Nienburg 20.01.2018 Von Die Harke

Eine jüdische Wissenschaftlerin

Lesung und Ausstellungseröffnung am 28. Januar in Nienburgs Rathaus

Zwar nicht eine Schlachtszene des Ersten Weltkriegs, aber doch ein damit eng verbundenes Drama spielte sich am 2. Mai 1915 im Faradayweg 8 in Berlin-Dahlem ab. Clara Immerwahr, talentierte Wissenschaftlerin und Ehefrau des späteren Nobel-Preisträgers Fritz Haber, erschoss sich in den frühen Morgenstunden im Garten der Villa. Das Ehepaar, beide angesehene Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde, hatte sich ausweglos über den Widerspruch von Patriotismus und Friedensliebe zerstritten. Fritz Haber, seit 1911 gefeierter Gründungsdirektor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie und international als Forscher und Erfinder mehrfach für den Nobelpreis nominiert, hatte sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, für das kaiserliche Heer Chlor-Kampfgase entwickelt und ihren Einsatz an der Westfront koordiniert. Clara brandmarkte dies als Perversion der Wissenschaft; ihrer Auffassung nach hatte sich Wissenschaft für den friedlichen Fortschritt und ein besseres Leben für alle Menschen einzusetzen. Da Haber ihre Einwände zurückwies, hatte Clara keinen anderen Ausweg gesehen, als ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Die dramatische Entwicklung der Ehe des renommierten Wissenschaftlerpaars vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges ist Thema der Lesung, zu der der Arbeitskreis Gedenken am kommenden Sonntag, 28. Janaur, um 11:15 ins Vestibül des Rathauses einlädt. Sabine Friedrich, promovierte Germanistin und freie Autorin, liest aus ihrem Roman „Immerwahr“. In den Mittelpunkt ihres biographischen Werks stellt sie das Schicksal der jüdischen Wissenschaftlerin. Clara leidet an der doppelten Ausgrenzung als Jüdin und als Frau, unterwirft sich aber andererseits den sozialen Zwängen als Gattin eines prominenten Akademikers und Gefolgsmanns des Kaisers.

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Erstellt:
20. Januar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 47sec

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