Vor rund 35 Jahren war so gut wie alles anders: der ehemalige Austauschschüler Mario C. Barrantes Mancini  beim Schulrundgang mit Elke Toepsch, Lutz Kulze-Meyer und Gudrun und Dierck Willemer Hagebölling

Vor rund 35 Jahren war so gut wie alles anders: der ehemalige Austauschschüler Mario C. Barrantes Mancini beim Schulrundgang mit Elke Toepsch, Lutz Kulze-Meyer und Gudrun und Dierck Willemer Hagebölling

Nienburg/Eystrup 09.12.2017 Von Edda Hagebölling

Einst Austauschschüler, heute Lehrer

Argentinier Mario C. Barrantes Mancini nach 36 Jahren erstmals wieder im Landkreis Nienburg zu Besuch

Eigentlich wollte er damals in die USA. Doch erstens hätte er dafür ein Visum gebraucht. Und zweitens hätten seine Eltern sicherstellen müssen, dass ihr Sohn in diesem einen Jahr niemandem finanziell zur Last fallen würde. Und das konnten sie nicht. Schließlich war er nicht ihr einziges Kind. Also entschied sich Mario C. Barrantes Mancini für Deutschland.

Ein Jahr lang besuchte der Argentinier im Rahmen eines Schüleraustauschs das heutige Marion-Dönhoff-Gymnasium, gelebt hat er in dieser Zeit bei Gudrun und Dierck Willemer in Eystrup. Quasi als deren vierter Sohn. Jetzt ist Mario C. Barrantes Mancini zum ersten Mal wieder nach Eystrup zurückkehrt. 52 Jahre alt, Vater von vier Kindern, Lehrer in Cordoba. Sein Wiedersehen mit Willemers verbindet der Argentinier unter anderem mit Reisen nach Berlin, München und Rom.

Am Dienstag statteten Gudrun und Dierck Willemer und Mario C. Barrantes Mancini dem [DATENBANK=4705]Dönhoff-Gymnasium[/DATENBANK] einen Besuch ab. Und erinnerten sich an Gegebenheiten und Örtlichkeiten, über die sich Schulleiter Lutz Kulze-Meyer selbst nur wundern konnte. Kulze-Meyer ist erst seit April Chef des [DATENBANK=4705]MDG[/DATENBANK].

Doch der Argentinier ist nicht nur gekommen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Er will sich auch ein Bild davon machen, wie die Schüler in Deutschland lernen. Und wie die Schulleiter so sind.

Aufgefallen war ihm bereits, dass sich die Kinder in Deutschland in den Pausen schmutzig machen dürfen. Und dass die Schulleiter recht jung sind. „Das habe ich aber auch geschafft“, sprang Dierck Willemer –bis zu seiner Pensionierung Schulleiter in Eystrup – Lutz Kulze-Meyer bei, nachdem dieser eingestehen musste, dass er „erst“ 48 Jahre sei.

Willemers erinnern sich noch gut an den Tag, an dem sie ihren Austauschschüler Ende Januar am Flughafen in Hannover abholten. „Es war 23 Uhr. Mario kam auf uns zu wie ein guter Freund. Bekleidet mit einem Poncho. In der einen Hand ein Lexikon“, so Gudrun Willemer. Ostern konnte er bereits so gut Deutsch, dass man sich ohne allzu große Mühe unterhalten konnte. Das wiederum kam nicht von ungefähr, wie die Runde an diesem Morgen erfahren sollte.

Als der 16-jährige Mario C. Barrantes Mancini seinem Vater offenbarte, dass er für ein Jahr nach Deutschland möchte, lagen bereits drei Monate selbst erteilten Deutschunterrichts hinter ihm. Mit Büchern, die er sich von seinem Essensgeld gekauft hatte.

„Junge, wir haben ein Problem.“ An die Antwort seines Vaters erinnert sich der heute 52-Jährige noch sehr genau. „Wir brauchen dafür auch die Unterschrift von deiner Mutter.“ Und die wollte ihren Sohn nicht so ohnes weiteres so einfach ziehen lassen. Allerdings nicht etwa, weil sie mit der Wahl des Zieles nicht einverstanden war, sondern, weil sie eine Mutter war, die ihre Küken gerne um sich scharte. „Schließlich standen aber beide Unterschriften unter dem Antrag und der Reise nach Deutschland stand nichts mehr im Wege“, so Mario C. Barrantes Mancini schmunzelnd.

Ins zurzeit 37 Grad heiße Argentinien zurückkehren wird der ehemalige Austauschschüler im Januar. Das Weihnachtsfest wird er also getrennt von seiner Frau und den vier Kindern verbringen. Der Wunsch, Willemers wiederzusehen, war so groß, dass er ihn nicht weiter aufschieben wollte. „Meine Familie hatte aber großes Verständnis“, so der Argentinier.

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Erstellt:
9. Dezember 2017, 21:00 Uhr
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