Die Sulinger Rallye führt am kommenden Sonnabend auch durch den „Irrgarten“ des Steyerberger IVG-Geländes. Foto: Fabian Kreim

Die Sulinger Rallye führt am kommenden Sonnabend auch durch den „Irrgarten“ des Steyerberger IVG-Geländes. Foto: Fabian Kreim

Motorsport 29.04.2017 Von Die Harke

„Eine einmalige Prüfung“

Die Sulinger ADAC-Rallye gastiert wieder auf dem Steyerberger IVG-Gelände / Erstmals Raum für Zuschauer

Die [DATENBANK=4443]ADAC[/DATENBANK]-Rallye „Rund um die Sulinger Bärenklaue“ gehört zu den absoluten Rallye-Höhepunkten im norddeutschen Motorsport-Kalender. Traditionell gastiert die Sulinger Rallye auch im Kreis Nienburg – auf dem IVG-Gelände in Steyerberg. Kleines Problem bisher: Für Zuschauer war das IVG-Gelände bisher immer gesperrt – aus Sicherheitsgründen. Nun aber können die PS-Fans die Boliden im Steyerberger „Irrgarten“ hautnah erleben. Wenn vom 4. bis 6. Mai die Rallye als dritter von acht Läufen zum ADAC Rallye Masters und der Deutschen Rallye-Meisterschaft (DRM) ausgetragen wird, dreht sich nicht alles, aber sehr vieles um diese einmalige Wertungsprüfung. Mit den beiden Durchgängen von jeweils 25 Kilometern werden 50 der insgesamt 160 Sulinger Wertungskilometer in dem Kurvenlabyrinth des IVG-Geländes absolviert.

1939 wurde auf einer Fläche von rund zwölf Quadrat-Kilometern in dem Waldgebiet unweit von Liebenau und Steyerberg eine Pulverfabrik erbaut. Der flächenmäßig größte Rüstungsbetrieb Deutschlands beinhaltet rund 400 Gebäude, deren Flachdächer wurden zur Tarnung mit einer Erdschicht bedeckt und bepflanzt. Ein Netz von 42 Kilometern Eisenbahnschienen und 84 Kilometern Betonstraßen durchzieht das Gelände. Den heutigen Namen als IVG-Gelände hat das Areal von der jetzigen Betreiber- und Verwertungsfirma IVG. Seit 2000 nutzt die MSG Sulinger Land das scheinbar unendliche und vor allem unübersichtliche Straßennetz für seine Rallyes.

Es gibt nur wenige Menschen, die sich ohne Karte und ohne Guide in den Rallye-Irrgarten hineintrauen – und dann auch wieder herausfinden. „Bei den Veranstaltungen führen wir am Eingangstor immer eine Liste der Fahrzeuge, die hineinfahren und kontrollieren abends vor dem Zuschließen, ob auch alle wieder raus sind“, erklärt der Sulinger Rallyepilot Christian Riedemann zwar schmunzelnd, aber mit ernstem Hintergrund. „Im Laufe der Jahre mussten wir den einen oder anderen dann doch mal suchen und auf den richtigen Weg zurückführen.“

Da die Straßen im Rallye-Irrgarten zumeist nur einmal im Jahr benutzt werden, sind vor der Veranstaltung viele Vorarbeiten zu leisten. „Wir schneiden die Wege frei und reinigen die Beton-Strecken mit einer Kehrmaschine, die ist ziemlich genau so breit ist wie ein R5 – auf der Spur ist dann kein Platz für Fehler. Am besten ist der Straßenzustand direkt nach der Rallye – dann sind die Wege fast komplett freigefahren.“

„Das IVG-Gelände ist eine Prüfung, die es so in Deutschland nur einmal gibt. Sie ist stellenweise eng und winkelig, dazu gibt es Passagen, die recht schnell und breit sind“

2017 muss Riedemann auf den Start beim „Heimspiel“ verzichten. Nach seinem Unfall bei der Hessen-Rallye Vogelsberg vor drei Wochen befindet er sich in der Genesungsphase, „das tut schon sehr weh, aber so kann ich der Rallye jetzt noch besser helfen, denn ich habe einfach mehr Zeit und kann all meine Erfahrungen in die Organisation einbringen.“

Dass Riedemann das IVG-Gelände mag, ist bekannt, aber was sagen die anderen Piloten, die sich dieser einmaligen Herausforderung stellen? „Das IVG-Gelände ist eine Prüfung, die es so in Deutschland nur einmal gibt. Sie ist stellenweise eng und winkelig, dazu gibt es Passagen, die recht schnell und breit sind“, sagt Škoda-Pilot Fabian Kreim, der aktuell die DRM anführt. Walter Gromöller ist im Opel Ascona 400 aktuell Vierter in der Gesamtwertung des Rallye Masters. Auch er mag den Irrgarten: „Die Strecke hat alles, Schotter-, Gras- und Asphalt-Passagen, dazu alles noch recht eng und unübersichtlich. Da muss der Aufschrieb exakt passen, sonst bist du nicht schnell unterwegs, sondern nur ganz schnell neben der Strecke.“

Philipp Knof ist amtierender Titelträger der 2WD-Wertung und stieg in diesem Jahr mit einem Peugeot 207 S2000 in die Allradklasse auf. „Das Gelände ist einfach nur unglaublich groß, man hat keinerlei Überblick mehr, wenn man erst einmal drin ist. Es ist sehr wichtig, einen präzisen Aufschrieb zu haben, um all die versteckten Ecken und Kanten nicht zu erwischen. Denn dann folgt unweigerlich ein Plattfuß.“

Die Fans werden nun erstmals die Gelegenheit haben, die Fahrer live zu erleben. „Wir wurden immer wieder gefragt, warum wir keine Zuschauer auf das Gelände lassen, jetzt haben wir eine Möglichkeit gefunden, an einem Tor die Zuschauer kontrolliert auf das IVG-Gelände zu lassen“, erklärte Rallyeleiter Jürgen Riedemann. Rund geht es am kommenden Sonnabend in den beiden Durchgängen ab 9.15 und ab 12.17 Uhr. Der Fernsehsender n-tv zeigt immer am Sonntag direkt nach der Rallye das Magazin „PS – Die Deutsche Rallye-Meisterschaft“. Die Berichterstattung über die Rallye wird am Sonntag, 7. Mai, ab 7.30 Uhr ausgestrahlt. Zudem kann das DRM-Magazin auch jederzeit in der n-tv-Mediathek angeschaut werden. Infos und Nachrichten finden Fans auf www.adac.de/rallye-masters.

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Erstellt:
29. April 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

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