Der verurteilte Jörg N. (rechts). DH

Der verurteilte Jörg N. (rechts). DH

Verden/Loccum/Bad Rehburg 15.06.2017 Von Die Harke

Elfeinhalb Jahre Haft wegen Totschlags

Fall Judith Thijsen: Mordmerkmale konnten laut Urteilsbegründung nicht festgestellt werden

Trotz angeordneter Sicherungsverwahrung durfte der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter Jörg N. immer wieder das landeseigene [DATENBANK=4824]Maßregelvollzugszentrum in Bad Rehburg[/DATENBANK] verlassen. Auf einem dieser unbegleiteten Freigänge im September 2015 tötete er die 23 Jahre alte Judith Thijsen. Gestern wurde der 49-Jährige am Landgericht Verden wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt und erneut die Sicherungsverwahrung angeordnet. Bis zum Schluss hatte die Staatsanwaltschaft Verden an dem Vorwurf des Mordes festgehalten und dem hatten sich in ihren Plädoyers gestern Vormittag auch die drei Nebenklagevertreter angeschlossen. Übereinstimmend hatten alle vier Juristen eine lebenslange Freiheitsstrafe plus Anordnung der Sicherungsverwahrung gefordert. Die beiden Verteidiger versuchten indes in ihren Schlussvorträgen Zweifel zu säen und beantragten einen Freispruch. 56246. In der Urteilsbegründung wurde dies als „angepasste Teileinlassung“ gewertet.

Es war ein aufwendiger und Indizienprozess mit vielen Besonderheiten und Pannen. 51709. Ob sie vergewaltigt wurde, konnte nicht mehr festgestellt werden.

Lange galt der Vater als dringend tatverdächtig, doch dann fiel auf, dass ein am Tatort gefundenes Kaugummipapier nicht auf Spuren untersucht worden war. Daran befand sich die vollständige DNA des im Januar 2012 vom Landgericht Aurich wegen Vergewaltigung zu knapp fünf Jahren Haft plus Sicherungsverwahrung verurteilten Angeklagten. Wegen der Tat an Judith Thijsen wurde der Angeklagte im April 2016 während einer Wellness-Behandlung außerhalb des Maßregelvollzugs festgenommen.

Für das Gericht reichten die Indizien, um zur „Überzeugung zu gelangen, dass der Angeklagte die Tat begangen hat“. Dazu gehörten Kratzspuren, die der 49-Jährige bei seiner Rückkehr in den Maßregelvollzug am Tattag im Gesicht hatte. Außerdem fanden sich unvollständige DNA-Spuren unter den Fingernägeln des Opfers, die eine Wahrscheinlichkeit von 1:1000 zum Angeklagten aufweisen.

„Nicht feststellen konnten wir die Mordmerkmale“, hieß es in der Urteilsbegründung. Zum Motiv wisse man zu wenig. Von sexuellen Handlungen sei auszugehen, aber zu Gunsten des Angeklagten müsse man davon ausgehen, dass diese einvernehmlich waren. Aber auch dafür gibt es keineAnhaltspunkte.

Vermutlich ist die 23-Jährige erwürgt worden. „Die Kammer geht davon aus, dass der Angeklagte beim Würgen den Tod zumindest bedingt vorsätzlich in Kauf genommen hat“, so der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. Die Sicherungsverwahrung wurde angeordnet. „Wenn er rauskommt besteht die Gefahr, dass er erneut eine Vergewaltigung oder einen andere Straftat wie einen Totschlag begeht“, urteilten die Richter.

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Erstellt:
15. Juni 2017, 21:00 Uhr
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