Bis vor zwei Tagen sei das noch ein Pflichtkriterium gewesen.

„Natürlich ist es wichtig, dass Patienten getestet werden, die Symptome zeigen“, sagt Cording: „Schließlich geht es dabei um einen möglicherweise erhöhten Schutzfaktor. Die Patienten müssen in häusliche Quarantäne.“ Ein Arzt sollte aber Patienten mit entsprechenden Symptome ohnehin die Maßregelung geben, sich so zu verhalten, als hätte er Covid 19, sprich Kontakte zu anderen Menschen zu meiden.

Über allem schwebt der begrenzende Faktor der Ressourcenknappheit. „Wir müssen aber aktuell mit den knappen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, haushalten“, sagt Cording. Es gebe sowohl begrenztes Testmaterial als auch begrenzte Schutzkleidung. Zudem sei die Kapazität in den Testlaboren begrenzt.

Alle Informationen zum Coronavirus und zu den Kriterien für Labortests finden Interessierte auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts unter www.rki.de.