16.12.2012

„Einmal etwas Besonderes essen“

Am Marion Dönhoff-Gymnasium geht die diesjährige Aktion „Weihnachtswunsch“ zu Ende

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Im Grunde ist das Ergebnis alarmierend: Wünschten sich Mütter oder Väter im vergangenen Jahr noch am häufigsten Spielsachen für ihre Kinder, sind in diesem Jahr auffallend häufig Lebensmittel angegeben. Eine Weihnachtsgans stand zwar nicht auf dem Wunschzettel, dafür wurde aber besonders oft um – eigentlich selbstverständliche – Dinge des täglichen Bedarfs gebeten: Schinken, Käse oder Kaffee. Für Stephan Homberg, als Leiter der Kroatien-AG Koordinator der Aktion „Weihnachtswunsch“ am Marion Dönhoff-Gymnasium, ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die Not der Menschen im Landkreis Nienburg größer wird und die bisherigen „Luxusgüter“ Barbie-Puppe oder Lego-Baukasten abgelöst werden durch den Wunsch, an Weihnachten einmal etwas Besonderes essen zu wollen.

Etwa vier Wochen stand die Wunschbox vor dem Sekretariat des MDG wieder allen zur Verfügung, die sich für sich und die eigene Familie oder Menschen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis etwas wünschen wollten. Und für diejenigen, die diese Wünsche erfüllen wollten. Und weil Stephan Homberg eine möglicherweise missbräuchliche Nutzung ausschließen wollte, hat er so gut wie jeden Wunsch gesichtet: ein warmer Pullover, warme Strümpfe oder eine warme Decke, wurden beispielsweise genannt. Aber auch eine CD und eine Tasche oder ein ferngesteuertes Auto. So wie auf dem Wunschzettel, die der Koordinator am Donnerstagvormittag aus der Wunschbox fischte. Ein Junge hatte sich ganz viel Mühe mit seinem Wunschzettel gemacht. Er hatte das Objekt seiner Begierde aus einem Prospekt ausgeschnitten, aufgeklebt, dazu geschrieben, wo es zu haben ist und auch, wieviel es kostet. Denn kosten soll der Weihnachtswunsch, auch aus Rücksicht auf die Schenkenden, nicht mehr als 25 Euro.

Erfüllt werden die Wünsche in erster Linie durch die Schülerinnen und Schüler des MDG. Für sie ist es längst selbstverständlich geworden, dass sie sich zumindest in der Vorweihnachtszeit auch im Kinder und Erwachsene kümmern, deren größter Wunsch nicht etwa das allerneueste I-Phone ist, sondern die sich Sachen wünschen, die für viele andere selbstverständlich sind.

Um die Sachen, die auf den Wunschzetteln stehen, kaufen zu können, wird in der Regel in der Klasse gesammelt. Meistens zwei Euro pro Person. Ist der Wunsch etwas kostspieliger, wie zum Beispiel bei einem warmen Pullover, scheuen die Schüler auch nicht davor zurück, in das entsprechende Fachgeschäft zu gehen und zu fragen, ob ihnen das Kleidungsstück auch günstiger überlassen wird. In der Regel mit Erfolg, wie Stephan Homberg berichtet. Auf diesem Wege konnte sogar eine neue Matratze beschafft werden. „Ohne das Entgegenkommen des Einzelhändlers wäre das schlicht unmöglich gewesen“, so der Koordinator.

Kreativität bewiesen die Schülerinnen und Schüler auch, als eine Frau den Wunsch äußerte, einmal zu einem richtigen Friseur gehen zu dürfen. Es wurde nicht einfach ein Gutschein gekauft, sondern die junge Leute erkundigen sich in den ihnen bekannten Frisiersalons nach der Möglichkeit, wie dieser Wunsch zu erfüllen sei.

Überbracht werden alle Geschenke persönlich. Liebevoll verpackt, manchmal auch noch ergänzt um ein Foto von der gesamten Klasse.

Dass von dieser Aktion beide Seiten – Beschenkte wie Schenkende – profitieren, steht für Stephan Homberg außer Frage. „Natürlich registrieren unsere Schüler, dass es auch in Nienburg und Umgebung Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt, für die vermeintlich Selbstverständliches alles andere als selbstverständlich ist,“ betont auch Schulleiter Eckhard Hellmich.

Dass es die Aktion „Weihnachtswunsch“ einmal nicht mehr geben könnte, ist nicht zu befürchten. „Die Aktion ist mittlerweile so etabliert, dass wir eigentlich gar nicht mehr dafür werben müssen. Die Wunschzettel kämen trotzdem“, so Stephan Homberg.

Zum Artikel

Erstellt:
16. Dezember 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.